Ende Juli stellten die BVB zwei Mitarbeiter des Kaders frei. Sie waren in Ungnade der Direktion mit dem Verdacht gefallen, die Instandhaltung der Trams vernachlässigt zu haben. Insbesondere seien ohne Rücksprache mit der Unternehmensleitung die Wartungsintervalle für das Radwerk nicht eingehalten worden. Dies habe zu Gleisschäden geführt.

Sechs Monate später endet der Spuk so unvermittelt, wie er eingesetzt hat: Die Freistellung der Mitarbeiter wurde in den vergangenen Tagen aufgehoben, wie die BVB auf Anfrage erklären. Details würden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht genannt.

Die arbeitsrechtlich scharfe Massnahme der Freistellung ist gemäss Leitentscheid der kantonalen Personalrekurskommission nur in ausserordentlichen Fällen zu treffen. Sie müsse vorübergehend und verhältnismässig sein, und es müssten objektive Anhaltspunkte bestehen, dass eine Gefährdung der ordentlichen Aufgabenerfüllung vorliege. Die BVB wollen die Freistellungen aber weder als Beschuldigung, noch ihre Aufhebung als Freispruch verstanden wissen. Sprecher Benjamin Schmid sagt: «Sie bilden keinerlei Indiz für die mögliche Verantwortlichkeit der beiden Führungspersonen.» 

Faktische Vorverurteilung

Eine Vorverurteilung hatten die BVB jedoch selber vorgenommen. Tage nach der Freistellung trat Direktor Erich Lagler vor die Medien und kommunizierte in alarmistischem Ton sowohl die angeblich überraschend festgestellten, ausserordentlichen Gleisschäden als auch deren Ursache, die im vernachlässigten Unterhalt liege. Die «Basler Zeitung» titelte nach den Freistellungen: «Jetzt rollen Köpfe.»

Zwar haben Recherchen dieser Zeitung aufgezeigt, dass die BVB seit Jahren im Dunkeln tappen, weshalb das Gleisnetz in einem so schlechten Zustand ist. Die technischen Untersuchungen zum komplexen Zusammenspiel von Tramwagen und Schienen waren nach der Information der Öffentlichkeit dennoch rasch abgehandelt. Gemäss BVB verfasste ein Expertenteam innerhalb des Monats August einen Bericht, der bestätige, was die BVB schon zuvor als Ursachen der Gleisschäden erkannt hatten. Auch seien innerhalb von sechs Wochen diese Ursachen beseitigt gewesen.

Die eigentliche Aufarbeitung des Falles übertrugen die BVB der Nodon Consulting, einer auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Basler Detektei. Diese sollte akribisch durchleuchten, ob die Reglemente eingehalten wurden, und dabei auch Informationen von «Whistleblowern» aufnehmen. Einzig erkennbarer Zweck: Belastendes Material über die «Schuldigen» zu finden, die – wie die BVB kommunizierten – «präventiv zum Schutz der Betroffenen sowie des Unternehmens» freigestellt worden waren.

Verspäteter Nodon-Bericht

Das Beratungsbüro hätte nach Vorgabe des Verwaltungsrats seinen Bericht per Ende Jahr vorlegen sollen. Doch daraus wird nichts; aus «terminlichen Gründen», wie die BVB-Medienstelle erklärt. Dabei sollte der Bericht die Grundlage liefern, wie mit den Mitarbeitern arbeitsrechtlich weiter vorgegangen wird. Als Erklärung heisst es, die externe Untersuchung sei soweit fortgeschritten, dass auf diese Massnahme verzichtet werden könne.

Dass ausgerechnet Nodon den Zuschlag erhalten hatte, entbehrt nicht der Ironie. Schliesslich war das gleiche Büro vor zwei Jahren für einen fünfstelligen Betrag von der damaligen BVB-Spitze beauftragt worden, jene undichte Stelle zu finden, die den Medien die neuesten BVB-Querelen im Zusammenhang mit der Verlängerung der Tramlinie 3 zutrug. Als auch dieser hoch vertrauliche Auftrag den Weg an die Öffentlichkeit fand, erstatteten die BVB Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Amtsgeheimnisverletzung. Diese Anzeige blieb jedoch so unergiebig, wie es die Recherchen der Nodon Consulting waren. Peter Gill, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, erklärt: «Die Ermittlungen wurden eingestellt, weil die Täterschaft nicht ermittelt werden konnte.»