Ist das die Aufgabe von Regierungsräten? Einen ganzen Tag dafür aufzuwenden, um der Rhätischen Bahn (RhB) bei einem PR-Stunt zu helfen? Sollten sich die beiden Volkswirtschaftsdirektoren Christoph Brutschin (Basel-Stadt) und Thomas Weber (Baselland) nicht viel lieber um ihre Volkswirtschaften kümmern, anstatt um jene der Bündner?

Man kann das in der Tat so sehen. Oder auch ein bisschen anders. Zum Beispiel so, dass es sicher nicht schadet, die Einladung ihres Bündner Pendants Jon Domenic Parolini anzunehmen.

Erstens, weil zumindest Basel-Stadt ganz sicher nichts dagegen hat, wenn der Tourismuskanton Graubünden etwas weniger stark am Tropf des Nationalen Finanzausgleichs hängt. Und zweitens ist Beziehungspflege immer gut. Man weiss nie, wann man etwas Hilfe und Verständnis benötigen könnte. Oder wie es Brutschin in seiner Ansprache sagte: «Wir gehören zusammen. Gerade in Zeiten, in denen das Verhältnis zum Ausland anspruchsvoll ist, sollten die 26 Kantone den Austausch pflegen.»

Vorerst geht es aber um zwei Kantone, mit denen die «kleine Rote» eine neue Tradition lancieren will. Den ganzen Monat September können Basler und Baselbieter in Graubünden von einer Vielzahl von Vergünstigungen profitieren (siehe Kasten). Im nächsten Jahr wird die Aktion, die heute Montag unter dem Landwasserviadukt, dem Wahrzeichen der RhB, lanciert wurde, mit einem anderen Gastkanton fortgesetzt. Sofern das Angebot genutzt wird.

Denn so richtig angekommen ist die Botschaft noch nicht. Wer nicht auf Youtube Zeuge wurde, wie wenig Ahnung (ausgewählte) Basler von Steinböcken und Bündnerfleisch haben, dürfte den eigentlichen Zweck Filmleins nicht mitbekommen haben.

Die Chemie stimmt

Aber dafür sind ja zwei Regierungsräte und zudem Grossratspräsident Remo Gallacchi und Statthalter Heiner Vischer sowie Landratspräsident Hannes Schweizer und sein Vize Peter Riebli angereist. Ab Chur im Nostalgiezug.

Doch weshalb zuerst die beiden Basel? Martin Vincenz, der CEO von Graubünden Ferien, nannte drei Gründe: den Rhein, der in Graubünden entspringt und in Basel die Schweiz verlässt, die beiden schönsten Schweizer Dialekte und die Chemie, die zwischen Baslern und Bündner einfach stimme.

RhB-Direktor Renato Fasciati ging noch einen Schritt weiter: «Ohne die Basler würde es die RhB nicht geben.» Seien es doch Financiers aus ebenda gewesen, die 1889/90 den Bau der ersten Strecke Landquart-Davos ermöglicht hätten. Der Bündner Volkswirtschaftsdirektor Parolini brachte die Sache auf den Punkt: Der Anteil Gäste aus den beiden Basel könnte grösser sein.

Die zwei mitgereisten Primarschulklassen aus Basel und Liestal liessen diese Erörterungen einigermassen kalt. Sie durften mithelfen, zwei riesige Fahnen auszurollen. Der Baslerstab und der Rotstab schmücken die kommenden vier Wochen das Landwasserviadukt. Zumindest als Fotosujet sind die beiden Basel in Graubünden also präsent.