Wer Picasso mag, wird Basel lieben. Nachdem die Fondation Beyeler im Februar mit ihrer grossen Picasso-Schau startete, doppelt jetzt das Kunstmuseum nach: «Kosmos Kubismus» heisst das Unterfangen, das die 10 Jahre zeigt, in denen Picasso den Kubismus mitbegründete und -prägte.

Und wenn sich die Fondation Beyeler schon so selbstbewusst mit «Kunsthighlight des Jahres» brüstet, dann muss beim Kunstmuseum vom Kunsthighlight des Jahrzehnts die Rede sein. «Ich glaube, so eine Ausstellung wird nie mehr möglich sein», sagte Josef Helfenstein bei der Medienorientierung, und auch wenn es sein Job ist, das zu sagen: Wer den Kosmos durchquert hat, weiss, was er damit meint.

Rund 130 Werke machen diesen Rundumschlag aus, angelegt als «chronologisches Panorama». Für die Besucher bedeutet das: Nicht weiter schlimm, wenn Sie nicht erkennen, wovor Sie gerade stehen. Die Ausstellung ist darauf ausgelegt, einen angenehmen Gegenpol zu bilden – zu den zerstückelten und neu zusammengelegten Welten, die sie zeigt.

Die in Grau- und Blautönen gestrichenen Räume sind klar strukturiert. Es gibt erwartbare Themenräume wie den der kubistischen Anfänge, als Picasso und Georges Braque 1906 anfangen, sich vom Akademismus des Westens zu lösen und die «archaischen» Masken und Ausdruckswege exotischer Länder zu erkunden.

Oder jenen des synthetischen Kubismus: Ab 1912 integrieren die Kubisten die Collage in ihre Malerei – Stücke von Zeitungen, Tapeten, imitierte Sägespäne oder Holz, die den Betrachter herausfordern. Ab da geht es nicht mehr um das, was wir vor uns sehen, sondern darum, was unser kognitives System daraus macht. Einzelne Buchstaben werden zu Geschichten, Zeichen zu Symbolen. Der Betrachter betrachtet das Bild nicht mehr bloss, er vollendet es.

Kraftvolles Künstler-Ehepaar

Nebst diesen bekannten Facetten gibt es aber auch überraschende Kategorisierungen. Der etwas seltsame Raum in der Mitte der Ausstellung etwa, der als architektonisch gedachter Durchgangsraum ein schwierig einzubindendes Element ist.

Doch Kuratorin Eva Reifert flechtet ihn thematisch perfekt ins Konzept ein, indem sie hier Porträts von Händlern und Literaten versammelt, die das Beziehungsnetz der Kubisten aufzeigen: Das wunderbare «Der Dichter und seine Muse» von Henri Rousseau, das Apollinaire neben seiner Partnerin Marie Laurencin zeigt, oder der Dichter Jacques Nayral und der Verleger Eugène Figuière, beide gemalt vom französischen Kubisten Albert Gleizes.

Schmuckstück des Raumes ist jedoch zweifellos das Bild einer burschikosen Frau mit Kurzhaarschnitt: Picassos Porträt seiner Mäzenin Gertrude Stein, ein seit Jahrzehnten nicht mehr gezeigtes Werk, das eine Souveränität wie kaum ein anderer Picasso ausstrahlt. An diesem Bild lässt sich schönstens ablesen, woher der Kubismus damals kam – formal und emotional.

Mindestens ebenso positiv erschütternd sind die Delaunays. Robert und Sonia, das russisch-französische Künstler-Ehepaar, ist mit zwei sich gegenüberstehenden, monumentalen kubistischen Salonbildern in der Ausstellung vertreten. Zwei so kraftvolle Malereien, dass man das Gefühl hat, die beiden Künstler seien gleich selbst im Raum präsent und würden eine angeregte Diskussion über kubistische Realitäten führen.

Realitäten, die bei weitem nicht nur durch Malerei abbildbar sind – auch zahlreiche Skulpturen sind in der Ausstellung zu sehen, von Picassos Absinthglas bis hin zu Henri Laurens’ berührend zartem Clown aus weissen Trichtern.

Nach den feinen Anfängen des jungen Picasso im Beyeler kriegt man hier nun also die volle Ladung seines Einflusses in Paris zu spüren. Laut Aussage des Kunstmuseums ist es purer Zufall, dass die Ausstellungen zeitgleich stattfinden. Zufall für die Museen – absoluter Glückstreffer für die Besucher.

   

Kosmos Kubismus Kunstmuseum
Basel, 30. März bis 4. August 2019.