In der SP Basel-Stadt ist unvermittelt ein öffentlicher Streit ausgebrochen. Genossen werfen Genossen mangelnden Anstand vor, fragen an, ob «es noch geht» und vermuten durch die Blume, es sei hier dem Alkohol zu stark zugesprochen worden. Parteipräsident Pascal Pfister ist wenig erbaut ob des Streits: «Diese Art Konflikte auszutragen, ist nicht in unserem Sinne auch wenn natürlich jeder seine persönliche Meinung äussern darf.»

Doch der Reihe nach: SP-Nationalrätin Silvia Schenker postete auf Facebook einen Artikel über Altersarmut. So weit so langweilig. Doch dann, am späten Dienstagabend, schlug alt SP-Nationalrat und alt Grossrat Ruedi Rechsteiner zu: «So tun als ob man etwas täte. Wann lesen wir von deinem Rücktritt? Wir warten. Und wir sind viele. Ein bisschen Anstand stände dir gut an. Wenigstens ein bisschen.»

Der sass. Die erste Reaktion kam von ebenfalls alt SP-Nationalrätin Christine Keller: «Geht’s noch, Ruedi? War es etwa ok, wie man Dich aus dem Amt gedrängt hat? Ich war schon damals dagegen! Was soll jetzt dieser Angriff gegen Silvia? – Ich schätze Euch beide!» Doch mit diesem letzten Satz war es dann mit den Versuchen zur Versöhnung unter den altgedienten Genossen vorbei, nun mischen sich andere ein. Und vermuten, Rechsteiner sei derjenige, der jeden Anstand verloren habe.

Die nette Bezeichnung «Sozialfeudalisten» fällt, auf Rechsteiner gemünzt. Und teilweise halten die Kommentatoren ihre Meinung offenbar für unpublizierbar. Das sieht dann so aus: «Ich sage das nicht gerne, aber **** ****!» Selbst politische Gegner wie CVP-Präsident Balz Herter beziehen Position für die «linkste Nationalrätin der Schweiz»: «Ruedi, dein Kommentar ist so etwas von unterirdisch... Weshalb sollte Silvia vorzeitig zurücktreten?», schrieb er. Und weiter: «Ich als Aussenstehender finde das Verhalten gewisser ‹Sozialisten› (inkl. dir) ‹gruusig›!» 

Dass Rechsteiner gerne einmal die verbale Keule auspackt, ist allgemein bekannt. Ebenso, dass er seiner Partei nach wie vor gram ist. Denn Rechsteiner selbst wurde 2010 intensivst überredet, doch bitte im Nationalrat Platz zu machen und zwar für Beat Jans. Pfister sieht auch, dass eine Personaldebatte ansteht: «Ich äussere mich nicht öffentlich zur laufenden Personalpolitik der Partei. Klar ist, dass es derzeit offene Fragen gibt, was die Kandidaturen für Regierungsrat, Nationalrat und Ständerat angeht. Am Ende entscheidet in der SP immer die Basis, also unsere Delegiertenversammlung.»

Auch Schenker musste schon bei den letzten Wahlen eine Genehmigung der Partei einholen, um noch einmal kandidieren zu dürfen. Denn sie überschritt die parteiinterne Amtszeitbegrenzung. Bereits damals hatte diese Sonderregelung für einiges Grummeln unter jüngeren Parteimitgliedern geführt. Nun ist diese Diskussion wieder voll lanciert. Und Pfister will sie auch führen, gibt aber zu bedenken: „Es ist für mich verständlich, dass bei dieser Frage Emotionen im Spiel sind. Dennoch müssen wir es als Partei schaffen, diese Klärungen intern vorzunehmen.“