Es ist fast schon eine Tradition, dass an der Baselworld jeweils fingerfertige Trickdiebe teure Diamanten gegen billige Steine austauschen und sich dann rasch aus dem Staub machen. So wurde auch im vergangenen März an der Basler Messe die Polizei alarmiert, doch dieses Mal war alles ein wenig anders: Ein Standbetreiber war sich sicher, einen Mann erkannt zu haben, der ihm wenige Monate zuvor in Hongkong einen teuren Saphir abgeluchst hatte.

Der festgenommene 33-jährige Mann aus dem Norden Frankreichs bestritt den Diebstahl energisch, allerdings fand man bei ihm in der Tasche zwei billige Steine, synthetisch produzierte Korunde. Ob er in Basel einen weiteren Austausch plante, liess das Gericht am Dienstag offen: Die Anklage lautete auf versuchten Diebstahl, doch das Dreiergericht kam mangels klarer Beweisen zu einem Freispruch.

Den Diebstahl in Hongkong hingegen sah das Gericht als erwiesen an, obwohl als Beweismittel eigentlich nur die Aussagen des Standbetreibers vorlagen. Eine Falschbeschuldigung sei hier aber auszuschliessen, sagte Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone in der Urteilsbegründung.

«Ein halbes Jahr nach dem Diebstahl in Hongkong kommen sie in Basel an den Stand derselben Firma und haben genau solche Steine in der Tasche. Die Firma müsste schon biblische Propheten haben, um zu genau zu wissen, dass sie an der Messe mit solchen Steinen in der Tasche rumlaufen.»

Als deutliches Indiz werteten die Richter auch die Tatsache, dass der Mann drei Mobiltelefone dabei hatte, eines davon hatte er ausschliesslich für den Kontakt mit dem Edelsteinhändler benutzt. Wenige Tage vor der Basler Messe hatte er nach der Unterscheidung von synthetischen und echten Saphiren gegoogelt. Er ist schon mehrfach vorbestraft, auch wegen Diebstahls.

Der Stein aus Hongkong ist definitiv verschwunden: Der Saphir soll einen Wert von knapp 150'000 Franken gehabt haben. Das Gericht verdonnerte den 33-Jährigen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 27 Monaten wegen Diebstahls. Dazu muss er Schadenersatz von 183'000 Franken leisten, die Differenz stammt aus Aufwendungen der Firma für die Ermittlungen, darunter auch weiteren Reisen nach Hongkong. Die dortige Polizei hat den Fall an die Schweiz abgetreten, dies war möglich, weil eine Schweizer Firma geschädigt worden ist. Giovannone deutete an, in Hongkong hätte dem Mann wohl eine höhere Strafe gedroht.

Verteidiger Carlos Bertossa hatte vergeblich einen Freispruch gefordert, die Aussagen reichten niemals für eine Verurteilung. Er dürfte den Fall wohl weiterziehen. Kritisiert hatte er vor allem, dass die Firma erst vier Tage nach dem Diebstahl Anzeige erstattet hatte, nachdem der Austauschstein schon mehrfach in die Hand genommen worden ist.