Herr Dätwyler, worüber reden wir?

Martin Dätwyler: Übers Klima.

Im übertragenen Sinne natürlich. Oder wollen wir übers Wetter plaudern?

Nicht unbedingt (lacht). Aber ich muss schon sagen: Das Bergklima bekommt mir. Ich war über die Festtage und Neujahr mit meiner Familie in Adelboden, die frische Luft da oben tat mir gut.

Da mussten Sie Energie tanken. Am 10. Februar stimmen die beiden Basel über den Kompromiss zur Steuervorlage ab. Für die Wirtschaft geht’s um die Wurst. Da ist das Klima bei der HKBB jetzt sicher angespannt.

Ich würde es als engagiert bezeichnen. Wir befinden uns mitten im Abstimmungskampf. Und dieses Mal sind wir auch digital stark unterwegs, auf Social Media oder mit dem Live-Stream mit Regierungsrätin Eva Herzog vom vergangenen Mittwoch.

Die Unternehmenssteuerreform III wurde vom Volk abgelehnt. Wie ist Ihre Prognose zum Kompromiss?

Die Chancen sind absolut intakt. Sicherheit haben wir indes erst, wenn das Resultat vorliegt.

Das klingt einigermassen gelassen. Keine schlaflosen Nächte?

Ich bin zwar ein «Handelskämmerer» durch und durch und mit vielen Dossiers konfrontiert. Aber ich habe einen guten, ruhigen Schlaf. Auch, weil ich mich von meiner Frau unterstützt fühle. Zu Hause ist das Klima sehr gut.

Ihre Frau bekommt Sie im Moment sicher nicht oft zu Gesicht, bei all den Neujahrsapéros, die stattfinden.

Stimmt. Aber wenn ich zu Hause bin, widme ich mich ganz der Familie. Ich habe bewusst kein zeitintensives Hobby gewählt. Und wenn, dann unternehmen wir etwas gemeinsam, Spaziergänge oder Velotouren. Bewegung ist jetzt wichtig für mich.

Weshalb?

Na eben wegen der vielen Apéros. Beim Alkohol kann ich gut widerstehen, da bleibt es bei einem Glas. Aber die Häppchen, die sind gefährlich (lacht).

Sie gelten als ausgezeichneter Netzwerker. Sie haben in den vergangenen Tagen an den Apéros sicher den Puls gefühlt bei Politikern und Unternehmern. Wie ist das Klima in der Region?

Bei Neujahrsapéros fragt man sich stets: Wie wird sich das neue Jahr entwickeln? Themen wie Brexit, die Verhandlungen zum EU-Rahmenabkommen, die Handelskriege treiben die Unternehmer um. Die Stimmung ist aber nicht negativ.

Laut Economiesuisse soll sich das Wachstum der Schweizer Wirtschaft in diesem Jahr halbieren. Das Klima wird rauer.

Es ist immer noch ein Wachstum. Aber es ist nicht zu leugnen, dass sich eine gewisse Unsicherheit bei den Unternehmern eingeschlichen hat.

Wird das in Entlassungen münden?

Ich hoffe nicht. Die Prognosen gehen von einem Beschäftigungswachstum aus.

Sie haben ganz viele Gespräche geführt in den vergangenen Tagen. Welches wird Ihnen in Erinnerung bleiben?

Ich war vor wenigen Tagen mit Heiner Vischer, dem designierten Grossratspräsidenten, essen. Ich habe gespürt, dass er sich voller Freude in dieses Jahr stürzt. Ich mag Menschen, die Begeisterung für ihre Aufgabe entwickeln können.

Ihr Ziel als HKBB-Direktor ist es ja auch, der Wirtschaft in den Parlamenten mehr Gehör zu verschaffen. Das haben Sie bei Ihrem Antritt vor bald einem Jahr gesagt. Ist das gelungen?

Wir haben die richtigen Schritte in die richtige Richtung gemacht, das Netzwerk im 2018 verbessert, Kontakte in der Stadt und auf dem Land intensiviert. Wir sind mit unseren Anliegen präsenter. Mit Luca Urgese von der FDP als unser Bereichsleiter Finanzen und Steuern haben wir nun einen direkten Draht zum Grossen Rat.

Einen solchen direkten Draht zum Landrat hat die HKBB noch nicht. Kandidieren Sie deshalb für die FDP Laufental für den Landrat? Oder war das sowieso Ihr Ziel, irgendwann in die Politik einzusteigen?

Nun, die Handelskammer verfügt bereits über ein gutes Parlamentariernetzwerk in Liestal. Mit meiner Kandidatur besteht die Möglichkeit, diesen Austausch künftig zu intensivieren. Und ja, die Übernahme eines Mandats reizt mich persönlich sehr – und jetzt bietet sich die Chance dazu.

Falls Sie gewählt werden: Hätten Sie überhaupt Zeit für ein solches Amt?

Ich würde sie mir nehmen.

Dann scheint es wirklich sehr dringend zu sein, dass sich die HKBB mehr Gehör in Liestal verschafft.

Wie gesagt sind wir bereits gut aufgestellt. Aber eben, der direkte Draht fehlt noch.

Und man hört, die HKBB befindet sich mit der Wirtschaftskammer Baselland in einer Konkurrenzsituation.

Das wird in der Öffentlichkeit aufgebauscht. Es gehört dazu, dass unsere Positionen hin und wieder voneinander abweichen. Das macht auch nichts. Es gibt genug Aufgaben in dieser Region, da müssen wir uns gegenseitig nicht bekämpfen. Dasselbe gilt für den Gewerbeverband Basel-Stadt.

Direktor Gabriel Barell zeigte sich aber sehr verärgert darüber, dass die HKBB Ja zum Lysbüchelareal, zum Überbauungsplan Volta Nord gesagt hat. Er hat richtig gepoltert vergangenen November. Ist das Klima zwischen HKBB und Gewerbeverband jetzt vergiftet?

Nein, wo denken Sie hin. Wir tauschen uns gut und sehr gerne aus, gehen bei vielen Dossiers Hand in Hand, etwa der Steuervorlage. Unterschiedliche Positionen gehören hin und wieder zum Business. Auch, dass man dem anderen mal «auf den Kessel» gibt. Der Gewerbeverband ist ein bisschen lauter unterwegs als wir. Aber das ist gut so. Jeder hat so seine Rolle.

Sie drücken sich immer sehr diplomatisch aus, verlieren nie die Fassung. Brodelt’s nie, so tief drinnen?

Unkontrolliert ausbrechende Vulkane verursachen meist grossen Schaden. Ich bin ein lösungsorientierter Mensch, immer auf der Suche nach guten Ideen für die Region, damit sie auch weiterhin prosperiert. Darauf fokussiere ich mich. Was nicht heisst, dass ich ein emotionsloser Mensch bin. Ich kann auch mal hässig werden. Aber ich denke, in diesem Job bringt einen eine gewisse Ausgeglichenheit weiter. Das sorgt für ein gutes Klima. Sowohl bei meinen Angestellten als auch bei unseren Mitgliedern, den Unternehmern. Da ist eine ruhige und entschlossene Hand gefragt.