Die beiden Grossräte der Volksaktion Eric Weber und Martin Gschwind gehen künftig getrennte Wege. Gschwind wird neu als Parteiloser im Rat sitzen. Damit ist die noch junge, dafür turbulente und immer wieder schlagzeilenträchtige Parteigeschichte der Volksaktion um eine Episode reicher. Die Parlamentarier geben auf Anfrage sehr unterschiedliche Gründe für die Trennung an - finden aber umso deutlichere Worte, warum ihre Zusammenarbeit gescheitert ist.

«Politische Leiche»

«Martin Gschwind gibt der Partei kein Geld ab, und er hat mich als Arschloch beschimpft», sagt Parteigründer Eric Weber. Darum habe er ihn aus der Partei geworfen. Durch den Schnitt ändere sich nichts an seiner eigenen politischen Arbeit. In einem Mail von vergangener Woche erklärt er mit der Trennung von Gschwind dessen politische Karriere für beendet und bezeichnet ihn als «politische Leiche». «Gschwind soll seinen Weg selber suchen», sagt Weber. Und zu seinen eigenen, Anfang Jahr geäusserten Plänen, in den Mittleren Osten auszuwandern, sagt Weber: «Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Ich habe keinen schriftlichen Vertrag mit den Scheichs und will nun in Basel politisch tätig sein.» Dies könne sich aber jederzeit ändern.

Unterschiedliche Meinungen

Eine ganz andere Version der Trennung berichtet Martin Gschwind. Er hält fest, er sei selber aus der Volksaktion ausgetreten: «Ich habe ihm meinen Austritt in einem eingeschriebenen Brief mitgeteilt.» Der Grund für den Austritt seien politische Meinungsverschiedenheiten: «So extrem rechtsradikal wie er bin ich nicht. Und ich will ernsthafte Politik betreiben, aber er will nur boykottieren.» Als Beispiel für die unterschiedlichen Auffassungen nennt er die Asylpolitik. Aus seiner Sicht sei willkommen, wer sich integriere und arbeite. Gschwind räumt ein, dass er Weber beschimpft hat, «weil er so impulsiv handelt».

Ohne Parteiprogramm gestartet

Gschwind zeigt sich erleichtert, dass er jetzt nicht mehr zur Volksaktion gehört. Er wolle nun an seiner politischen Positionierung arbeiten und nach Möglichkeit selber Anschluss an eine Fraktion suchen.

Nach Angaben von Gschwind haben er und Weber nie ein gemeinsames Programm diskutiert, nicht vor den Wahlen und auch nicht nachher. «Weber macht einfach.» Seine eigene Kandidatur für den Grossen Rat bezeichnet Gschwind als spontane Idee. Er habe Eric Weber auf der Strasse kennen gelernt, beim Verkauf des Strassenmagazins Surprise. Mit einer Wahl habe er nicht gerechnet.
Wie verschieden die Parteikollegen sind, zeigte sich in den ersten Ratssitzungen der neuen Legislatur sehr rasch: Während Gschwind sehr unauffällig den Debatten folgte, nutzte Weber jede Möglichkeit, Präsenz zu markieren und das Wort zu ergreifen.