Ünsal Arik polarisiert. Die einen klopfen dem Profi-Boxer beeindruckt auf die Schultern, die anderen schreiben Hass-Kommentare und Drohungen unter seinen Beiträgen auf Social Media. Vor zwei Jahren nannte Arik den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im deutschen Frühstücksfernsehen «Hitler 2.0». Schnell war er deutschlandweit bekannt. Morgen kommt er nach Basel und nimmt an einer Diskussionsrunde über Türken in der Schweiz teil.

Arik hat eine bewegte Vergangenheit, war als Jugendlicher in Schlägereien verwickelt und nahm Drogen. Zum Boxen kam er erst mit 27, drei Jahre später rettete der Sport ihn vor der Obdachlosigkeit. Heute, mit 37 Jahren, kann er mehrere Europameistertitel vorweisen.
Ein türkischer Sportler, der sich öffentlich gegen Erdogan äussert, ist in Deutschland eine Seltenheit.

Arik machte 2016 die Runde in allen möglichen TV-Formaten. Er nahm einen Rap-Song auf, der ihm eine Anzeige von Erdogan persönlich einbrachte. Trotzdem scheute er sich nie, seine Ablehnung lautstark kundzutun. «Wie kann man in so einem schönen Land wie Deutschland leben, aber Diktatur unterstützen?», wandte er sich beim Sender Sat.1 an seine Landsleute.

Sportler mit frecher Schnauze

Ihm sei nicht klar gewesen, dass er einen solchen Hype auslösen würde, sagt er gegenüber der bz. Was danach folgte, war für den Sportler nicht einfach: «Ich stand sehr schnell alleine da, die meisten waren feige und trauten sich nicht, sich zu äussern.» Wer sich gegen Erdogan stelle, werde sofort als Landesverräter abgestempelt.

Arik provoziert gerne. Geht es um Türkei-Themen, hält er seine Meinung nicht zurück. Auch deshalb ist er zwei Jahre nach seinem ersten TV-Auftritt noch immer ein gefragter Gesprächsgast. Nachdem sich zwei Spieler der deutschen Fussballnationalmannschaft mit Erdogan fotografieren liessen, sagte er gegenüber Stern-TV: «Man spuckt nicht auf die Hand, die einen ernährt, und das ist Deutschland.»

Den selben Satz wiederholt er gegenüber der Bildzeitung und auch im Gespräch mit der bz, immer dann, wenn er sich in Rage geredet hat.

Arik muss nie lange überlegen, so oft hat er schon über das Thema gesprochen. Was schockierend klingt, ist Teil seines Programms: «Ich spreche halt wie ein Sportler aus dem Volk und habe eine freche Schnauze», sagt er. Er möchte alles, ausser wie ein Politiker klingen.

«Erdogan schwächelt»

Gestern musste sich Erdogan in der Türkei zur Wiederwahl stellen. Am vergangenen Donnerstag war sich Arik sicher: Erdogan schwächelt. «Er kämpft ums Überleben.» Auch wenn Erdogan einen Grossteil der türkischen Medien kontrolliere, gebe es zum Glück die sozialen Medien, über die sich die Menschen informieren können, meint Arik.

Erdogans Stand bei den Wählern wird auch bei der morgigen Ausgabe von «Basel im Gespräch» Thema sein. Organisator Frank Lorenz möchte wissen, wer die türkisch-stämmigen Menschen sind, die in Basel leben. Neben Ünsal Arik werden auch Richterin Derya Sahin Tokay und Politikerin Sibel Arslan teilnehmen. Letztere wird extra aus Istanbul zugeschaltet.

Arik möchte den Zuschauern vor allem eines klarmachen: «Nicht jeder Türke ist ein kleiner Erdogan.» Viele Deutsch-Türken unterstützen Erdogan, weil Deutschland bei der Integration versagt habe. «Ich habe von meinem Lehrer oft gesagt bekommen, ich hätte als Türke keine Chance.» Viele hätten diesen Frust jahrelang in sich hineingefressen und sähen in Erdogan nun jemanden, der sie versteht. Arik hingegen habe über den Tellerrand geblickt, wie er immer wieder betont.

Auch in Basel will Arik, der vorher noch nie in der Schweiz war, seinen Horizont erweitern. Er freut sich auf das Gespräch. Der Sportler und Medienstar weiss auf jeden Fall genau, wie er sich in Szene setzen muss. Wenn jemand wie Arik öffentlich auftritt, stellt sich immer auch die Frage nach der Sicherheit. Das Aufgebot wird aber bei Weitem nicht so gross sein wie im vergangenen Dezember, als die unter ständigem Polizeischutz stehende deutsch-türkische Menschenrechtlerin Seyran Ates am Gespräch teilnahm.

 

Basel im Gespräch findet am Dienstag um 18.30 Uhr in der Offenen Kirche Elisabethen statt. Der Eintritt ist kostenlos.