«Der Preis ist für mich ein Zeichen, dass wir integriert sind», freut sich Thomas Jenny, Geschäftsleiter von Radio X. Das Basler Radio hat heuer den «Preis für Integration» erhalten.

Anfangs der 90er, als Jenny und einige Weggefährten mit der Idee eines neuen, jugendkulturellen Radios auftauchten, das auch die ausländische Bevölkerung berücksichtigen und zu Wort kommen lassen sollte, zeigte sich das offizielle Basel noch wenig begeistert.

Es brauchte auch sonst einige Prozesse und viel Durchhaltewillen, bis es 1998 auf Sendung ging. Mit dabei die sogenannten Fremdsprachen-Specials. Jeden Abend sendet ein Team von radiobegeisterten Migrantinnen und Migranten ein Programm in ihrer Sprache – und das ehrenamtlich. «Ein Bürgerkrieg im Kosovo ist nicht abstrakt, wenn Leute von dort hier darüber berichten.»

Radio am Rande des Ruins

2005 kommt es jedoch zu einem Bruch aus finanziellen und infrastrukturellen Gründen. Viele Specials stellten ihre Sendetätigkeit ein, und neue Teams mussten gefunden und aufgebaut werden. «In den Sprachensendungen haben wir am ehesten eine professionelle Leistung, die aber leider nicht finanziell kompensiert werden kann», bedauert Jenny.

Zwar erhält das Radio für die fremdsprachigen Sendungen einen Unterstützungsbeitrag, der geht aber für Infrastruktur und Ausbildung weg. Denn wer Radio machen will, muss auch entsprechende Kurse absolvieren.

Diese zu organisieren ist eine der Aufgaben von Tatiana Vieira, Koordinatorin der Fremdsprachen-Specials. Sie freut sich doppelt über den Preis. Zum einen als Verantwortliche, zum anderen als Teammitglied von Beleza, der portugiesischen Sendung. Sie betont die gute Zusammenarbeit mit den Fachstellen für Integration beider Basel, die es seit 2008 unter dem Label «Information ist Integration» gibt.

Mehrere Kampagnen, die speziell auf die ausländische Bevölkerung zugeschnitten waren, konnten so realisiert werden: Erklärungen zum Sinn und Zweck einer Krankenkasse, Informationen zu Behördengängen etc. «Wir machen eine ganz andere Integrationsarbeit, weil wir ein Medium sind», erklärt sie.

Den Vorteil zu erkennen, habe vielleicht etwas lange gedauert. Inzwischen gibt es Sendungen auf Tamilisch, Kurdisch, Englisch, Afrikanisch (dreisprachig), Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Bosnisch/Serbo-Kroatisch und ab September eine Sendung auch auf Hochdeutsch.

Zudem wird es ebenfalls ab September den «Musikwelt Mix» geben. Immer am ersten Samstag des Monats kommen zwei fremdsprachige Sendungen zusammen und präsentieren ihre Musik. Am siebten September sind es Tamil Radio X und Xstanbul.

Preisgeld fliesst in die Sendungen

Durchschnittlich bleiben die Sendemacher fünf Jahre bei Radio X. Eine lange Zeit, wie Vieira betont. «Das spricht für die Wertschätzung, die sie erhalten.» Eine zentrale Rolle spielt dabei der Migrationsbeirat, in dem Probleme und Wünsche diskutiert werden können. Und jetzt wird dieses grosse freiwillige Engagement mit dem Integrationspreis gewürdigt.

Was mit dem Preisgeld geschieht, ist auch schon klar. Ein Teil geht direkt an die Specials für Spezialprojekte, ein anderer Teil wird zum Druck von neuen Werbeflyern verwendet und der Rest fliesst in die Infrastruktur des Radios.