«Ich lebe in zwei Welten. Zum einen bin ich Mitglied der Armee, zum anderen habe ich für die offene Kirche Elisabethen eine Zivildienststelle geschaffen.» Es sei wichtig, die beiden Dienste nicht gegeneinander auszuspielen, eröffnete Frank Lorenz, Pfarrer und Journalist, die Diskussion um die Zukunft der Dienstpflicht. Dieser Meinung schlossen sich nicht alle Podiumsteilnehmer vom «Basel im Gespräch», das von der bz mitorganisiert wird, an.

Christian Keller, Journalist und Mitglied der Offiziersgesellschaft beider Basel, liess immer wieder durchblicken, wie viel er vom Zivildienst hält: «Jeder Bürger ist für die Sicherheit unseres Landes verantwortlich und muss somit auch den Militärdienst leisten.» Es sei unfair, dass gewisse Männer einfach am Seifenkistenrennen rumstehen können, andere in einer kalten Kaserne den ganzen Tag Waffen manipulieren müssen. Auch Korpskommandant Daniel Baumgartner sprach sich für den Militärdienst aus: «Wenn mein Sohn einmal den Zivildienst absolviert, haben wir ein Problem miteinander.»

Auf der anderen Seite standen Nicola Goepfert, Geschäftsführer des Schweizerischen Zivildienstverbands, und Priska Seiler Graf, Nationalrätin und Mitglied der sicherheitspolitischen Kommission. «Der Zivildienst ist keine Gefährdung für die Armee», betonte Goepfert wiederholt. Diskutiert wurde vor allem auch über die Attraktivität und den Sinn der beiden Dienste. Obwohl Baumgartner zugab: «Soldat zu sein, ist kein sexy Job», war er sicher, es sei wichtig, den Jungen Grenzen aufzuzeigen. «Ja, wir fragen die Leute nicht, was sie wollen und wie es am Bequemsten für sie ist.» Jeder solle jedoch dem Land Respekt zollen und diese «unsexy» Bürde auf sich nehmen.

Seiler Graf sagte klar, wo sie das Problem sieht: «Der Militärdienst muss mit dem zivilen Leben besser vereinbar werden.» Zudem könne es nicht sein, dass die Armee alle Stellungspflichtigen einzöge, es solle nach Bedarf rekrutiert werden. Dies sei bereits der Fall, betonte Baumgartner. Der Militärdienst könne mit den Vorzügen des Zivildienstes schlicht nicht mithalten: Es mache ihn traurig, wenn er sehe, wie Personen nach der Rekrutenschule zum Zivildienst wechseln. Goepfert konterte: «Viele Leute geniessen im Militär auch teure Ausbildungen und bleiben dann in der Armee.» Der Zivildienst sei jedoch eine individualisierte Organisation und das bringe Mehrwert.

Ein Blick in die Zukunft

«Wie soll die Dienstpflicht in 20 Jahren aussehen?», schloss Lorenz die Diskussion. Wieder Einigkeit bei Baumgartner und Keller: «Ich hoffe, wir sitzen hier und führen die gleiche Diskussion. Das zeigt nämlich, dass es uns sehr gut geht und wir uns mit Luxusproblemen beschäftigen.» Goepfert war anderer Meinung. Der Zivildienst solle endlich als sinnvoll angesehen werden. Zudem soll es eine Öffnung des Dienstes geben: Jeder, der in der Schweiz lebt, solle der Dienstpflicht unterstehen.