Vor 30 Jahren gab es in Basel noch eine offene Drogenszene – wie in allen grösseren Schweizer Städten. «Damals hat man gemerkt, dass Repression nichts bringt ausser einer Verschiebung der Szene», sagt Horst Bühlmann, Leiter der sogenannten Kontakt- und Anlaufstellen (K+A) der Suchthilfe in Basel.

Damals, Mitte der Achtzigerjahre, wurde Aids zum grossen Problem im Drogenmilieu. Das HI-Virus verbreitete sich schnell über geteilte Spritzen. Die Gassenarbeitsvereine «Virus» und «Schwarzer Peter» verteilten saubere Spritzen und Kondome.

Am Lindenberg entstand ein erstes Fixerstübli – das war zwar noch illegal, aber immerhin geduldet. «Der Regierungsrat gab ein Gutachten in Auftrag und kam zur Einsicht, dass man die tragische Situation der Drogenabhängigen über die Illegalität stellen muss», erinnert sich Bühlmann. 1991 wurde das erste offizielle Gassenzimmer eröffnet, an der Spitalstrasse. Viele Süchtige trauten dem anfangs nicht, weil sie aus Angst vor Justiz und Polizei eine Falle vermuteten. Die Befürchtung war: Wer da reingeht, wird verhaftet.

Die Behörden erkannten aber bald, wie wichtig und sinnvoll die Anlaufstellen waren. 1992 wurden zwei weitere Gassenzimmer eingerichtet, eines an der Dufourstrasse beim Kunstmuseum, eines an der Heuwaage. Die Anwohner waren nicht erfreut. «Es gab enorme Ängste in den Nachbarschaften», sagt Bühlmann.

Weniger Tote, mehr Sicherheit

Heute spricht man nicht mehr von Gassenzimmern, sondern von Kontakt- und Anlaufstellen. «Die K+A sind von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert», stellt Lukas Engelberger fest, Vorsteher des Gesundheitsdepartements. «Sie sind eine wichtige Überlebenshilfe für Menschen mit einer Substanzabhängigkeit. Die Zahl der Drogentoten und der HIV-Infektionen hat in den letzten Jahrzehnten signifikant abgenommen. Auch der Konsum im öffentlichen Raum hat deutlich abgenommen und ist weiterhin rückläufig. Diese Entwicklung ist zu einem wesentlichen Teil den K+A zu verdanken.»

Horst Bühlmann betont die gute Zusammenarbeit der Suchthilfe mit den Behörden. Und: «Die Justiz und der Kanton sind froh um die K+A. Man will sich gegenseitig nicht mehr missen.» Auch die Wege zu weiteren Hilfsangeboten wie etwa betreutem Wohnen seien kürzer geworden. Die Lebenserwartung der Drogenabhängigen ist deutlich gestiegen, die medizinische Versorgung viel besser geworden.

Um die 200 Personen nutzen das Angebot täglich – das Durchschnittsalter liegt bei 44 Jahren. In den Achtziger- und Neunzigerjahren waren viele Süchtige deutlich jünger. «Die Benutzer sind mit den K+A älter geworden», sagt Bühlmann. In den «Konsumräumen» können die Betroffenen mitgebrachte Drogen einnehmen. Sei es beim Rauchen, Spritzen oder Schnupfen – der Konsum erfolgt hygienisch sauber und unter fachlicher Aufsicht.

Grund genug zum Feiern

In Basel gibt es keine offene Drogenszene mehr. Für die Suchthilfe sind die 25 Jahre Grund genug zum Feiern. Am Mittwochabend findet in der Dreispitzhalle ein Fest mit Kunst, Musik und Tanz statt. Regierungsrat Lukas Engelberger hält eine Festrede. Soziologieprofessor Ueli Mäder wirft in einem Referat einen anderen Blick auf das Thema Sucht – etwa die Sucht mancher Politiker nach Macht und Herrschaft. Mäder hat in seiner langjährigen Forschungsarbeit immer wieder mit verschiedenen Formen von Süchten zu tun gehabt. «Ich möchte zeigen, wie anerkannt gewisse Formen der Sucht sind, andere dagegen immer noch sehr stigmatisiert.»

Das Jubiläumsfest findet am Mittwoch, ab 17 Uhr in der Dreispitzhalle, Helsinkistrasse 5, in Münchenstein statt. Die Kontakt- und Anlaufstelle Dreispitz ist von 16.30 bis 19 Uhr geöffnet.