Als Hans Hollmann im Juni 1978 nach dreijähriger Amtszeit als Direktor des Theater Basel zurücktrat, fanden sich am Abend des 24. Juni Freunde, Anhänger und Theatergänger im Foyer des Musentempels ein, um einen würdigen Abschied zu feiern. An jener Stätte also, wo Hollmann mit den «Letzten Tagen der Menschheit», den «Buddenbrooks» und dem dreitägigen Theatermarkt die grössten Erfolge ernten konnte. Dr. Liatowitsch dankte damals dem scheidenden Direktor «für all seine gelungenen, umstrittenen und jedenfalls nie durchschnittlichen Inszenierungen».

In der Tat erwies sich der legendäre Theatermarkt für Hollmann als fulminanter Start in die Aufgabe als neuer Direktor. Schon während der Intendanzzeit Werner Düggelins hatten Hollmanns Inszenierungen mit-
geholfen, dass jene Ära als eine herausragende bezeichnet wurde. Besagter Theatermarkt, der unter dem Motto «So wurde noch nie ein Theater eröffnet» in Szene ging und seither zu einem geflügelten Wort und wandelbaren Slogan avancierte, ist auch mit einer handlichen, informativen und bebilderten Buchbroschüre dokumentiert worden.

Unbestritten ist, dass Hans Hollmann, der heute seinen 80. Geburtstag feiert und in Basel wohnhaft geblieben ist, als ein Regisseur und Theatermann von hohem Ruf in die Basler Theatergeschichte eingeht. Nicht weniger wichtig sind auch seine zahlreichen Bearbeitungen von Stücken, Übersetzungen und Drehbüchern.

Vom Jurist zum Regisseur

Hollmann ist mit der Schauspielerin Reinhild Solf verheiratet, die oft am Basler Theater aufgetreten ist und unlängst auch als Buchautorin mit einem belletristischen Werk in Erscheinung getreten ist.

Geboren wurde Hollmann in Graz. Er absolvierte ein Jurastudium und promovierte 1956 zum Doktor beider Rechte. Es folgte ein Schauspiel- und Regiestudium am Max-Reinhardt-Seminar Wien. 1958 erhielt er das Diplom als Schauspieler. Seine ersten Erfahrungen als Regieassistent und Regisseur machte er am Theater in der Josefstadt Wien. Der Durchbruch zum Regisseur gelang ihm in der Saison 1964/65 mit einer Inszenierung von Shakespeares «Romeo und Julia» an den Städtischen Bühnen Heidelberg. Er avancierte zu einem begehrten Regisseur, der an allen führenden Bühnen des deutschen Sprachraums, in Bremen, Stuttgart, München, Frankfurt und auch am Burgtheater Wien Erfolge feierte.

Dass Hollmann sein Wissen, Können und seine Erfahrungen vermitteln und weitergeben konnte, wurde ihm ab 1993 mit der Berufung zum Professor für Theaterregie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main ermöglicht. Von 1998 bis 2003 übte er in leitender Funktion das Amt als Dekan für den Fachbereich Darstellende Kunst aus.

Es darf noch darauf hingewiesen werden, dass Hollmann sich stark für das zeitgenössische Theater engagiert hat. Ur- und Erstaufführungen von Stücken der Autoren Bertolt Brecht, Tankred Dorst, Peter Handke, Botho Strauss, Heiner Müller und anderen gingen unter seiner Regie an verschiedensten Theatern über die Bühne. 1969 wurde Hollmann die Josef-Kainz- Medaille der Stadt Wien zuerkannt, er erhielt das Grosse Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark und die Staatliche Schauspielbühne Berlin ernannte ihn zum Ehrenmitglied.

Buhs und Bravos für Basler Opern

Noch ein kurzer Blick auf Hollmanns dreijährige Intendanz. Nicht unumstritten waren die zwei Regiearbeiten im Opernbereich, Wagners «Das Rheingold» und «Die Walküre». Es gab Buhs und Bravos. In der Sparte Schauspiel erfuhren nicht mehr alle Aufführungen dieselbe Beachtung. Man diskutierte insgesamt weniger über das Theater generell, als dies Hollmann bis anhin gewöhnt war. Trotzdem darf festgehalten sein, dass er während den zehn Jahren seines künstlerischen Schaffens der Basler Theatergeschichte seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hat.

Gerne erinnert sich der Schreibende unter anderem an ein längeres Gespräch mit Hollmann in seinem Direktionsbüro, im Beisein von Dramaturg Klaus Völker. Es war ein interessantes und anregendes Gespräch. Ich erlebte ihn dabei nicht als strengen und unerbittlich fordernden Regisseur, sondern gelöst, locker und als aufmerksamen Gesprächspartner.