Bernhard Burgener, was hat Ihnen bei diesem 1:7 gegen YB am meisten wehgetan?

Bernhard Burgener: Unter dem Strich sind es drei Punkte, die wir verloren haben. Das war auch letztes Jahr so, als wir gegen YB unterlegen sind. Aber dieses 1:7 ist natürlich eine emotionale Ausnahmesituation. Mein Herz, wie jedes andere rotblaue auch, hat stark geblutet. Dieses Spiel hat in der Öffentlichkeit einen Tsunami  ausgelöst.

Wie geht es jetzt mit dem Verein weiter? Man ist nach nur sieben Runden bereits zwölf Punkte hinter Leader YB, kann aus eigener Kraft nicht mehr Meister werden.

Ich bin ein Mensch, der sich auf die Zukunft konzentriert. Wir müssen als Team vorwärts schauen, einen kühlen Kopf bewahren und mit voller Kraft und Konzentration zurückkommen.

Sie haben vor eineinhalb Jahren ein Konzept präsentiert, mit dem der Erfolg gewahrt werden sollte. Bislang war dem nicht so, viel mehr sammeln sich die Misserfolge an. Ist es Zeit, über die Bücher zu gehen?

Wir sind weiterhin von unserem Konzept überzeugt und halten an unseren Zielen fest.

Muss man aber aktuell nicht vom Konzept abweichen und mehr auf erfahrene Spieler setzen, um auf den Erfolgspfad zurück zu kehren?

Wir haben sehr viele erfahrene Spieler. Aber wir haben aufgrund der vielen Verletzungen im Moment ein Problem in der Defensive. Da weisen wir die grössten Schwierigkeiten auf.. Wir haben einen Goalie, der gut gestartet ist und jetzt verletzt ist. Dann haben wir einen sehr erfahrenen Captain, der mit einer Langzeitverletzung ausfällt. Wir haben mit Carlos Zambrano einen starken Innenverteidiger geholt, der ebenfalls verletzt fehlt. Der dritte Innenverteidiger ist Eder Balanta, der die rote Karte gesehen hat gegen YB. Und Taulant Xhaka, der in diesem Spiel wichtig gewesen wäre, hat mit einer Sperre gefehlt. Das sollen keine  Entschuldigungen sein, aber man muss das einfach auch sachlich beurteilen. Wir können ja nicht immer neue Spieler kaufen. Und das Transferfenster ist zurzeit ohnehin geschlossen.

Aber im Winter ist das Fenster wieder offen, man könnte aufrüsten, die Mannschaft stabilisieren – und entsprechend vom Konzept abweichen.

Wir werden zu gegebener Zeit die Situation anschauen. Ich sehe aber keine dringenden, notwendigen Anpassungen an unserem Konzept. Daran werden wir nach wie vor festhalten. Man muss solche Zeiten auch mal durchstehen. Es hat uns hart getroffen, vor allem in der Defensive. Wofür wir selber verantwortlich sind die regelmässigen Platzverweise. Diese Saison sind es schon derer vier in der Liga. Das sind Fakten für mich. Aber die haben nichts mit dem Konzept zu tun.

Also halten Sie daran fest – sowohl kurz- als auch langfristig.

Das ist doch gar keine Frage. Wir haben einen Plan bis 2020, der besteht immer noch und der bleibt auch bestehen. Ich wusste, was ich mit dem FCB erwerbe. Mir ist auch bewusst gewesen, welch grossen Erfolg dieser Verein hatte.. Klar hätte ich gestern auch lieber 1:2 oder 1:3 verloren als gleich mit 1:7. Deswegen verfallen wir jetzt aber weder in Aktionismus noch in Panik. Wenn ein Schiff auf hoher See in einen Sturm gerät, hilft es nichts, wenn man jammert. Man muss dagegen halten.

Steht Marco Streller in seiner Funktion als Sportchef für Sie zur Debatte?

