Vom wichtigen Machtzentrum zur vergessenen Ruine: Die Burg Rötteln hat schon viel erlebt. Nach seiner Zerstörung geriet das Wahrzeichen von Lörrach lange in Vergessenheit und verwahrloste zunehmend — bis sich der ehrenamtliche Röttelnbund der verwachsenen Ruine 1926 annahm. Ein Grossteil der bei der Freilegung der Ruine geborgenen Objekte befinden sich heute im Besitz des Dreiländermuseums Lörrach.

«Um die Öffentlichkeit auf die historische Bedeutung der Burg aufmerksam zu machen, haben wir gemeinsam mit dem Röttelnbund und den staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg ein Kulturprojekt initiiert», sagt Museumsleiter Markus Moehring. Entstanden ist eine Ausstellung mit über 450 Originalexponaten und umfangreichem Rahmenprogramm.

Rötteln wird wiederentdeckt

Die Burg Rötteln ist die grösste mittelalterliche Burgruine am Oberrhein. «Es gibt kaum Burgen mit einem so grossen Repertoire an Fundstücken», sagt Moehring. «Wir wollen in unserer Ausstellung einen repräsentativen Querschnitt dieser Objekte zeigen.» Besucher sollen sich ein anschauliches Bild vom Leben auf der Burg in der Ritterzeit und darüber hinaus machen können. Gegliedert ist die Ausstellung in mehrere Räume, die jeweils ein bestimmtes Thema aufgreifen.

So widmet sich der erste Raum etwa der Wiederentdeckung von Burg Rötteln in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das aufklärerische Streben nach neuen Erkenntnissen und die romantische Überhöhung der Vergangenheit wecken bei der Bevölkerung ein neues Interesse für Burgruinen. «Nachdem Rötteln im ersten Reiseführer erwähnt wurde, war der Touristenansturm gross», sagt Moehring. Auch bei Basler Bürgern ist Rötteln ein grosses Thema: Der Maler Anton Winterlin bildet die Burg auf einer seiner Lithografievorlagen ab und lässt darin Natur und nationale Geschichte verschmelzen.

In drei weiteren Räumen werden jeweils die unterschiedlichen Epochen der Burg mit ihren zugehörigen Herrschergeschlechtern gezeigt. Eine seltene Schachfigur aus Elfenbein zum Beispiel verdeutlicht, welches Ansehen die Burg zur Zeit ihrer Gründung durch die Herren von Rötteln genoss. Denn: Elfenbein musste für viel Geld importiert werden. «Elefanten konnte man hier nunmal nicht jagen, auch nicht im Mittelalter», sagt Kurator Domink Baiker. Nachdem das Gründergeschlecht ausstirbt, erben im Spätmittelalter die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg die Burg. Und machen sie zur Herrschaftsresidenz.

Aus dieser Epoche ist eine Fülle höfischer Haushalts- und Einrichtungsgegenstände erhalten. Auf grünen Keramikkacheln etwa ist gut erkennbar das Hachberg-Wappen abgebildet. «Man inszeniert sich und lässt sich das auch etwas kosten», sagt Baiker. Als Rötteln 1503 in den Besitz der Markgrafen von Baden gelangt, wird aus der Residenz ein Verwaltungssitz. Die Burg verliert von da an zunehmend an Bedeutung, bis sie 1678 zerstört wird.
Im letzten Raum werden Besucher selbst aktiv: Verschiedene Stationen greifen die historischen Informationen aus den anderen Räumen wieder auf.

   

Ausstellungseröffnung im Dreiländermuseum Lörrach, Freitag 12. April, 19 Uhr; mehr Infos unter www.dreilaendermuseum.eu