Die jüdischen Gebote und Rituale mit dem modernen Alltag in Einklang zu bringen, ist oftmals eine Herausforderung. Vor allem rund um den Sabbat, den jüdischen Ruhetag, hat sich eine Reihe von Massnahmen entwickelt, um das Leben der Gläubigen ein bisschen pragmatischer auszulegen. Eine solche ist der Eruv. Die Idee reicht weit in die jüdische Geschichte zurück.

Das Prinzip: Der private Raum wird durch ein klar definiertes und abgegrenztes Gebiet erweitert. In diesem Bereich gelten die gleichen Vorschriften wie in den eigenen vier Wänden. Konkret geht es dabei vor allem darum, dass ausserhalb des Hauses keine Gegenstände bewegt werden dürfen. Dies schliesst etwa auch Kinderwagen oder Rollstühle mit ein, bedeutet also je nach Lebenssituation eine grosse Einschränkung.

Weltweit gibt es in vielen Städten einen Eruv, vor allem in solchen mit einer grossen jüdischen Diaspora. Als erste Schweizer Stadt plant nun auch Basel die Schaffung eines Eruvs. «Es gibt konkrete Pläne, die hoffentlich bald der Gemeinde präsentiert werden können», sagte der Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel Mosche Baumel gestern gegenüber der jüdischen Zeitschrift «Tachles». Dabei verweist er auf Wien, wo vor fünf Jahren ein Eruv eingerichtet wurde, der das jüdische Leben bedeutend bereichert habe. Auch in Basel macht es aus Sicht des Rabbiners «sehr viel Sinn, einen Eruv zu integrieren, weil dieser einen Komfort schafft, der neue Familien, die Sabbat halten, in die Gemeinde bringen kann.»

«So diskret wie möglich»

Ausgehend von der Erweiterung der eigenen vier Wände muss der Eruv in einem klar definierten und geschlossenen Areal eingerichtet werden. Als Abgrenzung gelten etwa natürliche Grenzen, in Basel bspw. der Rhein aber auch Infrastruktur wie etwa ein Bahntrassee.

Die restlichen Grenzen werden mit speziellen Fäden geschlossen, die etwa via Beleuchtungs- oder Verkehrsmasten gespannt werden. Jeden Freitagmorgen vor dem Sabbat muss überprüft werden, dass die Grenzen des Eruvs unbeschädigt sind, quasi ein wöchentlicher jüdischer Banntag. Im Fall des Wiener Eruvs kann man sich auf einer Homepage jederzeit vergewissern, dass dieser in Funktion ist. Zusätzlich wurde eine Hotline eingerichtet.

Nicht Eingeweihte nehmen die Eruv-Grenzen kaum wahr. «Das Ganze soll
so diskret wie möglich umgesetzt werden», sagt auch Ronald Fried, der an der Planung mitarbeitet. Wo genau die Grenzen des Eruvs verlaufen sollen, will Fried noch nicht bekannt geben, zuerst soll die Gemeinde informiert werden. Geplant ist das Ganze aber im Grossbasel West. Dies macht insofern Sinn, als dass dort die Synagoge angesiedelt ist. Zudem könnte man den Rhein und die Zuggeleise als Grenze nutzen.

Erste Vorgespräche mit den Behörden haben bereits stattgefunden. Denn für die Errichtung des Eruvs sind einige bürokratische Hürden zu überwinden. So müsste ein Baugesuch eingereicht werden. «Wichtig ist, dass das Anliegen zur Errichtung eines Eruvs aus der Mitte der jüdischen Gemeinschaft hervorgebracht wird, um Einvernehmlichkeit herzustellen», sagt der Basler Stadtentwickler Lukas Ott.