Die Aufregung war gross, als am 1. November 2017 via Medien publik wurde, dass die SBB ein Rauchverbot am Bahnhof Basel testen wollte: Ab 10. Dezember, dem Fahrplanwechsel, habe es sich ausgequalmt in der Schalterhalle, auf der Passerelle und auf den Perrons. Namentlich die «NZZ» berief sich auf ein internes SBB-Papier, wonach drei verschiedene Nichtraucherregelungen ab Dezember getestet werden sollten, unter anderem ein komplett rauchfreier Bahnhof in Basel. Die Raucher reagierten stinksauer, die Nikotingegner klatschten vor Freude in die Hände, stören sie sich doch schon lange an den Nikotinschwaden auf Rolltreppe und Perrons.

Ein Augenschein am Bahnhof, zwei Wochen, nachdem das Rauchverbot in Basel hätte eingeführt werden sollen: Ein Verbotsschild samt Aschenbecher neben dem Eingang in der Haupthalle weist darauf hin, dass «ab hier» rauchfreie Zone sei. Ein Rentner mit Rollator und Zigarette im rechten Mundwinkel steht mit fragendem Blick davor und wendet sich wenig später achselzuckend und weiterpaffend ab.

Nicht mal 60 Sekunden in der Halle, sind inklusive Rentner bereits fünf Personen mit Zigarette zwischen den Fingern und im Mund zu sehen. Auf der Rolltreppe weitere drei, und die Passerelle bietet dasselbe Bild. Courant normal. Ausgequalmt sieht anders aus; die Raucher haben freie Bahn.

Vor dem Café Il Baretto stehen auf Bartischen schön aufgereiht die Aschenbecher, einzelne Reisende nehmen Zug um Zug ihrer Zigarette, bevor die Reise losgeht. Die Barista hinter der Theke antwortet auf unsere Frage, ob nicht ein Rauchverbot gelte im Bahnhof: «Nein, erst ab Januar. Die haben das verschoben. Warum, haben sie uns nicht gesagt.»

Keiner hat’s mitgekriegt

Krebsen die SBB nun zurück, was das Rauchverbot im Bahnhof Basel angeht? Mitnichten, sagt Sprecher Oli Dischoe auf Anfrage der bz. Er verweist auf den SBB Medienblog. Das Bahnunternehmen sei Anfang November gezwungen gewesen, schriftlich zu reagieren – als Reaktion auf die Berichte vom 1. November 2017 wurde der Online-Post mit dem Inhalt verfasst, dass es nicht korrekt sei, dass mehrere Bahnhöfe ab Dezember 2017 rauchfrei würden. Vielmehr prüfe die SBB, wie die «Aufenthaltsqualität» an den Bahnhöfen erhöht werden könne, und dazu gehöre auch die Frage des Rauchens.

In diesem Rahmen sei ein Praxistest mit neuen Raucherregeln und auch Verboten angedacht worden. «Die SBB planen, ab dem ersten Quartal des Jahres 2018 diesen Test an mehreren Schweizer Bahnhöfen durchzuführen. Entscheide über die genaue Umsetzung des Versuchs wurden noch nicht gefällt.»

Soweit, so klar. Nur: Mitbekommen hat das praktisch niemand. Zumindest die Basler Medien und damit auch die Öffentlichkeit nicht. Die bz hat einzelne Raucher am Bahnhof auf das vermeintliche Verbot angesprochen: «Ich habe wirklich gedacht, ab Fahrplanwechsel ist fertig lustig. Aber jedes Mal, wenn ich aus dem Zug gestiegen bin, habe ich andere Raucher gesehen mit Zigarette. Da sagte ich mir: Machst Du’s halt auch», meint einer. Dasselbe bei einem anderen, «aber mit einem unguten Gefühl. Die Schilder sind missverständlich». Auf das Verbotsschild in der Haupthalle angesprochen, gibt Dischoe zu, dass die Beschilderung zuweilen «irritierend» sei. In der Haupthalle sowie auf der Passerelle dürfe man immer noch rauchen. «Für jeden Grossbahnhof, so auch für Basel, gelten heute lokale Regelungen je nach Standort und Durchlüftung der jeweiligen Zonen. Hier ist oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, wo geraucht werden darf und wo nicht.

Zeitpunkt noch nicht definiert

Wann im ersten Quartal 2018 das Rauchverbot im Bahnhof Basel kommt und ob es tatsächlich kommt, ist noch offen. Auf die Aussage der Barista des «Il Baretto» angesprochen, dass die SBB den Termin auf Januar verschoben habe, sagt Dischoe: «Das wurde noch nicht definiert.»

Und solange gilt für die Raucher: Immer schön aktiv weiterqualmen.