Herr Dilsiz, Ihre Idee, dass die «Weltwoche» an der Uni Basel keine Gratisexemplare mehr auflegen soll, sorgte in den letzten Tagen schweizweit für Schlagzeilen. Haben Sie damit gerechnet?

Düzgün Dilsiz: Ich habe schon erwartet, dass ein paar Leute in der Skuba (Studentische Körperschaft) dagegen sein werden. Aber dass nationale Politiker und «Weltwoche-Chef» Roger Köppel meinen Antrag kommentieren würden, wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Viele nutzen die Debatte auch als Steilvorlage, um sich zu profilieren.

Sind Sie froh darüber, dass die Debatte nun breit geführt wird, oder wäre es unter dem Strich nicht schlauer gewesen, mit Ihrem Vorstoss Ihren Gegnern nicht auch noch eine Plattform zu bieten?

Die Frage ist, ob man zielorientiert arbeiten will oder sich an seinen Idealen orientiert und diese konsequent vertritt. Es wäre extrem schwach, wenn ich nun meine Meinung wegen einem anonymen rechten Mob ändern würde, der uns online angreift.

Was meinen Sie damit?

Der Studierendenrat wurde im Internet massiv angegriffen. Man hat uns kollektiv Nazi-Methoden unterstellt. Gemeint war vor allem ich als Antragssteller.

Wie ist Ihr Antrag entstanden?

Mich und einige Kollegen stören die diskriminierenden und teilweise schlichtweg rassistischen Covers und Inhalte der «Weltwoche». Die Ausgaben werden an frequentierten Orten im Kollegienhaus gratis aufgelegt. Mich stört es, wenn dadurch Menschen diskriminiert werden. Und Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen, wenn ich sie nutze, um Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion anzugreifen. Deshalb wollen wir beim Rektorat beantragen, dass die «Weltwoche» nicht mehr gratis aufgelegt werden soll.

Ihre Gegner werfen Ihnen Meinungszensur vor.

Es geht nicht darum, ein Medium verbieten zu wollen. Das haben wir nie gefordert. Man könnte die «Weltwoche» auch weiterhin in den Zeitungsecken an der Unibibliothek oder in der Mensa lesen. Aber wir sind gegen die Gratisausgaben, also dagegen, dass die «Weltwoche» an der Universität Werbung machen kann. Das ist nichts anderes als der «Stopp Werbung»-Kleber am Briefkasten. Die Diskussion läuft meiner Meinung nach in die falsche Richtung. Die Presse- oder Meinungsfreiheit ist nicht tangiert. Mir ging es darum, ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung zu setzen.

Die Frage wird uns wohl noch einige Zeit beschäftigen. Das Referendum ist zustande gekommen. 

Die Gegner haben gute Chancen. Die Berichterstattung war grossteils falsch. Es fielen Schlagworte wie Verbot, Bann und Meinungsdiktatur. So wird es schwierig sein, unsere Position darzulegen. Viele werden sich auch zweimal überlegen, sich zu engagieren, wenn man so angegriffen wird.