In den letzten anderthalb Jahren haben in Basel vier sogenannte Escape-Rooms eröffnet, mindestens zwei weitere werden diesen Frühling folgen. Das Phänomen (siehe Box) kommt ursprünglich aus Asien, den Weg nach Basel hat es jedoch via Serbien gefunden. Dort hat Felix Erzinger mehr aus Zufall einen Escape-Room besucht und spontan beschlossen, in Basel selbst ein solches Angebot zu eröffnen. So entstand im Juni 2014 in der ehemaligen Brauerei Warteck «Die Bibliothek», Basels erstes – und wie der bz-Test zeigt auch schwierigstes – Escape-Spiel. Im letzten Sommer eröffnete Erzinger einen zweiten Raum und zwei zusätzliche Anbieter drängten auf den Markt.

«Dass andere dazu kommen, damit haben wir natürlich gerechnet. Wir sind vor allem froh, dass es allesamt gute Räume sind – das ist beste Werbung auch für unsere Räume, denn wer am ersten Spiel Freude hatte, der besucht häufig auch die anderen Angebote.»
Insgesamt haben bereits über 10 000 Menschen eines der vier Basler Fluchtspiele gespielt, wie eine Umfrage bei den Anbietern zeigt.

Schätzungen zufolge sind es vorwiegend Baslerinnen und Basler, die gemeinsam mit Arbeitskollegen oder anlässlich eines Geburtstags einen Escape-Room buchen. Aber auch bei Touristen sind die Fluchtspiele hoch im Kurs, so hoch, dass sich auch Basel Tourismus dafür interessiert. Mit zwei der drei Anbieter bestehe eine Kooperation, sagt Philipp Schmid von Basel Tourismus. «Gäste können direkt an den Informationsstellen ihre Tickets oder Gutscheine für diese Fluchtspiele erwerben.» Die Angebote seien insbesondere bei Firmen-Events und Gruppenausflügen sehr beliebt und auch das Interesse bei Individualtouristen sei steigend.

Top-10-Attraktionen in Basel

Diese Einschätzung bestätigt ein Blick auf das Tourismus-Bewertungsportal tripadvisor.com. Dort sind die drei Angebote in den Top-10 der Basler Attraktionen platziert, noch vor den meisten Museen. «Einfach genial, voll der Hammer, super Spiel und echt spannend» kommentieren die tripadvisor-Nutzer euphorisch. Und auch die bz-Redaktoren, selbst allesamt Neulinge auf dem Gebiet, verliessen die Escape-Räume mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Flucht aus Bâlecatraz

Die Bewertung für Breakout Basel (maximale Bewertung: 5): Schwierigkeit: 3 Spielspass: 5 Einrichtung: 4 Kreativität: 4 Preis: 3

Im Knasti-Kostüm vom elektrischen Stuhl in die Freiheit

Die Bewertung für Breakout Basel (maximale Bewertung: 5): Schwierigkeit: 3 Spielspass: 5 Einrichtung: 4 Kreativität: 4 Preis: 3  

Das Escape-Erlebnis von «Flucht aus Bâlecatraz» spielt in einem Gefängnis – mit Gitterstäben, elektrischem Stuhl und allerlei Gegenständen, die den Insassen zum Ausbruch verhelfen könnten. Wenn man sie dann richtig einzusetzen wüsste. Das Spiel wird in vier Schwierigkeitsstufen angeboten, die drei bz-Tester konnten sich auf Stufe Normal in 47 Minuten und 21 Sekunden befreien.

Flucht aus Bâlecatraz ist eine äusserst gelungene Kombination aus Knobelei, Geschick und Kreativität. Die Freude ist gross, wenn sich die zu Beginn in unterschiedlichen Zellen eingesperrten oder sogar auf einem elektrischen Stuhl angeketteten Häftlinge erstmals in demselben Raum treffen und die endgültige Flucht in Angriff nehmen können. Das Zusammenspiel innerhalb der Gruppe ist entscheidend, die verwinkelten Gefängnisräume machen es nötig, dass viel miteinander gesprochen wird.

