Für den Basler Wirtschaftsdirektor und Regierungsrat Christoph Brutschin (SP) ist klar: «Es geht hier um eine Güterabwägung zwischen Natur- und Klimaschutz.» Er räumt ein, dass sich auf dem Gelände der geplanten Güterverkehrsdrehscheibe Gateway Basel Nord wertvolle Trockenwiesen befinden. Aber: «Wenn man nicht mehr Lastwagen will, die durch die Schweiz fahren, muss man für den Klimaschutz einen Teil der Trockenwiesen opfern.»

Die Naturschützer von Pro Natura Basel sehen das anders und wehren sich mit Händen und Füssen gegen das Vorhaben. Der WWF der Region Basel äussert sich ähnlich, zeigt sich aber weniger radikal. Geschäftsführer Jost Müller Vernier sagt: «Ob wir das Referendum gegen das Hafenbecken 3 ergreifen, haben wir noch nicht entschieden.» Für Pro Natura jedoch ist das klar. Die nötigen 2000 Unterschriften zusammen zu bekommen, sind für den Verband, der 3500 Mitglieder zählt, kein Problem.

Auf dem Bahnareal Basel Nord, das sich vom Klybeckquartier bis zur Landesgrenze erstreckt, liegen ausgedehnte trockene Schotterflächen. Dort können wärmeliebende Tierarten wie die seltene Schlingnatter und weit über 500 Pflanzenarten überleben. Dutzende dieser Arten figurieren in den Roten Listen der gefährdeten Arten und viele würden laut Pro Natura bei einer weiteren Verkleinerung ihres Lebensraumes verschwinden.

Die Gateway Basel Nord AG wurde 2015 von den drei Logistikfirmen Contargo, Hupac und SBB Cargo gegründet. Das Projekt auf dem ehemaligen Rangierbahnhof Basel Badischer Bahnhof besteht aus zwei Teilen: einem neuen Terminal, wo Container von Camions auf die Bahn umgeladen werden, und einem neuen Becken, wo die Container vom Schiff auf die Bahn kommen.

Bald ist das Dossier im Grossen Rat

Der Terminal soll Ende 2020 fertig sein und kostet 130 Millionen Franken. Der Bund unterstützt das Vorhaben mit 83 Millionen Franken. Bis 2023 soll für 155 Millionen Franken das Hafenbecken 3 entstehen. Der Bund dürfte sich mit 40 Millionen Franken beteiligen. Für das Hafenbecken 3 und die Weiterentwicklung der Hafenbahn in Kleinhüningen liegt seit Dezember 2018 ein Ratschlag der Basler Regierung vor. Bis spätestens Januar 2020 dürfte die Wirtschafts- und Abgaben-Kommission dem Grossen Rat ihren Bericht vorlegen. Die Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) kann sich in einem Mitbericht zu Teilaspekten äussern.

Für Basel ist das Zustandekommen von Gateway Nord insofern relevant, als davon die städtebauliche Entwicklung auf der Klybeckinsel und dem Güterbahnhof Wolf abhängt. Das Entwicklungsprojekt auf dem Wolf kann nur umgesetzt werden, wenn die SBB Cargo mit ihren Logistikaktivitäten zum Gateway zügelt.

Die bestmögliche Alternative

Ein Befürworter von Basel Gateway Nord ist André Auderset, Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft sowie LDP-Grossrat: «Ab 2029 laufen die Baurechte für den Westquai aus. Das vorliegende Projekt ist die bestmögliche Alternative.» Auderset räumt ein, dass für das geschützte Gelände Ausgleichsflächen gefunden werden müssen. «Ein Eins-zu-Eins-Ersatz in Basel wird allerdings nicht möglich sein.» Aber man könne deshalb nicht auf alle Zeit das Gelände beim ehemaligen Rangierbahnhof Basel Badischer Bahnhof sperren. Er regt an, bei der Suche die Kantonsgrenzen, wenn nicht sogar die Staatsgrenzen zu überschreiten.

Die Schweizerischen Rheinhäfen haben sich frühzeitig um die Verständigung mit den Naturschützern bemüht. Hafendirektor Hans-Peter Hadorn erinnert sich: «2003 hat der Bund das Gelände neben der Autobahn für die provisorisch erweitere Zollanlage Peza gekauft.» Dort wurden Camions bei Staus für die Zollabfertigung parkiert. «Schon damals waren wir mit den Naturschützern im Gespräch. Dass hier eine Güterverkehrsdrehscheibe entstehen soll, war damals schon bekannt; also seit 16 Jahren.»

Hadorn sagt: «Es wird nicht das ganze Gelände bebaut, sondern nur ein Teil. Ausserdem steht südlich von Basel im Baselbiet ein Korridor von Ausgleichsflächen zur Verfügung.» Mit den Naturschützern sei der Hafen weiter im Gespräch. Dass sie das Gateway verhindern, hält er wegen seiner nationalen Bedeutung für ausgeschlossen, Verzögerungen für möglich.