Der Einzige, der ihn zur Debatte stellen könnte, wäre ich.. Aber er steht nicht zur Diskussion. Ich vertraue meinen Mitarbeitern und Führungskräften. Und sowieso: Solche Dinge werde ich nicht öffentlich diskutieren. Ich kann nur sagen, dass wir an unseren Zielen festhalten, dass wir Marcel Koller voll vertrauen und dass es wichtig ist, dass wir jetzt hart an uns arbeiten.

Werden Sie ihm jemanden mit mehr Erfahrung zur Seite stellen, um ihn zu unterstützen?

Wie gesagt: Solche Dinge diskutiere ich nicht öffentlich. Ich schütze meine Mitarbeiter, nicht nur Marco Streller, sondern per se.

Sie sagen, dass Sie an den Zielen fest halten. Auch an jenem, in dieser Saison Meister werden zu wollen?

Wir haben die Meisterschaft letzte Saison auch nicht in den Spielen gegen YB verloren. Wir hatten sogar das besser Torverhältnis in den Direktduellen mit Ihnen. Natürlich gibt die Art und Weise der 1:7-Niederlage zu reden, aber wenn man es nüchtern betrachtet, ist es eine Niederlage und wir haben drei Punkte verloren. Wir werden heute nicht unsere Saisonziele revidieren, wenn noch 29 Runden zu spielen sind.

Eine Niederlage historischen Ausmasses.

Historisch? Dieses Wort können Sie benutzen, ich tue das nicht. Ich kann mich erinnern, dass ich vor sechs Jahren in München sass und jede Minute gebetet habe, dass nicht noch mehr Tore gegen den FCB fallen.

Sie sprechen vom 0:7 im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen Bayern München. Mit allem Respekt gegenüber YB, die Bayern sind doch ein anderes Kaliber, gegen das man eher so hoch verlieren darf wie gegen YB.

Wir müssen die Young Boys nicht schlecht reden. Wir sind nach Standardsituationen eingebrochen und haben irgendwann nicht mehr verteidigt sondern sind nur noch nach vorne gerannt, um noch ein Tor zu erzielen. Das ist unschön und sitzt tief. Aber wir müssen nach vorne schauen. Ich habe schon genügend erlebt in Basel. Wir sind  beispielsweise auch schon mit einem 1:8 gegen Sion in eine Saison gestartet. Es geht jetzt einfach darum, die Festung Joggeli wieder aufzubauen, weil wir es den Gegnern zu einfach gemacht haben, in Basel zu gewinnen. Damit müssen wir am Mittwoch gegen Luzern anfangen. Es ist ein schwerer Weg, aber wir haben grosses Vertrauen in unser Team und unsere Fähigkeiten.

Machen Sie sich im Rückblick einen Vorwurf für etwas, was in den letzten eineinhalb Jahren passiert ist? Beispielsweise für den zu späten Zeitpunkt des Trainerwechsels?

Einen Vorwurf mache ich mir nicht, nein. Wir haben ja gehandelt, und Marcel Koller hat zunächst mehrere Siege aneinandergereiht, was wichtig war.. Was bringt es mir, Gedanken darüber zu machen, was heute wäre, wenn wir anders entschieden hätten? Wir haben zu einem gewissen Zeitpunkt einen Entscheid gefällt und dazu stehen wir.

Werden Sie sich in Zukunft mehr einbringen, präsenter sein und mehr Gespräche führen?

Es gibt grosse Führungskräfte, die geben fünf Interviews im Jahr, und dann gibt es solche, die lassen sich regelmässig durchs Dorf treiben. Dass ich heute so vielen Medien Auskunft gebe, gründet darin, dass der Moment nach dieser Niederlage ausserordentlich ist.

Die Frage zielt auf Ihr Auftreten im Verein selber ab. Werden Sie sich dort mehr einbringen in diesen schweren Zeiten?

Ich bin in all meinen Unternehmen gleich stark präsent. Und ich sehe keinen Grund dafür, dass ich etwas verändern muss.