Schock für die EVP in Riehen. David Moor tritt per sofort aus der Partei aus. Im Einwohnerrat politisiert er in Zukunft als Parteiloser an der Seite der GLP, welche er mit seinem Zuzug in der neuen Legislatur ab kommender Woche mit neu drei Sitzen zu Fraktionsstärke verhilft. Von einem Parteieintritt bei der GLP möchte Moor zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts wissen. «Ich bin kein Vereinsmeier, der von Mitgliedschaft zu Mitgliedschaft hüpft. Das gilt auch für Parteien.»

David Moor wurde an den Gesamterneuerungswahlen anfangs Februar eigentlich als Bisheriger nicht in den Einwohnerrat wiedergewählt. Da aber die aus dem Gemeinderat abgewählte Annemarie Pfeifer auf ihren Sitz im Einwohnerrat verzichtet, rückt er nach und nimmt seinen Sitz nun zur grünliberalen Fraktion mit. Moor legt Wert darauf, weder aktiv von der GLP abgeworben noch aktiv auf diese zugegangen zu sein; vielmehr sei der Kontakt über eine Drittperson zustande gekommen. Die EVP verliert damit einen ihrer sechs Sitze. 

 

Am rechten Rand der EVP

David Moor war mehr als 25 Jahre lang bei der EVP und ihrer Vorgängerpartei VEW aktiv. Für den Austritt gibt Moor persönliche und nicht politische Gründe an. «Über die Jahre hinweg fühlte ich mich in der EVP persönlich immer weniger getragen.» Moor spricht von persönlichen Enttäuschungen und sogar davon, er habe sich verraten gefühlt. Ihm seien gegenüber seiner Frau die Argumente ausgegangen, weshalb er noch bei der EVP verbleiben solle.

David Moor versteht sich als Politiker der Mitte, innerhalb der VEW/EVP sei er auch schon als eher rechts bezeichnet worden. Als langjähriger ehemaliger Anlageberater stehe er der Wirtschaft nahe und sei grundsätzlich bürgerlich geprägt, ohne sich jedoch sozialen Anliegen zu verschliessen. Dass die GLP mittiger als die EVP politisiert, komme ihm daher entgegen. «Mitteparteien sind für eine Demokratie enorm wichtig, um den Blick ins rechte und linke Spektrum zu wahren.»

Tiefschlag für die EVP

Die EVP fordert in einer Mitteilung David Moor auf, auf seinen Einwohnerratssitz zu verzichten. Dem kommt aber Moor nicht nach. Konkret äussern zu Moors Austritt will sich die Parteileitung aber nicht. Co-Präsident Jürg Sollberger ist die Enttäuschung aber anzumerken. «Ja, das ist so», antwortet er lediglich auf die Frage, ob der Austritt ein Tiefschlag für die Partei sei. «Wir wollen aber kein Karussell losdrehen und keine Schlammschlacht entfachen», erklärt Sollberger. Deshalb habe sich die Parteileitung darauf geeinigt, öffentlich keine Stellung zu nehmen. Für die Grünliberalen ist der Entscheid von David Moor ein Glücksfall.

Eigentlich wollten sie in die neue Legislatur starten, ohne eine Fraktion bilden zu können und so notgedrungen auf Kommissionssitze verzichten. Parteipräsidentin Katja Christ hofft auf eine «konstruktive Zusammenarbeit» mit David Moor. «Das ist für uns natürlich eine neue Ausgangslage. Wir können jetzt so richtig an der Front mitarbeiten und uns bereits in den Kommissionen einbringen.»