«Das ist schon fast Erpressung», sagt FDP-Grossrat Christophe Haller: Den Busbetrieb übers Bruderholz zu rechnen, um die Auflösung einer Tramhaltestelle durchzubekommen. Denn der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) hatte sich schriftlich bei Erich Lagler, dem Direktor der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), erkundigt, ob ein künftiger Bus aufs Bruderholz wirklich ernsthaft zu prüfen sei.

Der Hintergrund ist klar: Sollte die Vorlage zur Sanierung der Gleise auf dem Bruderholz inklusive der Erstellung von behindertentauglichen Haltestellen und der Abschaffung der Station Airolosrasse nicht durchkommen, ist am Fusse der Wolfschlucht für die Trams bald Ende Gelände. Denn die Schienen auf dem Bruderholz sind dermassen marode, dass die BVB eher früher als später keine Trams mehr auf den Basler Hausberg schicken wollen.

Diese Ansage sei deutlich gewesen, so Grünen-Grossrat Michael Wüthrich, Präsident der Kommission für Umwelt, Verkehr und Energie (UVEK). Seine Einschätzung zu Wessels’ Anfrage: «Klar, grundsätzlich ist es nicht schlecht, alle Optionen zu prüfen.» Auch er sagt allerdings, dass es in niemandes Sinne sein könne, die Trams auf dem Bruderholz abzuschaffen. Der politische Prozess sei tatsächlich mit hoher Geschwindigkeit vorangetrieben worden, um die Sanierung der maroden Gleise so schnell durchzuführen wie möglich.

Ärger wegen Abbau des Service Public

Dieser Sanierungsbedarf wird auch auf dem Bruderholz anerkannt. Nur: Dort stösst man sich explizit an der Aufhebung der Haltestelle Airolostrasse und an der Verschiebung der Haltestelle Bruderholz. FDP-Grossrat und Quartiervertreter Erich Bucher sagt: «Wir wehren uns gegen diesen klaren Abbau des Service Public.» Die Ansage mit dem Bruderholz-Bus sei im politischen Prozess schon mehrfach getätigt worden, so Bucher.

Der Abbau sei ein weiterer Schritt der Auflösung im Quartier: Ebenfalls abgebaut wurde bereits der Polizeiposten sowie eine Poststelle. «Wir wollen nicht die ganze Vorlage versenken», sagt Bucher. Sie solle lediglich wegen des Haltestellen-Regimes überarbeitet werden. Sollte die Vorlage durchkommen, kann allerdings immer noch das Referendum ergriffen werden.

Bis zu drei Jahre Ersatzbetrieb

Mit allen Verfahrensschritten sei es daher gut möglich, dass dem Bruderholz statt nur einigen Monaten bis zu drei Jahre Ersatz-Busbetrieb drohen könnten, so Wüthrichs Einschätzung. Auch LDP-Grossrat André Auderset, ebenfalls Mitglied der UVEK, sieht im Fall eines Referendums eine längere Zeit Busbetrieb aufs Quartier zukommen. Die Kommission hatte der Vorlage immerhin mit neun zu null Stimmen und einer Enthaltung durchgestimmt.

Daher ist auch Auderset zuversichtlich, dass die Sanierung durchkommt. «Und dann muss man auch sehen, dass es nur einen Übergangsbetrieb geben wird», so Auderset. Man könne nicht ernsthaft der Meinung sein, dass die Tramlinien 15 und 16 nicht mehr durchs Quartier fahren: «Der 15er, der die Wolfschlucht durchfährt, hat ja beinahe schon historischen Wert.»