Im März schnappten die Handschellen zu. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft liess fünf Männer unter dem Verdacht des qualifizierten Drogenhandels und der Geldwäscherei verhaften. Sie hatten ihr Geschäft im Umfeld des mittlerweile geschlossenen Clublokals «Fame» am Basler Claraplatz aufgebaut. Nachdem die Bande dort von einer rivalisierenden Gruppe verdrängt worden war, verlagerte sie ihre Aktivität in den Club «Vice» bei der Heuwaage.

Wohl dort haben die Fahnder bei einer Hausdurchsuchung im Januar dieses Jahres nicht nur 130'000 Franken sichergestellt, an denen teilweise Kokain haftete. Sie fanden auch eine türkische Agenda, in der über einen Hasch-Handel Buch geführt wurde; «Hascheinkauf» für 56'100, «Hasch-Gewinn» für 13'000. Es folgten eine Abhöraktion mit 52'000 einzelnen Aufnahmen, Observationen und schliesslich die Verhaftungen.

Einzelheiten aus dem Verfahren werden nun bekannt, weil einer der Festgenommenen, der mutmasslich als Geldkurier tätig war, ein Haftentlassungsgesuch stellte. Das Zwangsmassnahmegericht wollte ihn freilassen, dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein. Ihre Position wurde vom Kantonsgericht wie nun vom Bundesgericht gestützt. Das oberste Gericht lehnt eine Freilassung nicht nur ab, sie bringt in seinem öffentlich zugänglichen Urteil auch Licht in die Struktur der Bande und dessen Drogenhandel.

Insgesamt zehn Personen sind demnach involviert, wobei vier auf freiem Fuss sind. Neben dem Geldkurier, der für 300 Franken jeweils Beträge zwischen 5000 und 7000 Franken verschob, waren zwei Beteiligte offenkundig mit der Feinverteilung der Drogen befasst. Sie wurden bereits vor zwei Jahren in Untersuchungshaft genommen und befinden sich im vorzeitigen Strafvollzug. Sie sollen alleine zwischen 2014 und 2016 rund vierzig Kilogramm Heroin an Abhängige verkauft haben.

Verdunkelungsgefahr

Gemäss Darstellung des Bundesgerichts bezogen die Dealer den Stoff vom harten Kern der «Fame»-Bande, der im März festgesetzt worden ist. Diese handelte gemäss der Baselbieter Staatsanwaltschaft nicht nur mit Heroin, sondern ebenso mit Marihuana, Haschisch und Kokain. Während das Heroin aus der Türkei über die Balkanroute in die Schweiz gelangt, erfolgt der Einfuhr des Marihuanas über Spanien. Auf einem spanischen Flughafen fand auch eine der Verhaftungen statt.

Dass die an der Spitze türkischstämmige Bande gross im Drogenhandel mitmischt, vermuten Szenenkenner schon lange. 2015 verurteilte das Basler Strafgericht einen Kleindealer wegen des Besitzes von neunzig Haschischplatten, die in einer Wohnung gefunden wurden, die das «Fame» gemietet hatte. Die Strafverfolger konnten die Hintermänner in der Führung des Partyclubs aber nicht haftbar machen.

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft, hätte die Untersuchungsergebnisse aus taktischen Gründen lieber geheimgehalten. Sie bestätigt lediglich, dass alle fünf Festgenommenen weiterhin in U-Haft seien. Diese wird vor allem mit der Kollusionsgefahr begründet; auf Freigang könnten sich die Beteiligten absprechen oder auch Druck auf allenfalls Gesprächige machen.

Nächstes «Fame»-Kapitel

Während gegen die «Fame»-Bande ermittelt wird, kommt es im Herbst zur Wiedereröffnung der Lokals. Die Basler Versicherung bestätigt als Hauseigentümer einen Nachmieter gefunden zu haben. Dabei handelt es sich um den Luzerner Getränkehändler Kurt Iten. Dieser gründete dafür bereits im vergangenen Oktober in Basel die Event Communication GmbH. Sein Projekt will Iten erst nach den Sommerferien erzählen. Die Basler Versicherung erwartet eine «Bereicherung der Kulturstadt». Dies dürfte eine optimistische Annahme sein: Itens Geschäft ist heute Import türkischer Alkoholika, seine Basler Partner haben eine einschlägige «Fame»-Vergangenheit.