Insbesondere für Familien ist der trinationale Museums-Pass-Musées (MPM) ein verlockendes Angebot. Für derzeit 143 Franken kann ein Erwachsener ein Jahr lang mit bis zu fünf Kindern, die nicht einmal verwandt mit ihm sein müssen, gratis 320 Museen besuchen.

Am Montag feiert der Pass in Baden-Baden sein 20-Jahr-Jubiläum. Während der harzigen Anfangsjahre 1999 und 2000 hätte wohl kaum einer einen Rappen darauf gewettet, dass das anfangs mit EU-Geldern geförderte Vorhaben auf einen grünen Zweig kommt.

Viele renommierte Museen

Heute ist der Pass finanziell stabil, die Verkäufe haben sich seit 2013 auf rund 46'000 pro Jahr eingependelt. Es ist eine trinationale Erfolgsgeschichte. Vertreten ist, was Rang und Namen hat: Fondation Beyeler, Kunstmuseum Basel, Vitra, Kunstmuseum Bern, Zentrum Paul Klee, Unterlinden Museum in Colmar oder das Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Das Einzugsgebiet reicht in Frankreich bis Metz und Nancy, in Deutschland bis Mainz und Stuttgart, in der Schweiz bis Aarau und Lenzburg oder dem Ballenberg im Berner Oberland.

Der MPM ist ein typisches Dreilandprojekt. Weil die Geschäftsstelle in Basel steht, fallen die Kosten in Franken an, viele Einnahmen aber im Euroland. Dort kostet der Pass umgerechnet 17 Franken weniger als in der Schweiz. Der Einkaufstourismus diesbezüglich hält sich dennoch in Grenzen. Laut Geschäftsführer Gilles Meyer fahren gerade mal 500 Schweizer über die Grenze, um den Pass im nahen Ausland zu kaufen. Das gleicht sich durch die gesamthaft 600 Franzosen und Deutschen aus, die ihn in der Schweiz erwerben.

Konkurrenten in der Schweiz

2018 wurden 12'850 Pässe in der Schweiz, 24'300 in Deutschland und 8750 in Frankreich verkauft. Während er sich in Deutschland immer besser verkauft, stagnieren die Verkäufe in der Schweiz. «In Bern sind der Schweizer Museumspass und der Raiffeisenpass unsere Konkurrenten.» In Basel hingegen hat der MPM das Glück, dass Beyeler exklusiv mit diesem zusammenarbeitet. Inhaber der anderen Pässe müssen normal zahlen. Schwierig ist die Entwicklung in Frankreich: «Dort sind die Besucher gewöhnt, keinen Eintritt oder nur wenig zu zahlen.»

2012 hat der Pass, der früher «Oberrheinischer Museums-Pass» hiess, damit begonnen, sich geografisch auszuweiten. Damit ist jetzt Schluss. Meyer sagt: «Wir erhalten immer noch viele Anfragen von interessierten Museen, aber jetzt müssen wir das Erreichte erst einmal konsolidieren.» Etliche Passinhaber nutzen das grosse Angebot, um kleine Ferienreisen kombiniert mit Museumsbesuchen zu organisieren.

Sehr erfolgreich sind die monatlichen Mitgliederanlässe, bei denen in der Regel 100 Personen wenig bekannte Museen vorgestellt werden, verbunden mit einem kostenlosen Apéro riche. Die Anreise müssen die Passinhaber selber organisieren. «Die Events sind derart beliebt, dass über die Hälfte innerhalb von zwei Minuten im Internet ausgebucht sind», berichtet Meyer.
Der Geschäftsführer, ein Franzose, ist seit 18 Jahren dabei. So schnell bringt ihn nichts aus der Ruhe. Gegenüber dem absoluten Erfolgsjahr 2017 mit erstmals über 50'000 verkauften Pässen, gab es 2018 mit einem Minus von 4000 einen Einbruch. Meyer erklärt das so: «2017 war das Jahr der Blockbuster-Ausstellungen wie Monet bei der Fondation Beyeler. Dann werden auch mehr Pässe verkauft.»

Der junge Picasso

2018 fehlten derartige Ausstellungen, ausserdem war der Sommer extrem heiss – nicht gerade Museums-Wetter. 2019 sieht es allein in Basel schon wieder ganz anders aus: Der junge Picasso bei Beyeler zieht die Massen an, und auch die Ausstellung zum Kubismus im Kunstmuseum Basel läuft sehr gut. Der Eintritt zur Picasso-Ausstellung kostet 30 Franken oder 30 Euro. Schon bei zwei Besuchen ist ein Gutteil des Passes amortisiert.

Für die Museen ist der Verkauf lukrativ. Von jedem verkauften Pass erhalten sie 25 Prozent. Jeder Eintritt mit dem MPM wird derzeit mit 55 Prozent des Eintrittspreises vergütet. Die Museen mit dem höchsten theoretischen Einnahmeverlust erhalten 70 Prozent des durchschnittlichen Eintrittspreises. So kommt auch ein teures Museum wie Beyeler schon bei zwei Eintritten mit dem Pass finanziell auf seine Kosten.

Heute feiert der Pass in Baden-Baden 20-Jahr-Jubiläum. Neben Gewinnspielen für Pass-Inhaber liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten 2020 beim Versuch, junge Familien mit Kindern zu erreichen. So wurde extra ein Maskottchen kreiert, es gibt 30'000 Gratis-Pässe, mit denen die Kinder in 140 Museen und Schlösser kommen, und natürlich gibt es auch Geschenke zu gewinnen. Meyer ist überzeugt: «Unsere Passinhaber sind in der Regel älter als 55 Jahre. Wir sind es unseren Mitgliedsmuseen schuldig, in die Zukunft zu investieren.» Die Jubiläumsaktivitäten lässt sich der Pass 250'000 Euro kosten.