Es gibt Chläuse, die haben selbst einiges auf dem Kerbholz und hätten sich die Rute verdient. Die bz hat für sie zwei spezielle Aufeinandertreffen von Polizei und Chläusen aus der Region zusammengetragen.

Am 24. Dezember 1992 hielt ein Weihnachtsmann die Region in Atem. Morgens drang ein verkleideter 35-Jähriger in eine Villa in Reinach ein und nahm eine junge Frau als Geisel.

Beim Geiselnehmer handelte es sich um einen stadtbekannten Millionärssohn. Er hatte bereits zweimal eine Bank überfallen und war in einem aufsehenerregenden Prozess 1987 zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Eine krankhafte Beziehung zu Geld

Die Geisel war Inhaberin eines Schönheitssalons in der Basler Altstadt. Der falsche Weihnachtsmann zwang sie mit vorgehaltener Waffe, ihn mit ihrem Auto in Richtung Basel zu fahren. Durch einen künstlich erzeugten Stau gelang es der Polizei, das Fluchtauto zu stoppen. Der Frau konnte aus dem Auto flüchten, der falsche Weihnachtsmann wurde bei einer Schiesserei mit der Polizei lebensgefährlich verletzt.

Der Täter überlebte seine Verletzungen. Wie Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ergaben, führte der Täter einen Schreckschuss-Revolver und im Chlaussack eine Übungsgranate und ein abgesägtes Gewehr mit sich. Das Baselbieter Strafgericht verurteilte den Mann zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus. Strafmildernd wirkte sich aus, dass ihm ein Gutachten eine krankhafte Beziehung zu Geld attestierte.

Das Verfahren wurde an die nächsthöhere Instanz weitergezogen. Die Verteidigung machte geltend, der Angeklagte habe lediglich ein ausstehendes Darlehen eintreiben wollen. Die Staatsanwaltschaft hingegen ging davon aus, dass sich der Täter mit dem Raub seine Spielleidenschaft und seinen unangemessenen Lebensstil finanzieren wollte. Die zweite Instanz bekräftigte das Urteil von dreieinhalb Jahren Zuchthaus.

Kein Fall in Basel-Stadt bekannt

Ein Anruf alarmierte die Basellandschaftliche Polizei am 4. Dezember 2011 kurz nach 17 Uhr: Eben sei an der Grossmattstrasse in Liestal ein Mann im Wald verschwunden.
Er habe einen grossen, offensichtlich schweren Sack bei sich gehabt. Der Anrufer befürchtete, dass es sich um einen Einbrecher handeln könnte.

Die Polizeipatrouille war rasch vor Ort und traf nicht etwa einen Einbrecher, sondern einen Santichlaus an, der über den unerwarteten Besuch wohl nicht schlecht gestaunt hat.
Wie die Polizei schrieb, konnte sich der Santichlaus «plausibel erklären».

Er war in Zivilkleidung in den Wald gegangen und hatte sich dort umgezogen. «Gemäss gut unterrichteten Quellen», schrieb die Polizei weiter, «soll der Santichlaus in Anbetracht der ganzen Situation inklusive Personenkontrolle die Abgabe von Ruten in Betracht gezogen, aber dann letztlich doch davon abgesehen haben».

Trotz dem schlussendlich unnötigen Einsatz: Die Polizei wies darauf hin, dass sie es zu schätzen wisse, wenn Zivilcourage gezeigt wird.

Aus Basel-Stadt ist kein Fall eines Bad Santas bekannt: Weder im Archiv noch auf Nachfrage beim Justizdepartement findet sich ein entsprechender Fall.