Sie spielte schon in der Jugend Eis- und Inlinehockey. Und hörte dann auf. Erst viel später, im Erwachsenenalter, fing sie wieder an. Dann allerdings in einer gemischten «Plauschmannschaft». Das war ihre einzige Möglichkeit, wieder aufs Eis zu gehen.

Denn die 32-jährige Fabienne Peter ist eine Transfrau. Und für Transfrauen gab es bis vor kurzem keine Möglichkeit, offiziell in einer Frauenmannschaft zu spielen. Das ist jetzt anders.
«Ich war überrascht, dass alles so einfach über die Bühne ging und alle so offen waren», sagt Fabienne Peter.

Sie brachte alles ins Rollen

Und tatsächlich: Swiss Ice Hockey, der Dachverband des Schweizer Eishockeys, hat sich nicht schwergetan mit der Entscheidung, die Praxis zu ändern und künftig auch Transmenschen zuzulassen: Transfrauen, die in einem Männerkörper geboren wurden, dürfen jetzt bei den Frauen spielen – und umgekehrt. Allerdings kam der Verband erst auf die Idee, nachdem Fabienne Peter vorstellig wurde.

Unterstützt wurde sie vom EHC Zunzgen-Sissach. «Wir wurden vorher nie mit dieser Thematik konfrontiert. Daher existierte ein solcher Passus in unserem Regelwerk nicht. Aufgrund des aktuellen Falls wurde dies nun geändert», schreibt Swiss Ice Hockey auf Anfrage der bz.

Grünes Licht nach Hormontests

Ewige Diskussionen habe es nicht gegeben. Zuerst wurde das Thema im Nachwuchs- und Amateursport-Komitee besprochen, dann an der Delegiertenversammlung. «Alle waren sich einig», heisst es beim Verband. «Die Änderung wurde einstimmig angenommen.» Neu steht im Reglement: «Der Einsatz von Transgender-Spielerinnen in den unter Absatz 1 erwähnten Frauen-Ligen ist möglich, sofern die Kriterien der ’Transgender Guidelines’ des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erfüllt werden.»

Diese Richtlinien besagen, dass Transfrauen nach zwölf Monaten Hormonersatztherapie und einem bestandenen Hormontest bei Wettkämpfen antreten dürfen. Für Transmänner gibt es keine Beschränkungen. Eine geschlechtsangleichende Operation wird, im Gegensatz zu früher, bei beiden nicht mehr verlangt.

Im Herbst auf Eis

Fabienne Peter hat das Testosteron-Testjahr erfolgreich hinter sich gebracht. Sie hat längst nicht mehr so viel Testosteron im Blut wie früher, als sie noch als Mann lebte. Entsprechend weniger schnell bauen sich bei ihr Muskeln und Kraft auf.

Deshalb darf sie bei der Saisoneröffnung der EHC-Basel-Frauenmannschaft im Herbst erstmals wieder auf dem Eis stehen. «Ich freue mich sehr darauf, auch, weil die Frauen in der Mannschaft sehr gut reagiert haben», sagt die Spielerin.

Bislang ist Fabienne Peter die einzige Transfrau in einer Aktivmannschaft eines Schweizerischen Eishockeyclubs.