Es wird schnell klar, dass jede Entdeckung irgendwann wichtig sein kann, wenn nicht sofort, dann vielleicht im nächsten Raum.

Idee beim Pokerspiel
Inhaber und Erfinder von «Flucht aus Bâlecatraz» ist Alex Bammerlin. In einer Pokerrunde mit Freunden am er auf die Idee, ein eigenes Fluchtspiel zu konzipieren. «Der Pokerabend fand zu Hause in unserer Wohnung statt und ich entwickelte Rätsel, damit meine Freunde überhaupt an die Karten und Pokerchips herankamen. Das hat unglaublich viel Spass gemacht und hat mich gepackt», sagt der 40-Jährige.

 Das war Ende 2014. Ein Jahr später haben bereits über 1000 Spielerinnen und Spieler «Flucht aus Bâlecatraz» gespielt. Und Bammerlin, der mittlerweile vom Betrieb des Fluchtspiels lebt, plant bereits ein zusätzliches Abenteuer. «Der Ausbau unserer Räumlichkeiten ist bereits angelaufen und auch in der Planung neuer Spielideen und -konzepte sind wir schon sehr weit fortgeschritten.»  Mehr möchte er aber derzeit noch nicht verraten.

Bevor Bammerlin sein Gefängnis eröffnete, hat er sich die Konkurrenz im In- und Ausland genau angeschaut. «Ich habe verschiedene Escape-Anbieter in der Schweiz, aber auch in Deutschland, England und den USA besucht.» Auch mit den Konkurrenten in Basel tauscht er sich regelmässig aus – und plant offenbar eine Zusammenarbeit. «Mit gewissen Anbietern pflegen wir eine vertiefte Partnerschaft und arbeiten an Spielen für grössere Gruppen.»

One Hour Escape

Die Bewertung für One Hour Escape (maximale Bewertung: 5) Schwierigkeit: 3 Spielspass: 4 Einrichtung: 5 Kreativität: 5 Preis: 3

In fremden Sachen wühlen ist ausdrücklich erlaubt

Die Bewertung für One Hour Escape (maximale Bewertung: 5) Schwierigkeit: 3 Spielspass: 4 Einrichtung: 5 Kreativität: 5 Preis: 3

Das Escape-Spiel «One Hour Escape» findet in der Wohnung eines sagenumwobenen Meisterdiebs statt. Die liebevoll eingerichteten Räume sind voll von kuriosen Objekten, deren Geheimnisse es zu entdecken gilt. Das Team der bz konnte alle Rätsel innerhalb der vorgegebenen Stunde lösen und das wertvolle Diebesgut sicherstellen. Bei besonders kniffligen Aufgaben haben die Spielleiter per Bildschirm einen Tipp gegeben – gerade richtig, nicht zu viel und nicht zu wenig.

Der Fokus bei «One Hour Escape» liegt auf überraschenden Anwendungen von Alltagsgegenständen. Viel Kreativität ist gefragt, wenn eine Geheimtür wie durch Zauberhand mit einem dafür eigentlich überhaupt nicht geeigneten Objekt geöffnet werden kann. Oder wenn eine unscheinbare Folie plötzlich und völlig überraschend den nächsten Tipp freigibt.

Verplante Wochenenden
Das Fluchtspiel erfunden und konzipiert haben Yana und Koni. Eine Freundin aus Russland hat ihnen von einem Live Escape Room erzählt und damit das Interesse geweckt. Daraufhin machten sie sich auf die Suche nach Angeboten in der Schweiz. «Als wir den ersten Escape-Room selbst gespielt hatten, waren wir begeistert und sofort kamen Ideen, wie man es noch cooler machen könnte», erzählt Koni.

Von da an waren ihre Abende und Wochenenden verplant: Sie tüftelten an einem spannenden Szenario, entwickelten Rätsel und machten sich auf die Suche nach einem geeigneten Raum. Diesen fanden die beiden Solothurner in Basel, im zentral gelegenen Theatergässlein.

