Bereits nach Abschluss der ersten Phase des insgesamt sechs Phasen andauernden Ausbaus der Wärmeverbund Riehen AG gehen die Verantwortlichen an die Öffentlichkeit. Ihnen ist bewusst, wie heiss das Thema Geothermie spätestens seit den durch Bohrungen ausgelösten Erdbeben 2007 in Basel gekocht wird.

Die Geothermiebohrungen in Riehen dürfe man aber keinesfalls mit den missglückten Bohrungen in Kleinhüningen vergleichen. «Es handelt sich dabei um zwei verschiedene Verfahren», erklärt Marcel Schweizer, Verwaltungsratspräsident der Wärmeverbund Riehen AG. «In Riehen tragen wir aus rund 1,5 Kilometern Tiefe 67 Grad warmes Wasser hoch und entziehen diesem die Wärme. In Kleinhüningen pumpte man Wasser bis zu fünf Kilometer tief in den Untergrund und zog anschliessend den heissen Dampf hoch. Bei uns kam es seit Beginn der Bohrungen noch zu keinen spürbaren seismischen Bewegungen.»

Erste Öffnung des Basler Geothermie-Bohrlochs

Erste Öffnung des Basler Geothermie-Bohrlochs im Juli 2017

Mit dem stufenweisen Öffnen des seit sechs Jahren verschlossenen Geothermie-Bohrlochs in Basel soll die Wahrscheinlichkeit eines spürbaren Erdbebens deutlich verringert werden.

Nachhaltige Wärmegewinnung

Die Geothermie in Riehen ist eine Erfolgsgeschichte. 1988 stiess der damalige Kantonsgeologe Lukas Hauber im Gebiet der Fondation Beyeler auf grosse Thermalwasservorräte. Bereits 1994 ging die Erdwärme nach erfolgreichen Testbohrungen ans Netz. Das Pionierprojekt strahlte weit über die Region hinaus.

Noch heute kommen Interessierte aus der ganzen Welt nach Riehen, um sich über die Organisation und Technologie der Wärmeverbund Riehen AG zu informieren. Erst kürzlich war eine chinesische Ministerin für Energieversorgung in Riehen zu Gast. Das Bundesamt für Energie preist den Wärmeverbund als Vorbild an.

Doch mittlerweile stösst die Erdwärme in Riehen an ihre Grenzen. Nicht etwa, weil das unterirdische Wasserreservoir zurückgegangen oder abgesunken ist – diese blieb über all die Jahre erstaunlich stabil und böte noch mehr Potenzial – sondern weil der Durchmesser der Bohrung keine höhere Pumpleistung zulässt. Um die Erfolgsgeschichte weiterzuführen und sogar auszubauen, soll in Riehen nach weiteren geeigneten unterirdischen Wasservorkommen gesucht werden.

Mit dem Bau einer zweiten Geothermieanlage soll der Anteil erneuerbarer Energie beim Wärmeverbund Riehen AG erhöht werden. Aktuell machen diese etwas mehr als die Hälfte des gesamten Energiemixes aus. Dieser besteht insgesamt aus 35 Prozent Geothermie, ein Drittel Gas aus dem Blockheizkraftwerk am Haselrain in Riehen, 16 Prozent Fernwärme der IWB aus Basel, zwei Prozent aus Holz aus dem Hebelschulhaus in Riehen und im Rest aus konventionellem Gas zur Deckung der winterlichen Spitzenlast.

Aktuell versorgt der Wärmeverbund Riehen AG über ein Drittel der Riehener Bevölkerung. Tendenz steigend. «Dieser Nachfrage nach ökologischer Wärme wollen wir nachkommen», betont Matthias Meier, Geschäftsführer der Wärmeverbund Riehen AG. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll nun geprüft werden, ob die wirtschaftlichen, finanziellen und geologischen Grundlagen ausreichend vorhanden sind. Läuft alles nach Plan, könnten bereits 2021 erste Testbohrungen durchgeführt werden.

«Goldader» verläuft durch die Region

Für Gemeinderat Guido Vogel (SP) hat die Geothermie im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien einen grossen Vorteil: «Es bestehen keine Anlieferungswege. Wir können die Energie senkrecht aus dem Boden holen und gleich in unser Netz einspeisen.» Deshalb müsse das neue Bohrloch auch im Raum Riehen liegen, um diese Vorteile zu erhalten.

Dabei seien auch Querbohrungen möglich, wenn oberhalb des gefundenen Wasserreservoirs nicht gebohrt werden könnte. Während Jahren war die Geothermie in Riehen nicht profitabel. Dies hat sich mittlerweile geändert. Auch weil 2009 viel Geld in den Ausbau der Infrastruktur investiert wurde.

Die 1988 gefundene «Goldader» an unterirdischen Wasservorkommen von Riehen, über Birsfelden und Basel bis ins Leimental bietet eigentlich noch mehr Potenzial für vergleichbare Geothermiebohrungen. Doch die Investitionskosten sind derart hoch, dass sie viele Gemeinden scheuen.

«Nicht jedes Thermalwasservorkommen eignet sich für Erdwärmebohrungen», sagt Markus Küng, Geschäftsleitungsmitglied der IWB, neben der Gemeinde Riehen Aktionär der Wärmeverbund Riehen AG. Die Vorkommen in Riehen seien aussergewöhnlich. «Es fand bisher keine Abnutzung und keine Abkühlung der Wärmequelle statt. Das stimmt uns für die Zukunft zuversichtlich.»