Die Tagesbetreuung von Kindern erlebt derzeit einen Boom. Und dieser Zuwachs an Angeboten bringt die Behörden bei der Überprüfung der Betreiber offenbar an ihre Kapazitätsgrenzen. Eine der seltsameren Blüten ist die Kindertagesstätte «Mini Ummah», die dieser Tage an die Drahtzugstrasse umzieht.

Die Krippe schreibt auf ihrer Website, sie sei für «Kinder aller Nationen» offen, fördere über Spiel und gesunde Ernährung «die ganzheitliche Wahrnehmungsentwicklung und Fantasie der Kinder». Nur eines findet sich nicht auf der Seite: den Hinweis, dass die «Mini Ummah» im Kern eine islamische Tagesstätte ist. Dafür müsste man schon genau hinsehen, um die winzigen Halbmonde im Logo zu erkennen, oder wissen, dass «Ummah» der arabische Begriff für die islamische Glaubensgemeinschaft ist.

Dafür weist die Kita stolz darauf hin, dass man sich die Unterbringung des Nachwuchses dort vom Kanton subventionieren lassen könne. Das bestätigt Hansjörg Lüking, der Bereichsleiter Jugend, Familie und Sport beim Erziehungsdepartement: «Wir schliessen nur Leistungsvereinbarungen mit Trägerschaften ab, die gemeinnützig sind und ihre Plätze durch die kantonale Vermittlungsstelle belegen lassen, unabhängig davon, welche Religion oder Herkunft das Kind hat.»

Ein alter Bekannter

Nun stehen hinter der «Mini Ummah» die «Basler Muslim Gemeinschaft» und deren Sekretär, Aziz Osmanoglu. Jener Osmanoglu, der derzeit mit dem Basler Erziehungsdepartement im Streit liegt, weil er seine Töchter nicht in den Schwimmunterricht schicken will. Er unterlag vor allen Instanzen bis zum Bundesgericht, laut seiner Anwältin Sandra Sutter-Jeker steht das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte noch aus.

Freigesprochen wurde Osmanoglu dagegen vom Basler Appellationsgericht vom Vorwurf, er habe öffentlich zu Straftaten aufgerufen. Osmanoglu hatte in einer Dokumentation des Schweizer Fernsehens verlauten lassen, er finde es «okay», wenn ein Mann seine Frau schlage, um sie zum Sexualverkehr zu motivieren. Diese Aussage sei durch die Meinungs- und Religionsfreiheit geschützte Ansichtssache und keine Straftat, befand Appellationsrichter Claudius Gelzer.

Tarnung der Ausrichtung?

Osmanoglu ist bei der Kinderkrippe, deren neues Domizil sich in der gleichen Liegenschaft befindet wie Osmanoglus Wohnung, nicht nur im Hintergrund tätig. Er taucht auf Informationen der «Mini Ummah» immer wieder auch als Betreuer auf. Chefin der Tagesstätte ist eine Frau mit deutschem Namen. Die Stelle war unter anderem auf Seiten wie «muslimjobs.de» ausgeschrieben. Als Präsident des Trägervereins firmiert der Zahnarzt C.B.

Er scheint sich politisch nicht immer im ganz sicheren Fahrwasser zu bewegen. So postete er auf seiner Facebook-Seite «. . . fragt sich, ob Darbellay die Wiedergeburt Hitlers ist, versteckt im Schafspelz der CVP-Partei.» Hansjörg Lüking sagt auf Anfrage, der Kanton kümmere sich durchaus darum, wer Kindertagesstätten betreibe: «Wir überprüfen die Betreiber von Krippen. Bei einschlägigen Vorstrafen oder mangelnder persönlicher Eignung der verantwortlichen Personen kann ein Tagesheim nicht bewilligt und schon gar keine Leistungsvereinbarung abgeschlossen werden.»