BASF und Novartis werden ihre Areale aller Voraussicht nach dem Kanton Basel-Stadt anbieten. Das sagt eine gut unterrichtete Quelle der bz. Auch die Firma Huntsman an der Klybeckstrasse wird wegziehen. Offiziell bestätigen wollen BASF und Novartis nur, dass Gespräche mit dem Kanton laufen.

Es ist eines der grössten Areale und zudem sehr stadtnah: das Klybeck mit dem Novartis-Hochhaus, dem alten Ciba-Hauptsitz und zahlreichen Fabrikationsgebäuden der ehemaligen Ciba-Geigy. Es handelt sich um drei nicht zusammenhängende Areale.

- Das eine ist das ehemalige Hauptgebäude der Ciba an der Kreuzung Dreirosenstrasse-Klybeckstrasse. Es erstreckt sich im Norden bis zur Kleinhüningerstrasse. Die älteren Wohnhäuser Ecke Altrheinweg/Klybeckstrasse gehören nicht dazu.

- Das zweite Areal liegt dem ersten gegenüber, auch an der Klybeckstrasse.

- Das dritte liegt nördlich der Mauerstrasse und geht beinahe bis zur Aktienmühle.

Zweimal grösser als Erlenmatt

Die Fläche des BASF-Geländes beläuft sich auf 120 000 Quadratmeter. Die Novartis-Fläche beträgt 180 000 Quadratmeter, zusammen also 300 000 Quadratmeter. Das entspricht der Fläche der Sportanlagen bei St. Jakob, inklusive Gartenbad. Oder zweimal die Fläche des Erlenmatt-Areals. Der Wert des Geländes dürfte sich im dreistelligen Millionenbetrag bewegen, aber Schätzungen sind problematisch. «Wenn ich Ihnen einen Preis oder eine Preisspanne nennen würde, wäre das unseriös», sagte Beat Jundt von Gribi Immobilien. Immobilienpreise hängen sehr davon ab, wie der Boden genutzt wird und welcher Bebauungsplan besteht oder später vorgesehen ist. Der Boden ist dort teilweise Chemie-belastet. Ein 300 000 Quadratmeter grosses Areal, mitten in der Stadt, zum Teil mit Rheinanstoss. Das weckt Fantasien und Begehrlichkeiten. Bereits in den vergangenen Debatten über Wohnraum im Grossen Rat fiel irgendwann das Stichwort «BASF». Dort sollen – politisch von links nach rechts geordnet – Notwohnungen, günstige Wohnungen, gemeinnützige Wohnungen, Genossenschaftswohnungen oder «normale» Wohnungen entstehen. Und das in einem – von Grün nach TCS geordnet – autofreien Quartier, ökologisch nachhaltigen Quartier, verkehrstechnisch gut erschlossenen Quartier. 

Aber es gibt auch die Gegenforderung: FDP-Grossrat Andreas Zappalà verlangte bereits im Mai 2013, dass das Areal der Wirtschaft vorbehalten bleiben müsse. Darauf beharrt er heute noch: «Das soll Gewerbegebiet bleiben. Erhebungen zeigen, dass die Gewerbeflächen, die leer stehen, vor allem Büroflächen sind. Aber es fehlt Raum für das Gewerbe.» Eine Mischnutzung mit Wohnen und Arbeiten kann er sich nur schwer vorstellen. «Die Mischzonen, die immer wieder propagiert werden, sind für immissionsstarkes Gewerbe bedingt geeignet. Lärm und Verkehr neben Wohnnutzungen, das beisst sich erfahrungsgemäss.»

Hier zeigt sich, dass die Erlenmatt, auf der genau solche Mischnutzungen propagiert wurden und bis anhin nicht wirklich ins Rollen kommen, Spuren hinterlassen hat. Aber nicht nur hier. Immer wieder wurde vor allem von linker Seite im Rat gefordert, der «grosse Fehler der Erlenmatt» dürfe nicht wiederholt werden. Der Staat dürfe ein solches Gelände nicht verkaufen und somit aus der Hand geben. Das Land soll im Baurecht abgegeben werden. So behielte der Staat eine gewisse Kontrolle.

Verkaufen oder Baurecht?

Ebenfalls in Richtung einer Kontrolle, vor allem aber einer umfassenden Planung geht der Vorstoss, den Mirjam Ballmer (Grüne) und eine breite politische Phalanx von links bis rechts 2013 eingereicht hatten. Sie wollen eine Planungszone über das gesamte Areal legen. «Die Art der zukünftigen Nutzung des BASF-Areals spielt für die künftige Stadtentwicklung Klybeck/Hafen und Horburg eine grosse Rolle», schrieb Ballmer damals. Und zählt die Nutzungen «Gewerbe, öffentliche Nutzung, Wohnen, Kultur oder eine Kombination» auf. Mit einer Planungszone würde sich der Grosse Rat ein grosses Mitspracherecht sichern. Ballmer erklärt auch zum jetzigen Zeitpunkt: «Eine Planungszone nimmt nichts vorweg, was die Nutzung angeht. Aber sie stellt sicher, dass es eine sinnvolle Gesamtplanung gibt.» Was einen Kauf angeht, meint sie: «Ich würde es persönlich begrüssen, wenn der Kanton das Gelände erwerben könnte.»

Die Regierung gibt sich sehr verschlossen. 2013 kommentierte sie ihre Absichten nicht, mit Verweis auf eine Geheimhaltungsvereinbarung, die die Verhandlungen beträfen. Heute will man gar nichts mehr sagen. Ausser natürlich: «No comment.»