Es war eine laue Sommernacht im Juli 2018: Am Rheinbord bei der Kaserne prügelten zwei Männer kurz nach Mitternacht auf einen 41-jährigen Mann ein, dieser starb noch in derselben Nacht im Spital an einem Schäden-Hirn-Trauma.

Gewehrt hat sich der Mann nicht, auch fand man im Blut des 41-Jährigen nichts Auffälliges: Vermutlich war er bereits nach dem ersten Schlag zu benommen.

Einen der beiden Schläger konnte man später festnehmen, der heute 19-jährige Mann war geständig und auch nicht vorbestraft. Doch beim Haupttäter dauerte es etwas länger, er hatte die Schlägerei angefangen, weil er dachte, dass der 41-Jährige zuvor sein Mobiltelefon geklaut habe. Bewiesen ist allerdings nur, dass der Verstorbene vorher um Geld gebettelt hatte.

Bei der Aufklärung des Delikts wollte niemand mithelfen. Man half ein wenig nach: Rund sechs Wochen nach der tödlichen Schlägerei publizierte die Staatsanwaltschaft einen Zeugenaufruf und winkte mit einer Belohnung von 10 000 Franken. Es funktionierte: Zwei Wochen später nahm man den heute 29-jährigen Mann in Haft.

Testosteron und Kokain

Seit Dienstag müssen sich nun fünf Richter mit dem Fall befassen: Umstritten ist, wie und wie stark die zwei Angeklagten den Mann geschlagen haben, das Gericht lud dazu auch nochmals einzelne Zeugen vor.

Der 29-jährige Hauptangeklagte stand damals unter der Wirkung von Testosteron, wobei nicht klar wurde, aus welchem Grund er die Substanz verschrieben erhielt. Auch wurde klar, dass ihm nebst Testosteron auch Progesteron verschrieben wurde, was normalerweise bei der Hormonbehandlung von Frauen in den Wechseljahren seine Anwendung findet. Dazu kamen Schmerzmittel und Kokain.

Für den Verteidiger ein klarer Fall: Er hält seinen Mandanten für schuldunfäig und fordert, den Fall auszustellen, um ein Gutachten einzuholen. Staatsanwältin Simone Lustenberger meinte dazu allerdings, auch ein Gutachter würde wohl kaum schlüssig erklären können, welche genauen Wechselwirkungen bei diesen vielen Stoffen zu erwarten seien.

Sie forderte für den mehrfach vorbestraften 29-Jährigen eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren. Da der Mann einen slowenischen Pass besitzt, forderte sie auch einen Landesverweis von 15 Jahren.

Dem 19-Jährigen hingegen wird aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung eine verminderte Schuldfähigkeit diagnostiziert, daher beträgt der Antrag der Staatsanwältin hier 6 Jahre. Allerdings soll der Mann eine stationäre Therapie mit Schwerpunkt auf Arbeitsanleitung bekommen.

Damit wäre auch die Verteidigerin einverstanden, wobei sie betonte, ihr Mandant habe bloss einmal zugeschlagen. Damit wäre eine Verurteilung wegen Körperverletzung und ein Strafmass von zehn Monaten bedingt angemessen.

Der 19-jährige Mann stammt aus Argentinien, hat einen spanischen Pass und lebt erst seit 2013 in der Schweiz, auch bei ihm verlangt die Staatsanwaltschaft einen Landesverweis von 15 Jahren. Die Urteile fallen am Donnerstag.