Fazit über seine eigene Künstlerlaufbahn zu ziehen, ist ein heikles Unterfangen. Da drohen die Fallstricke der Selbstüberschätzung, die Klippen der Erkenntnis, die Aufdeckung von Lebenslügen. Ernste Themen, an denen man sich die Finger verbrennen kann. Was hilft, ist Humor, unter anderem eine Kernkompetenz des Kabaretts.

Das Basler Duo Touche ma bouche wagt das Fazit. Ihre gleichnamige Produktion hat am Donnerstag im Teufelhof Premiere gefeiert, just an jenem Ort, wo die Gründer Daniel Buser und Roland Suter 1997 mit der Produktion «Glück» ihre Karriere starteten. Ob es wirklich eine war, das machen sie unter anderem zum Thema ihrer Jubiläumsproduktion. Für den Karrieretest haben sie eine Figur erfunden. Gespielt wird sie vom Theatermusiker Michael Wernli. Er tritt als Beamter vom eidgenössischen Institut für Kleinkunsttauglichkeit auf. Das Amt stellt Auftrittslizenzen für Kabarettisten aus; oder kann diese, falls die Prüfung nicht bestanden wird, wieder entziehen.

Eine träfe Parodie auf das allgegenwärtige Controlling, das längst auch im Kulturbetrieb Einzug gehalten hat. Ohne optimierte Selbstdarstellung, nachweisbaren Leistungsausweis, Hochschulabschluss und Beherrschung der neuen Medien ist es schwierig geworden im landesweiten Subventionswettbewerb.

Wernli gibt seinen Herrn Wernli als schweizerischen Biedermann, Typ Lehrer, der mal Bob Dylan nachgesungen hat. Im Laufe des Abends outet er sich denn auch als verhinderter Musiker, der seine Laufbahn wegen der Familie einst an den Nagel gehängt hat und zum Kleinkunstprüfer geworden ist. Dass er diese Rolle auch mit derjenigen des Begleitmusikers teilen muss, schärft sein Profil nicht unbedingt. Der rote Kittel muss etwas gar häufig an- und abgezogen werden.

Trotzdem eröffnet der Kniff mit dem dritten Mann den beiden Herren im Smoking die Möglichkeit, quasi unfreiwillig die eigenen Fähigkeiten zu hinterfragen.
Das Karrierefazit ist im Grunde schnell gezogen: Touche ma bouche sind auch nach 20 Jahren Lokalmatadoren geblieben. Buser und Suter wissen das und nehmen sich selbst gehörig auf die Schippe, kalauern über die 5000 CD’s mit ihrem Liedgut, die im Keller verstauben, oder ihren Auftritt im Hallenstadion Zürich – an einer «Hundsverlochete» der Belegschaft notabene.

Die verpassten Chancen

Zum Fazit der Beiden gehört auch, dass sie gewisse Lebensträume begraben haben: den des Fussballers, der das entscheidende Tor schiesst; den des Musikers, der einen Mega-Hit landet; den des Kabarettisten, der die wirklich grosse Nummer schreibt. Zu den verpassten Chancen gesellt sich das Alter. Die beiden Herren rutschen langsam aber sicher auf die Sechzig zu. Was Buser dazu veranlasst, seine Beerdigung schon mal vorzuplanen, samt sprechendem Grabstein.

Die Dialoge sind amüsant, aber nie zum Brüllen komisch. Das Hauptmetier des Duos sind eh die Songs. Wobei diese bei einer Qualitätsprüfung unterschiedliche Noten erhalten. Von etwas gar flach mit zu viel Jö-Effekt bis zu tollen Nummern wie dem Fazit-Song. Zum Schluss stimmt auch Kleinkunstprüfer Wernli in den Reigen ein und gibt eine anrührig wehmütige Heimwehballade zum Besten.

Das Fazit des Kritikers: Touche ma bouche nehmens immer noch mit Humor, auch wenn die Karriereleiter sie wieder in den Estrich des Teufelhofs zurückgeführt hat. Sie nehmen sich selbst nicht allzu ernst. Gut so, vielleicht aber auch die Krux: Um ganz gross oben aus zu schwingen, müsste das eigene Ego grösser sein.