Wenn es nicht läuft, dann läuft es nicht: Die Halbjahreszahlen des Messeveranstalters MCH sind erneut unter den Erwartungen. An der Börse geht die Talfahrt weiter und eine zusätzliche Wertberichtigung in dreistelliger Millionenhöhe steht bevor. Der Turnaround lässt auf sich warten.

Das Geschäft mit dem Messen läuft nicht mehr, wie es sich die Betreibergesellschaft MCH gewohnt ist. Ein verändertes Kaufverhalten führt unter anderem dazu, dass Messen an Bedeutung verlieren. Deshalb schrieb im letzten Jahr die MCH den Wert der Messehallen um 100 Millionen Franken ab. Dies führte zu einem Verlust von 110 Millionen Franken. Die Verantwortlichen sehen nun offenbar keinen anderen Weg, sich aus der Misere zu befreien, als diesen Schritt zu wiederholen. Der gestern angekündigte erneute Abschreiber wird «sicher im gleichen Ausmass sein», sagt Messe-Finanzchef Beat Zwahlen. Der Abschreiber wird vorgenommen, weil die Messehallen weniger genutzt werden als angenommen und der Wert der Hallen in der Bilanz deshalb zu hoch ist.

Alte Hallen abstossen

Die Wertberichtigung über einen dreistelligen Millionenbetrag ist nur eine Strategie, welche das Unternehmen fährt, um längerfristig wieder rentabel zu werden. Sogar gewisse Immobilien, also Messehallen, scheint man verkaufen zu wollen. MCH-Verwaltungsratspräsident Ueli Vischer sagt gegenüber der bz, dass ein solcher Schritt allenfalls ein Wunschszenario ist. Der Abstoss von alten Hallen etwa am Riehenring sei aber durchaus realistisch, sagt Vischer dem «Regionaljournal Basel». Finanzchef Zwahlen sagt zudem: «Die Trennung von Infrastruktur und Betrieb macht sicher Sinn.» Deshalb prüfe man dieses Szenario vertieft. Mit an Bord müssten auch die Eigner also unter anderem die Kantone Basel-Stadt und Baselland sein. Der Vorteil: Die Hallen würden nicht mehr in den eigenen Finanzbüchern auftauchen, bei Bedarf könnte man die Hallen trotzdem mieten.

Doch nicht nur die Trennung von Infrastruktur und dem Geschäft mit den Messen wird diskutiert. Auch in der Organisation der Firma kommt es zu Veränderungen. Beat Zwahlen sagt, dass man etwa gewisse Backoffice-Arbeiten zusammenführen will. Was am Ende auf einen Personalabbau herauslaufen dürfte. Wie hoch dieser ist, ist unklar. Der ganze Prozess ist erst angelaufen und dauert laut Zwahlen noch drei bis vier Jahre.

Eventmarketing wirft Gewinn ab

Die Internationalisierung des Geschäfts scheint zu funktionieren: Letztes Jahr kaufte die MCH den amerikanischen Eventmarketing-Anbieter MC2 für 100 Millionen Franken. Dieser werfe einen Gewinn ab, sagt Vischer. Eine der Hoffnungen für das Auslandgeschäft ist die Auto-Messe Grand Basel. Ausgerechnet gestern, als die nächste Hiobsbotschaft wegen des schlechten Geschäftsgangs verkündet wurde, fand der Medien-Event zum Start der Grand Basel statt.

Ein erster Schatten auf dem neuen Hoffnungsträger. Zudem sei der Aufbau der neuen Messe teurer geworden als geplant. «Das liegt daran, dass wir die Messe nicht nach und nach von einer kleinen zu einer grossen entwickeln wollten», sagt Vischer. Die Messe müsse bereits in Basel so aussehen, wie man es auch an anderen Standorten, etwa in Miami, erwarten dürfe. Die höheren Kosten beziffert Vischer auf einen nicht näher umschriebenen Millionenbetrag.

«Grand Basel» erhebt Autos zur Kunst – ein Augenschein.

«Grand Basel» erhebt Autos zur Kunst – ein Augenschein in der neuen Messe.

  

Die Auslandsstrategie brachte der MCH Kritik ein. Im Baselbiet wie auch in der Stadt wurden Stimmen laut, welche die Beteiligung infrage stellen. So wird etwa der Chef der Baselbieter Grünen Klaus Kirchmayr in der nächsten Fragestunde im Landrat konkrete Fragen zur MCH stellen. Unter anderem im Fokus: ein Darlehen des Kantons an den Messeneubau über 50 Millionen Franken.

Verlust in Millionenhöhe

Die MCH hat gestern in der Person von Ex-Davidoff-Chef Hans-Kristian Hoejsgaard einen neuen Chef ad interim präsentiert. Wann der definitive neue Geschäftsleiter bekannt wird, ist laut Vischer noch unklar. Es könnte durchaus noch ein halbes Jahr oder länger gehen.
Gesamthaft stieg der Umsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Im ersten Halbjahr 2017 sank der Gewinn der MCH um 17 Prozent. Dies sei auf den Ertragsrückgang bei der Baselworld zurückzuführen, heisst es in einer Mitteilung. Der angekündigte Rückzug von Swatch ist dabei noch nicht eingerechnet. Für das gesamte Jahr sieht MCH einem Verlust über einen einstelligen Millionenbetrag entgegen, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Zusammen mit dem Abschreiber von über 100 Millionen Franken dürfte 2018, wie bereits im Vorjahr, am Ende ein riesiger Verlust zu Buche stehen.