Mirjam Weber ist, das kann man mittlerweile mit Fug und Recht behaupten, eine feste Grösse unter den Basler Schaufenstergestalterinnen. Dabei ist sie eigentlich Sattlerin, betreibt ihr Geschäft an der Klybeckstrasse, weit weg von der Innenstadt, und hat das Jahr hindurch nicht oft gestaltete Elemente in ihrer «Montere», wie das Schaufenster auf Altbaseldeutsch heisst.

Doch steht die Zeit der Wettbewerbe an, blüht sie auf: Mit Figuren, motorisierten Elementen und einfachsten Mitteln erschafft sie kleine Welten. So hat sie bereits diverse erste Plätze an Schaufensterwettbewerben dieser Stadt belegt, die zur Adventszeit stattfinden. Seit 2015 heisst die Auszeichnung «Vitrine d’Or» und wird vom Detailhandels- und Kleingewerbe-Verein «buy-local.ch» organisiert und durchgeführt. Vergangenes Jahr belegte Weber erneut Platz eins.

Webers diesjähriges Fenster ist eine Unterwasserwelt. Mit tauchendem Schaf, Lichtern, Quallen aus Petflaschen, Muschellandschaften, Fischen und üppig Sand. Die Sattlerin, die im vergangenen Jahr den ersten Platz belegt hatte, ist sichtlich stolz. Und die Nachbarn sind es auch: «Mirjam, da hast du dich selbst übertroffen», ruft ihr einer anerkennend zu. «Danke! Und vergiss nicht abzustimmen!», ruft sie zurück, lacht, ja, der Wettbewerb macht ihr Spass.

Das Schaufenster der «Sattlerei» im Video

Mitgebaut am Fenster haben Freunde und Kollegen, preislich kommt sie trotz opulenter Gestaltung gut durch. Rund 40 Franken habe sie das Ganze materialseitig gekostet; das Meiste ist gesammelt, anderes hat sie zusammengetragen, vieles ist improvisiert. Und das Quartier liebt das Fenster. Sei zum Beispiel etwas kaputt, würden sie umgehend Nachbarskinder anrufen, erzählt Weber. So sehr schätzt man die Dekoration, für die auch Landschäftler extra ins Klybeck reisen.

Sie bringen Leben in die Szene

Und so ist Weber ein Aushängeschild des Wettbewerbs, der zur Bekanntheit kleiner und kleinster Betriebe in der Stadt beitragen soll. Die Organisatorinnen von «buy-local.ch» legen sich dafür mächtig ins Zeug, organisieren Partnerschaften, kümmern sich um Verbreitung, um die Preise und das alles neben der Betriebsführung als Einfrau- oder Zweimannfirma. Denn grösser sind die Mitglieder-Firmen des Vereins selten. Sie sind die, die viele meinen, wenn sie vom «Lädelisterben» reden.

Dabei benutzt Lilian Mandingorra, die zu den Gründerinnen des Vereins gehört, das Wort nicht gern. Zu unpräzis sei es, wenig fassbar. Aber klar, sagt sie: «Das wirtschaftliche Umfeld ist oft nicht einfach.» Der Verein mit seinem Label hat sich dennoch etabliert: Rund 90 Mitglieder umfasst er, das Wachstum hält an. Zudem seien weitere Projekte in Planung, eine vertieftere Vernetzung mit Pro Innerstadt sei allenfalls auch möglich. Damit hat das Kleinstgewerbe eine erstarkende Lobby in einer Stadt, deren Kern zunehmend von internationalen Marken dominiert wird.

Kein Wunder befinden sich die meisten Geschäfte, die sich bei «Vitrine d’Or» beteiligen, in schmucken Seitengassen. Etwa im Gerbergässlein, entlang der Boutiquen-Meile Spalenberg/Schneidergasse oder gleich in den Quartieren. Dort sind Mieten und Ladenflächen oft noch erschwinglich genug, damit sich auch ein kleiner Laden im Markt behaupten kann. Das Umfeld ist hart, umso härter – und findiger – müssen sich Lädeli durchsetzen. Der Advents-Wettbewerb ist ein Mittel zum Aufschwung: Wenn das Schaufenster nicht nur das Herz der Geschäftstätigkeit zeigt, sondern auch das Herzblut, mit dem die Unternehmer den Detailhandels-Standort Basel beleben.

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Machen Sie beim Online Voting mit und stimmen Sie für Ihr schönstes Weihnachtsschaufenster ab. Mitte Januar findet die Ziehung der glücklichen Gewinner statt; Sie können einen von 10 Vitrine d’Or-Gutscheinen im Wert von 50 Franken gewinnen, welche in allen teilnehmenden Geschäften eingelöst werden können.

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