Seit diesem Sommer weiss jeder in der Stadt, was Tropennächte sind und vor allem, wie sie sich anfühlen – diese Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt und man mehr schwitzt als schläft.

Gefühlt gab es in diesem Sommer unzählige dieser Tropennächte, gemessen waren es je nach Quartier bis zu elf. Diese Angaben stammen von Christian Feigenwinter und Andreas Wicki vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel. Da die offizielle Messstation von Meteo Schweiz oberhalb des Margarethenparks in Binningen liegt und somit für urbane Messungen nicht geeignet ist, haben sie überall in der Stadt eigene Messungen vorgenommen.

Städtische Wärmeinsel

«Die nächtlichen Temperaturen sind zwischen Stadt und Land sehr unterschiedlich. In der Stadt ist es nachts häufig einige Grad wärmer als auf dem Land. Die Differenz kann 5 bis 8 Grad betragen. In Städten werden daher rund dreimal mehr Tropennächte als auf dem Land gezählt», sagt Feigenwinter.

Dieses Phänomen wird in der Fachsprache «städtische Wärmeinsel» genannt. Gerade zwischen zehn Uhr und Mitternacht, wenn viele Menschen zu Bett gehen, ist dieser Effekt am stärksten. Danach kühlt es auch in der Stadt etwas ab.

Der Grund dafür liegt in der baulichen Struktur einer Stadt. Die vielen Dächer, Hauswände und Strassen bieten grosse versiegelte Flächen, welche die Hitze tagsüber speichern und im allgemeinen nur sehr langsam abkühlen. Grünflächen wirken diesem Phänomen entgegen. Sie bieten die Möglichkeit zu Verdunstung und helfen somit, die Lufttemperatur abzukühlen.

In der Stadt ist der Anteil an Grünflächen allerdings sehr begrenzt, deshalb kühlt es in Stadtzentren viel langsamer ab als auf dem Land.

Viel Hitze im Kleinbasel

Je nach Baustruktur erhitzen sich die verschiedenen Orte in Basel unterschiedlich: «Der Marktplatz beispielsweise ist von allen vier Seiten her bebaut. Hier staut sich die Wärme daher besonders gut», sagt Feigenwinter.

Auf anderen Plätzen und Strassen kann es hingegen in der Stadt sogar teilweise kühler werden als auf dem Land: «Auch das hat damit zu tun, dass die Stadtoberfläche wärmer ist als im Umland. Dadurch kann eine starke Luftzirkulation entstehen, welche kühlere Luft vom Land in die Stadt trägt», erklärt Wicki.

Kühles Gellert

Im Gundeli ist das besonders gut zu spüren, hier zieht am frühen Abend die kühle Luft vom Bruderholz durch die parallel laufenden Strassen. Der Bahnhof, der an das Quartier grenzt, ist hingegen ein enormer Wärmespeicher. «Bahnanlagen und Industrieanlagen gehören zu den wärmsten Orten der Stadt. Das betrifft jeweils auch die umliegenden Wohngebiete», sagt Feigenwinter.

Für kühle Luft sorgt in Basel zu einem grossen Teil der Rhein. Er bietet eine der grössten Verdunstungsflächen. Wer abends nach dem Rheinspaziergang wieder den Häuserzeilen entlang geht, kann den Temperaturunterschied gut spüren. Andere grosse Verdunstungsflächen sind der Zolli und die Langen Erlen. Aber auch die städtischen Parks und Gärten tragen einen Teil zur Abkühlung bei.

«Während unserer Arbeit ist uns aufgefallen, dass die meisten Parks im Grossbasel liegen. Daher kühlen die Quartiere hier in der Nacht eher ab als im Kleinbasel», sagt Wicki. Besonders gut lässt sich das im Gellert beobachten. Die vielen kleinen Grünflächen sorgen hier für eine vergleichsweise geringe Zahl an Tropennächten.

Viel zu tun für Basel

Am höchsten ist die Anzahl hingegen im Rosental-Quartier im Umfeld des Messegeländes. Dort haben die Forscher in der aktuellen Hitzeperiode elf Tropennächte gezählt. Aus den Untersuchungen wird schnell ersichtlich: Um dem Phänomen der Wärmeinsel entgegenzuwirken sind mehr Grünflächen unabdingbar.

Laut Feigenwinter ist in Basel in dieser Hinsicht noch viel zu tun: «Die kühlende Wirkung der Verdunstung wurde bisher viel zu wenig berücksichtigt. Bei städtebaulichen Fragen stehen meist die ökonomischen Aspekte stärker im Fokus, als Klimaschutz.»

Um diese Aspekte mehr in den Vordergrund zu rücken, liefert das Departement Umweltwissenschaften immer wieder Ergebnisse und Daten aus der Forschung an das Amt für Umwelt und Energie (AUE) und das Lufthygieneamt. «Unter der Federführung des Lufthygieneamts beider Basel wird derzeit eine Klimaanalysekarte entwickelt. Daraus werden wir Massnahmen für den Städtebau und den Gebäude- und Energiebereich ableiten und diese umsetzen», sagt Matthias Nabholz, Amtsleiter des AUE.