Im Mietstreit um die historischen Häuser an der Mattenstrasse 74/76 ist eine Entscheidung gefallen. Der Besitzer, der Vinzenz-Verein, wird die Gebäude nicht abreissen. «Wir haben uns entschieden die Häuser zu verkaufen», sagt Dominik Büchel, Präsident des Vinzenz-Vereins.

Da das Baugesuch im August abgelehnt wurde, und die Liegenschaftsverwaltung nicht zum Kerngeschäft des Vereins gehöre, habe man diese Entscheidung getroffen. In einem ersten Schritt wird der Verein nun objektive Schätzungen vornehmen lassen, um einen Richtwert für den Verkaufspreis zu haben. Für die Mieter der dortigen Wohnungen bedeutet das einen ersten Erfolg: «Die IG Wohnhof Mattenstrasse freut sich ausserordentlich, dass der Vinzenz-Verein keinen Rekurs gegen die Ablehnung des Baugesuchs einlegen will», verkündet die IG schriftlich. Gegenüber der bz kündete Büchel zudem an, den Mietern eine Verlängerung der Auszugsfrist bis Ende Januar 2019 anzubieten.

Käufer gesucht

Der Vinzenz-Verein erhoffte sich, mit dem Abriss der Häusergruppe und dem Neubau einen finanziellen Mehrwert zu generieren. Diesen wollte der Verein für seine karitative Zwecke nutzen. «Den Mehrwert versuchen wir nun über den Verkauf zu erwirtschaften», sagt Büchel. Zurzeit laufen Gespräche mit verschiedenen Interessenten. Unter ihnen befindet sich auch die Genossenschaft Mietshäuser-Syndikat. Diese Genossenschaft setzt sich für die Erhaltung und Schaffung von preisgünstigem Wohnraum in der Nordwestschweiz ein. Gemeinsam mit der IG Wohnhof Mattenstrasse ist die Genossenschaft seit dem Bekanntwerden der Neubaupläne im Gespräch mit dem Besitzer.

«Unsere Absicht ist es, die historischen Häuser, die dem Vinzenz-Verein für soziale Zwecke vermacht wurden, zusammen mit dem Mietshäuser-Syndikat als IG zu übernehmen und in ihrer historischen Bauform zu belassen», sagt ein Bewohner, der anonym bleiben möchte. Für Ivo Balmer vom Mietshäuser-Syndikat steht bei einer Übernahme jeweils das Interesse der derzeitigen Bewohner im Vordergrund: «Unser Vorgehen geschieht immer in Absprache mit der Mieterschaft», sagt er. Dem Wunsch aus der Bewohnerschaft, die Liegenschaften bei einem möglichen Kauf grösstenteils selbst zu verwalten, steht Balmer positiv gegenüber: «Die Finanzierung, die Mietzinsberechnung und die bauliche Entwicklung liegt aber sicherlich bei der Genossenschaft», stellt er klar.

Noch sind allerdings auch andere Interessenten mit dem Vinzenz-Verein im Gespräch. Ob die Genossenschaft Mietshäuser-Syndikat den Kaufpreis stemmen kann und die bisherigen Mieter in ihren Wohnungen bleiben können, werden erst die Verhandlungen in den kommenden Wochen zeigen.