Ein dreifaches Danke und der Gruss an die Fans: «Es war ein fantastischer Fussballmonat mit Euch.» Mit diesen Worten verabschiedet sich die Fussball-Bar Didi Offensiv in die Ferien. Bis September, mit Ausnahme der bald beginnenden FCB-Saison. Das Lokal am Basler Erasmusplatz war nicht das einzige Public Viewing, das von einer spannenden WM und guten klimatischen Bedingungen profitierte. «Es lief hervorragend», sagt Peter Sterli vom Parterre am Rhy. An manchen Spieltagen hätte er viele Gäste abweisen müssen, da «wir einfach zu wenig Platz hatten». Nur ein kleiner Teil des Zuschauerbereichs war überdacht, entsprechend führt Sterli denn auch das trockene Wetter als Grund an. Ähnlich klingt es aus dem «Viertel». «Ausserordentlich gut» sei es gelaufen. «Die Leute kamen auch nach dem Ausscheiden der Schweizer zahlreich zu den Spielen.»

Grösstes Problem: Keine Reservationen

Oft schon vor Anpfiff bis auf den letzten Platz ausgebucht war die Sandoase am Dreiländereck. «Das einzige Problem, sofern es denn überhaupt als solches bezeichnet werden kann, war es, den hunderten Telefonanrufern und E-Mail-Schreibern zu erklären, das wir spezifisch für die WM keine Reservationen annehmen» schreibt Geschäftsführer Urs Poživil auf Anfrage. Bereits zur Halbzeit der WM hatte das «Voltabräu» über Fan-Anstürme berichtet. Zeitweise hätte richtige «Festivalstimmung» geherrscht, liessen die Verantwortlichen vernehmen. Nach dem Final bilanziert die Marketing-Leiterin der Krafft-Gruppe «massiv übertroffene Erwartungen» beim erst zweiten Sportevent, den das «Voltabräu» begleitet hat. Lärmbeschwerden hätte es keine gegeben, Auseinandersetzungen blieben aus.

Das Werk 8 auf dem Gundeldingerfeld hat im Gegensatz zu vielen anderen grösseren Gastro-Betrieben in Basel nicht konsequent auf die Fussball-WM gesetzt: Dort konnte man zwar wie andernorts die Spiele auf Grossleinwand anschauen - dies im Innenraum -, allerdings wollte das Werk 8 während der WM nicht auf jene Gäste verzichten, die sich nicht für Fussball interessieren. Dies im Gegensatz zum früheren Eo Ipso an selbiger Stelle, das sich in Basel zuletzt bei der WM 2014 als starker Public-Viewing-Space positioniert hatte. Mit der neuen Strategie sei das Werk 8 gut gefahren, wie Geschäftsführer Tim Kröpfli auf Anfrage sagt. So habe man auch das gastronomische Standardangebot aufrecht erhalten können: "Bei uns gabs auch während der WM Cocktails und die übliche Speisekarte, nicht nur Bier und Hotdogs". Für ihn ging die Rechnung auf. Während der Schweizer Spiele strömten bis zu 400 Gäste auf das Gundeldinger Feld, man habe fast 200 Reservationsanfragen für Tische abweisen müssen.

«Würde in Liestal noch mehr vertragen»

In Liestal war das Kulturhotel Guggenheim das Epizentrum des Public Viewing: Laut Betreiber Eric Rütsche sei die Fussball-WM besser gelaufen als vor zwei Jahren die EM. Dafür macht er unter anderem das gute Sommerwetter verantwortlich. Das Guggenheim hat das Public Viewing im Aussenbereich ausgebaut und mit einem grösseren Dach versehen. Die 240 Plätze seien oft belegt gewesen, bei den Spielen der Schweizer Nati kamen bis 400 Fans. In Rütsches WM-Beiz herrschte keine Konsumationspflicht. «In Liestal würde es mehr solche Angebote vertragen», sagt er und spielt den Ball an die Konkurrenz. Der Guggenheim-Chef war im Baselbieter Hauptort einer der einzigen, der den Betrieb speziell für die WM hochfuhr. Nun freut er sich auf die Winter-WM in Katar 2022: Dann will er die Fussball-Fans wiederum draussen, aber mit warmen Decken und mit Fondue begrüssen.

Auch in anderen Schweizer Städten liefen die öffentlichen Übertragungen gut. Mit einer Ausnahme: «Die Zeiten der grossen Fussballarenen sind vorbei», sagt der Zürcher Veranstalter Beat Steinmann gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Gemeint sind jene Public Viewings, die für Grossleinwände Eintritt verlangen. Zumindest in Zürich sei dieses Geschäftsmodell nicht mehr rentabel. In der Region Basel gab es solche grossen Public Viewings an dieser WM gar nicht mehr. Klein, aber fein scheint auch hier der Trend zu sein.