Zweieinhalb Wochen vor dem Start der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro steht die Schweizer Delegation fest. Unter den 109 Athletinnen und Athleten befinden sich neun Sportler aus den beiden Basel. Es sind dies Roger Federer (Tennis), Janika Sprunger (Springreiten), Lucas Tramèr und Simon Niepmann (Rudern), Benjamin Steffen und Max Heinzer (Degenfechten), Lukas und Simon Werro (Kanu-Slalom) sowie Evelyne Tschopp (Judo). Hinzu kommt – als Mitglied der 22-köpfigen Delegation für die Paralympischen Spiele – mit grosser Wahrscheinlichkeit der Handbike-Sportler Tobias Fankhauser. Die Schweizer Delegation für die Paralympics wird definitiv am Mittwoch bekannt gegeben.

Aushängeschild der Basler Delegation ist zweifellos Roger Federer. Der 35-Jährige strebt in Rio seine dritte Olympia-Medaille an. Gold im Einzel fehlt noch in seinem Medaillenschrank: 2012 in London unterlag er im Final dem Briten Andy Murray, 2008 holte Federer Gold im Doppel mit Stan Wawrinka. Der Maestro ist nicht der einzige regionale Olympionike mit Medaillenchancen: Ernsthafte Anwärter sind die beiden Ruderer Lucas Tramèr und Simon Niepmann, aber auch die Degenfechter Benjamin Steffen und Max Heinzer. Letzteres kommt nicht von ungefähr: Basel gilt als Hochburg der Fechter; Steffen und Heinzer sind Mitglied der hiesigen Fechtgesellschaft, die mit Marcel Fischer (2004) bereits einen Olympiasieger und mit Gianna Hablützel-Bürki (2000) eine Olympia-Zweite hervorgebracht hat. Berechtigte Medaillenhoffnungen darf sich auch Tobias Fankhauser machen: Er zählt unter den Handbikern zur absoluten Weltspitze und hat bei den Paralympics 2012 in London Silber im Strassenrennen geholt.

Janika Sprunger darf nach Rio

Schwierig zu beurteilen sind die Erfolgsaussichten von Springreiterin Janika Sprunger. Die 29-jährige Bubendörferin ist Teil eines fünfköpfigen Teams, dem unter anderem der amtierende Olympiasieger Steve Guerdat angehört. In Rio werden letztlich vier der fünf Selektionierten im Teamwettbewerb an den Start gehen. Während für viele Sportarten die Olympiaselektionen bereits seit längerem feststehen, sind diejenigen im Reiten erst gestern Dienstag bekannt gegeben worden. Angesichts der hohen Leistungsdichte im starken Schweizer Team darf sich Sprunger sowohl über die erstmalige Olympia-Selektion freuen, als auch kleine Medaillenchancen ausrechnen.

Eine Überraschung wäre es demgegenüber, wenn Judokämpferin Evelyne Tschopp in Rio auf dem Podest stehen würde. Eine Platzierung in den Diplomrängen gälte für die Muttenzerin durchaus als Erfolg. Dasselbe darf von den beiden Basler Kanufahrern Lukas und Simon Werro behauptet werden.

Bei den Sportämtern beider Basel ist man zufrieden mit der Ausbeute der diesjährigen Olympia-Selektion: «Wir sind im Soll», sagt Peter Howald, Leiter des städtischen Sportamts, auf Anfrage der bz. Die Zahl der Basler Olympia-Selektionierten bewege sich im langjährigen Durchschnitt; die Qualität sei sehr hoch, sagt Howald. Allerdings: Je nach Wahl der Kriterien ist die Zahl der Basler Olympioniken höher oder tiefer. Gemäss der Statistik von Swiss Olympic sind «nur» sechs der zehn genannten Athleten in Basel-Stadt oder Baselland zu Hause. Darunter ist etwa der offiziell in Bottmingen gemeldete Roger Federer. Die bz hat sich in der vorliegenden Aufstellung für eine grosszügige Auslegung entschieden. Der Fechter Max Heinzer etwa ist Schwyzer, hat aber in Basel studiert und ist Mitglied der Basler Fechtgesellschaft. Umgekehrt ist Ruderer Simon Niepmann in der Region aufgewachsen und hat hier studiert, lebt aber mittlerweile im Kanton Zug.

In vier Jahren noch mehr Baselbieter 

Ungeachtet dieser Unschärfen spricht der Baselbieter Sportamtsleiter Thomas Beugger von einem Erfolg: Die Hälfte des Olympiateams des Landkantons dürfe mitfahren – das sei eine gute Quote. «In vier Jahren in Tokyo erwarten wir noch mehr Olympia-Teilnehmer aus dem Baselbiet», frohlockt Beugger. In der Region sei in den letzten Jahren die Leistungssportförderung gezielt entwickelt worden. Dies bringt immer mehr Athleten hervor, die nun in ein Alter reinkommen, in dem Olympische Spiele zum Thema werden.
Dies gilt insbesondere für den erst 22-jährigen Liestaler Kugelstösser Gregori Ott, der wegen einer Verletzung nicht rechtzeitig in die Saison einsteigen konnte. Ebenfalls wegen einer Verletzung verpasst hat die Olympia-Selektion der Arlesheimer Stabhochspringer Marquis Richards. Wie Ott ist Richards Teil des Baselbieter Olympia-Teams. Nicht nach Rio mit darf ferner der Aescher Fechter Florian Staub, der sich starker heimischer Konkurrenz gegenübersah. «In jedem anderen Land hätte er die Selektion wohl geschafft», ist Beugger überzeugt. Ein prominenter Olympia-Abwesender ist Old-Boys-Sprinter Alex Wilson: Der Schweizer Rekordhalter über 100 Meter verpasste an der EM jüngst die Richtzeiten knapp und hatte Pech mit Gegenwind. Dies ist aus Basler Sicht der grosse Wermutstropfen der Olympia-Selektion.

