Walter Renschler starb bereits 2006. Uchtenhagen und Hubacher sind nun die letzten beiden jener vier sozialdemokratischen Politiker, die in den 1970er-Jahren in Bern den Ton in der SP angaben.

Gerwig machte sich damals vor allem in Rechtsfragen, bei der Jura-Frage und beim neuen Eherecht einen Namen. Zusammen mit seinen drei Kollegen sass er im Rat vorne – «um den Parteigenossen zu zeigen, wie sie abstimmen sollten», wie es FDP-Urgestein Franz Steinegger einst ausdrückte.

Er verpasste die Niederlage

Gerwig trat 1983 nicht mehr zur Wiederwahl an. Und verpasste so die bitterste Stunde der Viererbande: Statt ihres Mitglieds Lilian Uchtenhagen wählte die Bundesversammlung den als konservativ geltenden Solothurner SP-Mann Otto Stich zum Nachfolger des verstorbenen Bundesrates Willi Ritschard.

Als sich die Viererbande bei Stichs Vereidigung erhob und den Saal aus Protest verliess, war Gerwig nicht dabei. Seinen Platz hatte ein schnauzbärtiger junger Zürcher eingenommen: Moritz Leuenberger. Nach der Wahl Stichs entbrannte ein Streit in der SP, ob die Partei sich in die Opposition zurückziehen solle. Die Viererbande war dafür. Und unterlag erneut.

Gerwig und die Viererbande hatten die Geschicke der SP bis dahin massgeblich gestaltet und den Übergang von der Arbeiterpartei zur Partei der städtischen Bildungsschichten geprägt. Dafür war er eigentlich prädestiniert, der wohlhabende Anwalt und Anwaltssohn vom schicken Bruderholz, der ein starkes soziales Gewissen sein Eigen nannte.

Als 1982 die Grüne Partei gegründet wurde, da hatte Gerwig bereits an allen umweltpolitischen Fronten gekämpft. Insbesondere dem Kampf gegen Atomkraftwerke verschrieb er sich, sei es auf dem Gelände in Kaiseraugst oder als Strafverteidiger von Aktivisten gegen das KKW Gösgen. Und auch hier war er auf der Linie der Viererbande, die die SP in Umweltfragen stärker positionieren wollte.

Wichtige regionale Grösse

Doch Gerwig alleine auf seine Zeit im Nationalrat, die von 1967 bis 1983 dauerte, zu reduzieren hiesse, ihm – gerade aus regionaler Perspektive – zu wenig Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Gerwig war in Basel Bürgergemeinderat, später Grossrat und gleich zweimal sass er in Verfassungsräten. Das erste Mal, von 1960 bis 1964 in jenem Rat, der die gemeinsame Verfassung des fusionierten Kantons Basel ausarbeitete, die 1969 an der Urne scheiterte. Und zum zweiten Mal von 2000 bis 2005 als es darum ging, die heutige Verfassung von Basel-Stadt zu schreiben.

Auf sein Wirken geht es zu einem guten Stück zurück, dass das Behinderten-Grundrecht Eingang in die neue Kantonsverfassung fand. 2006 wehrte sich der damals bald 80-jährige Anwalt im Referendumskomitee gegen Zonenplanänderungen auf dem Bruderholz – sein Quartier sollte grün bleiben.

Gerwig blieb stets ein politischer Mensch. 2001 sagte er der «Aargauer Zeitung»: «Der Mensch muss frei sein. Das heisst er muss alt und krank werden können, ohne Not zu leiden. Er muss angemessen wohnen und arbeiten können, ohne ständige Angst vor Kündigung und Entlassung.»