Begonnen hatte die ganze Planung mit einer Veranstaltung im September 2016. Dort beteiligten sich nicht nur die Akteure, sondern auch die Nachbarn, um sich möglichst stark in den Prozess einzubringen. Daraufhin wurde der Verein «Zukunft Klybeck» gegründet.

Für die Teilnehmer ist es unabdingbar, sich aktiv in die Planung einzubringen und zwischen Bevölkerung und Kanton zu vermitteln. Sie beziehen sich auf folgenden Verfassungsartikel: «Der Staat bezieht die Quartierbevölkerung in seine Meinungs- und Willensbildung ein, sofern ihre Belange besonders betroffen sind.»

Nicht nur Behörden ranlassen

Die Mitglieder des Vereins «Zukunft Klybeck» haben entschieden, dass sie ganz sicher besonders betroffen sind. Deshalb treffen sie sich regelmässig, um über die Zukunft ihres Quartiers zu diskutieren und weiterzudenken. «Wir möchten eine Stadtentwicklung von unten statt von oben. Wir möchten die Fehler der Vergangenheit vermeiden, indem wir mitdenken und mithelfen, damit das neue Quartier nicht vor allem von Behörden, Industrie und Planungsbüros konzipiert wird», schreiben sie auf ihrer Website.

Jetzt soll der breiten Bevölkerung auch gezeigt werden, wo es mit dem Klybeck-Quartier hingeht. In den kommenden Wochen sind mehrere Veranstaltungen geplant, bei der die Bevölkerung informiert werden soll – und auch mitreden darf. Das Ganze beginnt heute Abend mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion im Unternehmen Mitte.

Um 19 Uhr startet die Veranstaltung «Vom Chemielabor zum Stadtlabor?». Die Frage, der sich die Diskutierenden zu stellen haben, lautet: «Hat Basel die Power, das neue Klybeckquartier innovativ und zukunftsweisend zu entwickeln?» Unter der Moderation von Journalist und Historiker Roger Ehret diskutieren der Basler Kantons- und Stadtentwickler Lukas Ott, Architektin Barbara Buser, CVP-Grossrätin Andrea Knellwolf, Stadtsoziologin Aline Schoch und Christoph Moerikofer vom Verein «Zukunft Klybeck».

Am Samstag, 10. März, geht es weiter mit den Informationstagen: Ebenfalls in der Mitte findet die Veranstaltung «HackKlybeck 2» statt: Dort wollen die Mitglieder von «Zukunft Klybeck» gemeinsam mit der Bevölkerung über das weitere Vorgehen sprechen. Aus der Veranstaltung sollen konkrete Ziele für die Zukunft festgelegt werden. In einem weiteren Raum in der Mitte gibt es eine Station, wo die Besucher Anliegen und Ideen rund um das Klybeck-Quartier skizzieren können.

Am Samstag, 17. März, findet die dritte Veranstaltung statt: Eine Führung rund ums Gelände, gemeinsam mit Migrantinnen und Migranten und einem anschliessenden Workshop für die Beteiligten in mehreren Sprachen. Start ist beim Quartiertreffpunkt Kleinhüningen. Anschliessend sollen weitere konkrete Pläne besprochen werden, die auf dem Areal umgesetzt werden können. Beginn ist um 10.30 Uhr im Quartiertreffpunkt.

Die Wiege der Chemie

Dass es auf dem Areal bis zur Weiterentwicklung nicht still steht, dafür sorgt schon die BASF. Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, dass es Zwischennutzungen in seinen Gebäuden zulassen würde. Derzeit laufen Ausschreibungen auf der Plattform www.klybeckplus.ch, dort sind auch weitere Details zur Entwicklung des «Klybeck Plus» genannten Areals abrufbar. Betrieben wird diese Plattform durch die beteiligten Unternehmen.

Bis zur Realisation des neuen Quartiers werden aber noch Jahrzehnte vergehen. Die Planungsphasen sind in einem sehr frühen Stadium, die Gebäude stehen noch. Zudem ist noch fraglich, inwiefern Altlasten der chemischen Industrie die Böden belasten. Entsprechende Sanierungen kosten zusätzlich Zeit.

Ob also alle der nun Mitdiskutierenden die Aufrichte des ersten Gebäudes im neuen Stadtquartier noch erleben werden, ist offen. Das hindert sie aber nicht an der Mitwirkung, im Gegenteil. Was heute ausgetüftelt wird, wird Generationen später noch den Norden Basels prägen – just dort, wo die Wiege der Basler Chemie stand.