«Der Europäische Tag des Denkmals möchte den Leuten die historische Baukultur als lebendiges Zeugnis der Kulturgeschichte nahebringen. Wir wollen den Leuten helfen zu verstehen, wie sich Stadtquartiere, Orte, Dörfer und Landschaften entwickelt haben,» so erklärt uns der Basler Denkmalpfleger Sinn und Zweck des «Europäischen Tag des Denkmals» vom nächsten Samstag, 12. September. Es gehe darum, die Geschichte hinter dem Denkmal zu begreifen.

Der «Europäische Tag des Denkmals» wurde 1984 in Frankreich vom damaligen Kulturminister Jack Lang begründet. Die Idee fand dermassen grossen Anklang, dass sie europaweit propagiert und übernommen wurde. In der Schweiz wird der Denkmaltag seit 1991 durchgeführt, jeweils unter anderem Motto. «Austausch – Einfluss» lautet es in diesem Jahr.

«Das passt natürlich ausgezeichnet zu Kleinhüningen mit seinem Hafen und seiner offenen Lage am Nordrand der Stadt», so Schneller. Die diesjährige Basler Ausgabe des «European Heritage Day», wie der Anlass anderswo heisst, ist unter dem Titel «Kleinhüningen – Dorf und Hafen» ganz dem ehemaligen Basler Fischerdorf gewidmet.

Die Wahl des Ortes habe nichts mit der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Hafens zu tun, so Schneller. «Es geht darum, dass wir jedes Jahr ein anderes Basler Quartier thematisieren und den Leuten zeigen wollen, wie sich dieses entwickelt hat, städtebaulich, strukturell, aber auch von einzelnen Bauten her.

Nach dem Münsterhügel, der St. Alban-Vorstadt, der Kleinbasler Altstadt und Riehen zeigen wir jetzt ein Quartier, dass für die Stadt nicht typisch ist. Da gibt es das Industrieareal und den Hafen, das alles in Wechselwirkung mit dem ehemaligen Fischerdorf. Davon gibt es noch bauliche Zeugnisse, so auch die einzige barocke Kirche Basels. Und dann kommt der grosse Wandel mit der Schiffbarmachung des Rheins. Da hat sich ein eigener Stadtteil entwickelt mit einer Architektur, die sonst in der Schweiz nicht vorkommt. Zum Beispiel die Silobauten, wie das Bernoulli-Silo von 1923.»

Quartier der Kontraste

Hafenanlagen, Schiffe, Kräne, Industriebauten, die Reste des Bauern- und Fischerdorfs, neue Wohnanlagen, Industriebrachen und kreativwirtschaftliche Nischen: Dieser Mix sei charakteristisch für das Quartier Kleinhüningen und soll am 12. September mittels eines vielfältigen Programms erlebbar werden. An zahlreichen Führungen soll Kleinhüningen genauer unter die Lupe genommen werden. Der Wandel des Dorfs zum Industriequartier und zur Hafenstadt der Schweiz stehen ebenso im Zentrum wie Rheinschifffahrt und Hafenwirtschaft als solches.

Ergänzend zu den Führungen gibt es zahlreiche Begleitveranstaltungen, so etwa Konzerte mit dem Ensemble Blechwind, dem Seemannschor Störtebekers und der Jazz-Vokalistin Lisette Spinnler. Alle Führungen und Veranstaltungen sind kostenlos. Die Denkmalpfleger rechnen mit mehreren tausend Besuchern: «Der Hafen ist hip – da muss man hingehen, wenn man in der Stadt lebt. Wir wollen die Leute dazu bringen, hinter die Kulissen zu schauen», so Klaus Spechtenhauser, der das für das Programm des Tages verantwortlich ist.