 Im Juni 2015 eröffneten sie den Raum und waren von der Nachfrage überwältigt. «Wie viele Leute bereits bei uns gespielt haben, können wir nicht genau sagen, aber es waren viele, sehr viele», sagt Koni. Deshalb ist die Planung für weitere Räume in Basel bereits weit fortgeschritten. «Der Erste davon wird bereits im Frühling dieses Jahres eröffnet.»

Aktuell können die beiden noch nicht von «One Hour Escape» leben. «Unser Lohn besteht primär aus der Freude, welche die Spieler haben und an den Komplimenten für das Spiel», sagt Koni. Zudem mache es grossen Spass, neue Ideen zu entwickeln und weitere Spiele zu planen, fügt Yana an.

Die beiden sind aber überzeugt, dass die noch neue Art von Unterhaltung in Basel viel Potenzial hat. Dazu gehöre auch die «Vision», dereinst ein ganzes Haus zu mieten oder sogar mehrere Häuser und darin aufwendigere Rollenspiele mit Schauspielern zu organisieren, die beispielsweise einen ganzen Tag dauern.

Room Escape

Die Bewertung für Room Escape (maximale Bewertung: 5) Schwierigkeit: 5 Spielspass: 3 Einrichtung: 2 Kreativität: 3 Preis: 3

Rätsel-Profis aufgepasst: Das kniffligste Fluchtspiel der Stadt verlangt euch alles ab

Die Bewertung für Room Escape (maximale Bewertung: 5) Schwierigkeit: 5 Spielspass: 3 Einrichtung: 2 Kreativität: 3 Preis: 3

Das älteste Fluchtspiel der Stadt in der ehemaligen Brauerei Warteck ist zugleich das Kniffligste. Eine echte Herausforderung vor allem an die grauen Zellen, das Sudoku unter den Basler Escape-Spielen gewissermassen. Das Szenario spielt in der Bibliothek eines Professors, der sich offenbar besonders für Chemie und Geografie interessiert. Eines Tages ist er verschwunden und niemand weiss, wohin.

Die 1-stündige Frist hat dem vierköpfigen bz-Team nicht gereicht, um die Lösung zu finden – sieben Zusatzminuten waren nötig, bis sich die letzte Tür öffnete und das Geheimnis gelüftet war, wie der Professor verschwunden ist.

Die Herausforderung bei Room Escape liegt vor allem in den schwierigen Rätseln, die viel Denkleistung erfordern. Räumliches Vorstellungsvermögen sind genauso nötig wie geschicktes Kombinieren. Bereits die erste Aufgabe – mit einer einzigen Taschenlampe den Lichtschalter in einem fast dunklen Raum zu finden – ist eine Herausforderung. Mysteriöse Klopfzeichen durch einen Telefonhörer richtig zu deuten und auf faszinierende Art und Weise den nächsten Hinweis zu erhalten, macht ebenso grossen Spass.

Das Szenario «Die Bibliothek», das die bz getestet hat, ist eines von zwei Fluchtspielen auf dem Areal der Brauerei Warteck. Das zweite, «Die Kunstgalerie», wurde im August 2015 eröffnet. Rund 10 000 Menschen haben bereits eines der beiden Angebote gespielt, sagt Mitinhaber Felix Erzinger.

«Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Lukas Haas haben wir beide Szenarien selbst entwickelt und den lokalen Gegebenheiten angepasst. So ist es nicht erstaunlich, dass Chemie und Kunst eine gewisse Rolle spielen in Basel.»

Idee aus Serbien
Vom Escape-Virus infiziert wurde Erzinger in Serbien, nach einer Davis-Cup-Partie der Schweizer, zu der er als Zuschauer anreiste. «Zurück in Basel habe ich mir gedacht: ‹Wenn nicht jetzt, wann dann?› und gleich losgelegt.» Im Juni 2014 wurde der erste, ein gutes Jahr später bereits der zweite Raum eröffnet. Doch leben können die beiden Inhaber nicht von ihrem Business – noch. «Wir beschäftigen aber zwei Festangestellte im Back-office sowie mehrere Spielleiter», sagt Erzinger. Und ein weiterer Ausbau sei durchaus denkbar.