Der Angeklagte hatte sich einen Tag nach der Tat selber gestellt und bei der ersten Einvernahme die tödlichen Schüsse gestanden. Danach aber widerrief er das Geständnis: Es sei eine Schutzbehauptung für einen nicht benannten älteren Verwandten, welcher der Täter sei. Vor Gericht stritt der Angeklagte bis zuletzt seine Beteiligung ab.

Das fünfköpfige Strafgericht folgte jedoch im Wesentlichen der Staatsanwaltschaft. Es sprach den Mann des mehrfachen Mordes, des versuchten Mordes, der mehrfachen Gefährdung des Lebens sowie eines Vergehens gegen das Waffengesetz schuldig. Neben der Freiheitsstrafe erteilte es ihm die maximal mögliche Landesverweisung von 15 Jahren.

Indizien-Prozess

Der Gerichtspräsident begründete den Schuldspruch trotz des Fehlens zwingender Beweise mit einer "geschlossenen Indizienkette" für seine Tatbeteiligung. Blut- und passende Schmauchspuren im Auto, belegte Beziehungen zum Eigentümer des Fluchtwagens etcetera ergäben ein kohärentes Netz von Indizien, während klare Gegenindizien fehlten.

Das Gericht wertete das Aussageverhalten des Mannes als stark belastend. Es sei völlig unwahrscheinlich, dass ein Unschuldiger mit einem falschen Geständnis eine hohe Strafe riskiert, während es schon vorgekommen sei, dass Mörder sich stellen. Der Tatort liege nur fünf Minuten von der Landesgrenze weg; da mache es keinen Sinn, 24 Stunden Zeit gewinnen zu wollen für einen Flüchtenden.

Manche Informationen im widerrufenen Geständnis zeigten überdies Täterwissen. Zudem habe der Angeklagte jede Mitwirkung verweigert bei Bemühungen, seine vagen Alibi-Aussagen zu erhärten; abgelehnt habe er auch eine 3-D-Vermessung seines Körpers, die ihn bei einer Tathergangs-Rekonstruktion allenfalls hätte entlasten können.

Voll verantwortlich

Völlig im Dunkeln gelassen habe er sein Vorleben und seine Arbeit, habe nicht einmal die Daten einer geschiedenen Ehe nennen wollen. Klar seien seine Vorstrafen in Deutschland und Frankreich wegen Drogenhandels und Gewalt. Dafür habe er selbst seinen im Baselbiet wohnhaften Bruder bedroht, als er bei dessen Befragung zugegen war.

So machte das Gericht den Mann verantwortlich für die fünf Schüsse aus einer 9-mm-Waffe, von denen vier Kugeln drei Opfer trafen - drei gezielte Bauchschüsse und ein Kopfschuss von vorne. Ein Opfer überlebte mit Glück. Ein Überwachungsvideo von vis-à-vis zeigte das Täterduo ins kleine Lokal treten und nach 15 Sekunden wieder hinaus.

Laut Gerichtspräsident war die Tat "eine Art Exekution", gemeinsam geplant und kaltblütig und brutal ausgeführt. Als Motiv sei nicht nur wegen der Vorstrafen aller Beteiligten von Drogendeals auszugehen. Mobiltelefone führten zu Nummern, die in einschlägigen Fahndungsregistern stehen.

Wegen Drogendeals hatten Fahnder jenes Quartierlokal schon im Visier und eine Kamera installiert - die Aufnahmen entstanden zufällig, aber legal. Sie lassen keine Gesichter erkennen, aber die Statur des einen Mannes auf dem Video vom Tatabend sei "ohne weiteres kompatibel" mit dem Angeklagten, sagte der Gerichtspräsident.

Verteidiger wollte Freispruch

Der Verteidiger hatte derweil das unscharfe Video von jenem Abend als unbrauchbar bezeichnet. Mangels belastbarer Beweise hatte er auf kompletten Freispruch plädiert. Für das Gericht reichte jedoch die Beweislage für Schuldsprüche: Auch wenn offen bleibe, wer vom Täterduo schoss, sei der Angeklagte voll mit verantwortlich.

Das schwerste Delikt sei der Mord per Kopfschuss, der mit 17 Jahren zu bestrafen sei. Für den zweiten Mord gab es weitere 12 Jahre. Die Summe liegt über dem Schweizer Maximum einer Zeitstrafe von 20 Jahren, sagte der Präsident weiter, weshalb "lebenslänglich" fällig sei. Darin gingen die Strafen für die weiteren Delikte auf.

Der Verurteilte nahm Schuldspruch und Strafmass äusserlich fast regungslos auf. Der zweite Tatverdächtige der Bluttat vom März 2017 in Basel wurde übrigens unlängst in den Niederlanden festgenommen. Jenem Mann wird dort Beteiligung an einem grösseren Drogenfall vorgeworfen.