Das Gotthelfquartier ist ein schmaler Schnitz auf dem Stadtplan, eingeklemmt zwischen dem Spalenring, der Allschwilerstrasse, der Wanderstrasse und der Kantonsgrenze. Diese verläuft über weite Strecken mitten in einer Strasse, dem Langen Loh, dessen östliche Anrainer Basler sind, diejenigen im Westen dagegen bereits Allschwiler. Das Quartier gehört, wie das Bachletten, zu jenen, die nach der Schleifung der Stadtmauer entstanden. Im Gotthelf ging es allerdings recht langsam zu und her: Erst in den 1870er Jahren wurden immer mehr Strassenzüge bebaut.

Nur vereinzelt Einfamilienhäuser

Davor standen einzig an der Friedrichstrasse und am Herrengrabenweg ein paar Häuser, also ganz am Rande des heute definierten Quartiergebiets. Entstehen sollte nach dem Willen der Stadtplaner ein Mittelstandsviertel. So gibt es denn auch nur in den kleineren Seitenstrassen im «Schärbeviertel» kleine Einfamilienhäuser, ähnlich den Arbeiterhäuschen auf der Breite: In der Schlettstadter-, der Sierenzer- und der Pfeffelstrasse sind noch einige davon zu sehen. Den Rest des Quartiers prägen drei- bis vierstöckige Wohnhäuser.

Der Staat handelte schnell: Er baute in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zwei wichtige öffentliche Gebäude, die bis heute zentrale Dienste leisten: das Gotthelfschulhaus und das Tramdepot am Morgartenring. Ein weiteres prägendes Element des Quartiers kam 1901 dazu: die teilweise in Tunnels, vor allem aber in einem tiefen Graben verlaufende Elsässerbahn. Sie teilt bis heute das Gotthelfquartier bietet aber andererseits auch eine schmale grüne Ader.

Die Bautätigkeit konzentrierte sich zunächst entlang der Hauptachsen: Die Allschwilerstrasse, die Ahornstrasse, danach die Rufacherstrasse und andere, waren die ersten mit durchgängiger Bebauung.

Prägende Bauten

Wilhelm Emil Baumgartner und Hans Hindermann leisteten in den 1920er und 1930er-Jahren einen grossen Beitrag zum heutigen Gesicht des Gotthelfquartiers. Ein ansehnlicher Teil der gut 300 Baumgartnerhäuser Basels steht hier und noch mehr typähnliche Bauten. In diesen Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg füllten sich langsam die noch brachliegenden Flächen und das Gotthelfquartier nahm den gesamten Raum zwischen Bahnlinie und der wachsenden Stadt ein. Jenseits der Bahnlinie entstanden Reihenhaussiedlungen, von denen ebenfalls die meisten bis heute erhalten sind.

Die ruhige Kammer

Das Gotthelfquartier zeichnete sich schon vor der Verkehrsberuhigung durch Verkehrsarmut aus. Denn die «Hauptstrassen» des Quartiers sind seine Ränder: die Allschwilerstrasse mit ihren Cafés im westlichen Teil und den Läden und Supermärkten zwischen Allschwilerplatz und Brausebad. Dazu gesellt sich der Spalenring, an dem Einkaufsläden und Restaurants für die Verpflegung der Quartierbewohner sorgen. Hier fliesst der Verkehr um das Quartier herum, hier wird angeliefert und abgeholt.

Die Strassen innerhalb des Quartiers dagegen sind nahezu ausschliesslich den Anwohnern vorbehalten. Zusätzlich beruhigend wirkt, dass im Gotthelfquartier praktisch jedes Haus einen Vorgarten hat und der St. Gallerring, die Allschwilerstrasse und andere auf weiten Strecken den Charakter von Alleen haben.

Trotz dieser «natürlichen Verkehrsberuhigung» hat der Staat auch hier sein Wirken entfaltet. Vielerorts wird diagonal oder in zwei Reihen parkiert. Insbesondere rund ums Merian-Iselin-Spital sind solche Massnahmen bereits vor gut zehn Jahren getestet und für gut befunden worden. Das Gotthelf ist also nicht «nur» ruhig und beschaulich. Ab und an spielt es eine Pionierrolle.