Roger Federer (34), Tennis

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Den Schweizer Jahrhundertsportler braucht man eigentlich nicht vorzustellen. Doch weil es so schön ist, die Erfolge aufzuzählen: Roger Federer ist 17-facher Grand-Slam-Sieger – kein Tennisspieler hat mehr gewonnen. Alleine Wimbledon entschied er sieben Mal für sich. Er stand während 302 Wochen an der Spitze der Weltrangliste – auch das ein Rekord. Der Baselbieter gewann 88 Einzeltitel, liegt damit auf Rang 3 (hinter Jimmy Connors und Ivan Lendl). Federer hält Olympia-Silber im Einzel und Gold im Doppel. Was ihm noch fehlt: Gold im Einzel. Rio könnte die Karriere von King Roger krönen. (haj)

Janika Sprunger (29), Pferdesport (Springen)

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Das Reiten ist ihr in die Wiege gelegt worden: Der Vater von Janika Sprunger war selbst ein erfolgreicher Springreiter, die Mutter ist Reitlehrerin. Vor drei Jahren erreichte die Bubendörferin die Weltspitze: Am prestigeträchtigen Grand Prix von Aachen belegte sie den zweiten Platz. Ihr damaliges Spitzenpferd wurde jedoch kurz danach verkauft. Mittlerweile startet die 29-Jährige mit «Bonne Chance» und versucht, sich im männerdominierten Sport durchzusetzen. Von den Olympischen Spielen erhofft sie sich besonders im Teamwettbewerb gute Resultate. Sprunger lebt derzeit in Belgien. (sil)

Tobias Fankhauser (26), Handbike

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Am vergangenen Montag gewann der Hölsteiner den Para-Cycling-Weltcup im spanischen Bilbao. Dies ist bereits sein zweiter Weltcupsieg. Seit einem Fahrradunfall vor zwölf Jahren ist Fankhauser Tetraplegiker. Dies hielt ihn aber nicht von einer Sportlerkarriere ab: 2012 holte er sich an den Paralympics eine Silbermedaille. In sechs Wochen beginnen in Rio kurz nach den Olympischen Spielen die Paralympics . Ob Fankhauser tatsächlich das Olympiaticket erhält, entscheidet sich morgen Donnerstag. Alles andere als eine erneute Selektion wäre aber eine Riesenüberraschung. (sil)

Lucas Tramèr (26) und Simon Niepmann (31), Rudern

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Die beiden Ruderer starten in Rio im Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann mit Simon Schürch und Mario Gyr. 2010 gewann das Team an den Europameisterschaften die Bronzemedaille. Nach der darauffolgenden Weltmeisterschaft trennten sich ihre Wege. Sie traten vermehrt im Leichtgewichts-Zweier an und gewannen mehrere EM- und WM-Medaillen. Nach der Wiedervereinigung ist die Olympia-Teilnahme nun die Krönung. (sil)

Benjamin Steffen (34), Fechten

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Der in Basel wohnhafte Sportler hat in seiner Karriere bereits zahlreiche Titel gewonnen: fünf Mal Schweizer Meister, fünf Team-Weltcupsiege, vier Mal Gold an den Europameisterschaften im Team und drei Mal Bronze an den Weltmeisterschaften im Team. Neben dem Sport unterrichtet Steffen in einem 70 Prozent Pensum als Gymnasiallehrer in Englisch und Sport. Seine Ziele für Rio sind klar: Sowohl im Team als auch im Einzel möchte Steffen auf dem Siegertreppchen stehen. (sil)

Evelyne Tschopp (25), Judo

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Die Judoka aus Muttenz erhielt als letzte Athletin einen Startplatz an den diesjährigen Olympischen Spielen. Seit dieser Saison kämpft Tschopp in der leichteren Gewichtsklasse. Und steigt seither stetig in der Weltrangliste auf. Ihren ersten Grand Prix gewann sie in Kasachstan und qualifizierte sich damit für Rio. Neben ihrer Judokarriere studiert sie Medizin in Fribourg. Im vergangenen März wurde sie vom Schweizer Hochschulsport-Verband mit dem Swiss Student Sport Award geehrt. (sil)

Max Heinzer (28), Fechten

Olympia-Porträt 2016: Max Heinzer - Fechten

Olympia-Porträt 2016: Max Heinzer

Er gehört zur Weltspitze der Degenfechter. 14 Weltcupsiege und drei Europameistertitel konnte der Innerschweizer bereits feiern. Seit seinem fünften Lebensjahr fechtet Heinzer. Neben dem Fechten studierte er Sport an der Uni Bern. Mittlerweile arbeitet er in einem 20 Prozent-Pensum für die Fritz-Gerber-Stiftung als Leiter des Sport-Bereichs. Momentan belegt er in der Weltrangliste der Fechter den zehnten Platz. Seit zehn Jahren trainiert der gebürtige Schwyzer bei der Fechtgesellschaft Basel. (sil)

Lukas Werro (25) und Simon Werro (26), Kanu Slalom

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Die Brüder starten in Rio im Zweier-Kanadier. Die in Magglingen aufgewachsenen Kanufahrer trainieren seit fünf Jahren in Basel und werden unter anderem vom Sportamt Basel-Stadt finanziell unterstützt. Simon Werro hat erst vor etwa zehn Jahren zum Kanufahren gewechselt: Zuvor war er Kunstturner. Die Kategorie des Zweier-Kanadiers ist zum letzten Mal im olympischen Programm. Wie es für das Brüderteam danach weitergeht, ist noch offen. (sil)