Für Guy Morin ist es auch eine persönliche Angelegenheit. Der praktizierende Hausarzt und ehemalige Basler Regierungspräsident setzt sich für die Spitalgruppe beider Basel ein, wo er kann. Auf Podien, in Zwiegesprächen, an Konferenzen: Der Grüne kann und will das Politisieren nicht lassen.

So verteidigte er die Fusion der öffentlichen Spitäler von Basel-Stadt und Baselland unlängst an einem Podium aufs Schärfste. So scharf, dass der Baselbieter FDP-Landrat Sven Inäbnit von Schwarzmalerei spricht und davon, dass «die Welt bei einem Scheitern des Projekts nun wirklich nicht gerade zusammenbricht.»

FDP findet: «Hochrisikoprojekt»

Inäbnit erzählt das auch mit einer politischen Agenda. Denn die FDP ist die einzige Baselbieter Partei, die den Zusammenschluss der Spitäler offen bekämpft. Wenn morgen Donnerstag die erste Lesung des Geschäfts im Landrat stattfindet, rechnet er nicht mit viel offener Unterstützung.

Die CVP habe sich auf ein Ja zu den Plänen «eingeschworen», Linke und Grüne seien auch dafür, nur bei den Grünliberalen und den Grünen-Unabhängigen hofft Inäbnit auf Fusionsskeptiker. Ebenso bei der SVP, aber die Rechtsbürgerlichen halten zu ihrem Regierungsrat Thomas Weber, der das Geschäft fürs Baselbiet vertritt.

Zu träge, wird befürchtet

Die Baselbieter FDP sieht drei Hauptargumente, die gegen ein fusioniertes Grossspital sprechen: Erstens werde das Konstrukt äusserst schwerfällig zu führen, da es sich als Konglomerat unter einem staatlichen Schirm befinde; das erschwere die Reaktionsfähigkeit bei anstehenden Änderungen im Gesundheitswesen.

Zweitens sei die Wettbewerbssituation ungeklärt, so Inäbnit, weil die staatliche Universitätsspital Nordwest AG eine Marktmacht von über 70 Prozent einnehmen würde. Drittens verortet die FDP staatspolitische Probleme, da das Baselbiet in den per Staatsvertrag geregelten Mehrheitsverhältnissen der klar kleinere Partner sei. «Ganz klar ein Hochrisikoprojekt», sagt Inäbnit.

Die Linke ortet Unsinn

In der Stadt wiederum sind die Verhältnisse umgekehrt. Hier sind es die Bürgerlichen, die weitgehend hinter CVP-Regierungsrat Lukas Engelberger stehen, der als Gesundheitsdirektor die Stadt repräsentiert. Hier ist es die Linke, die auf Konfrontationskurs geht, allen voran die SP. Gesicht des Widerstands zu Basel ist Kaspar Sutter, ehemaliger Generalsekretär von Finanzdirektorin Eva Herzog und SP-Grossrat.

Sutter hat seine Position schon mehrfach klar gemacht. Für die Gegner sind die Investitionskosten von 3,2 Milliarden Franken zu hoch, das vorgesehene Orthopädiezentrum auf dem Bruderholz schlicht unnötig. Die privatrechtliche Organisation sei zudem demokratisch fragwürdig und die Mitsprache der Bevölkerung würde durch das Ausscheiden des Spitals aus öffentlichen Strukturen ausgehebelt.

Die letzte Bastion

Es sind klar andere Argumente als die der Baselbieter FDP, aber sie zielen auf denselben Kern: Die Gruppe wird zu gross, nicht führbar und die Mitsprache sei unzumutbar geregelt. Wobei auch da die Basler Linke eine andere Position vertritt als die Baselbieter FDP: Während den Landschäftlern ihr Anteil an der Gruppe zu gering ist, monieren die Basler SPler, dass Baselland zwar gleichberechtigt mitbestimme, aber nur den geringeren Anteil der Kosten tragen müsse. Zwei Sichtweisen, eine Stossrichtung: Nein zur Spitalgruppe.

Guy Morin versucht derweil, vor allem in Basel Befürworter für die Spitalgruppe zu gewinnen, scheut sich aber auch nicht vor bikantonalen Auftritten. Dasselbe gilt für die SP-Nationalrätinnen Silvia Schenker (Basel-Stadt) und Susanne Leutenegger Oberholzer (Baselland), die sich in Basel kürzlich zusammen mit Grünen-Grossrat Jürg Stöcklin und dem ärztlichen Leiter des Unispitals als lose Gruppierung von «vier prägnanten Stimmen» vorstellten.

Allein die Wahl von Ort und Einflussnahme zeigt: Die grösste Gefahr für die Befürworter geht von der Basler Linken aus. Die damit erneut zusammen mit Baselbieter Bürgerlichen eine bikantonale Fusion abschiessen könnte.