Prostituierte könnten legal im Teichgässlein stehen und in aller Ruhe um die Männer werben, die vom Claraplatz in die Ochsengasse schlendern oder umgekehrt. Aber sie tun es nicht. Lieber stehen sie Schulter an Schulter in der benachbarten Webergasse und nehmen die grosse Konkurrenz in Kauf.

Hier sind die Bars, in denen Freier ihr Bier trinken, hier sind die Zimmer, wo sie mit den Frauen hingehen, hier läuft was. Aber es leben auch Menschen in der Webergasse. Und die leiden, wie die bz gestern berichtete. Weil es lauter, dreckiger, aggressiver zugeht, seit der legale Strich markiert ist. Jetzt spielt sich alles direkt vor der Tür der Anwohner ab und ist nicht mehr wie früher auf mehrere Strassen verteilt.

Massnahmen gegen Aggressivität

Sonja Roest vom Fachreferat im Justiz- und Sicherheitsdepartement bestätigt, dass sich die Situation für manche Anwohner verschlechtert hat, seit eine Linie den Strich markiert. Aber: «Der Lärm, der Dreck, die Boulevardisierung der Strasse und das teils aggressive Anwerben der Frauen sind verschiedene und vielschichtige Probleme, die oft in einen Topf geworfen werden», sagt sie.

Nicht alles müsse mit der Prostitution zusammenhängen. Am Klingentalplatz etwa sei diesbezüglich Ruhe eingekehrt, dafür gäbe es neue Probleme: «Seit dort keine Prostituierten mehr stehen, erhält die Polizei mehr Lärmklagen wegen der Ausgehszene, die die Aufwertung mit sich bringt.» Die Frauen, die dort standen, halten sich inzwischen nur noch in den markierten Zonen um die Ecke auf. Um das zu erreichen, wurde diese überhaupt markiert.

Sie nehme die Anliegen der Anwohner ernst, sagt Roest, und mahnt diese, Störungen der Polizei zu melden. «Nur so wissen wir, welche konkreten Probleme vorliegen.» An einem Runden Tisch sei man dabei, Lösungen zu erarbeiten: «Wir suchen einen Weg, damit Prostituierte Männer nicht mehr so aggressiv anwerben.» Info-Flyer beispielsweise könnten helfen und würden geprüft. Man dürfe aber nicht erwarten, damit alle Probleme zu lösen. «Es ist aber sicher ein guter Weg, mit den Frauen ins Gespräch zu kommen.»

Die Webergasse wäre trotz Flyern überbelebt, das Teichgässlein weiterhin eine düstere Gasse ohne Leben. Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel sieht einen Ausweg aus der Situation: «Die Stadt muss sich überlegen, wie sie die anderen Strassen für das Sexgewerbe attraktiver gestalten kann, namentlich das Teichgässlein.»

Trotz Aufwertung mehr Frauen

Manche Gewerbeflächen im Teichgässlein sind seit Monaten zur Vermietung ausgeschrieben. Hier sieht Wernli eine Chance: «Warum können in diesen Räumen keine Bordelle betrieben werden? Die Frauen könnten unten auf der Strasse die Freier anwerben und würden keine Anwohner stören, da es dort keine Anwohner gibt.» Sie geht noch einen Schritt weiter: «Auch Schaufensterprostitution, wie es sie etwa in Holland gibt, wäre dort denkbar. Somit wäre auch das Lärmproblem weitgehend gelöst und die Strasse wäre belebt.»

Solche Ideen sind für Basel neu. Aber, wenn man Sonja Roest zuhört, müssen sie nicht grundsätzlich schlecht sein. Theres Wernli habe den Schaufenster-Vorschlag auch ihr gegenüber schon vorgebracht, allerdings sei dieser am Runden Tisch bisher noch nicht zur Sprache gekommen. «Ich bin offen für Ideen und am Runden Tisch gibt es keine Tabuthemen, deshalb werden wir auch über Nutzungsmöglichkeiten des Teichgässleins diskutieren», sagt Roest.

Konkreter möchte sie nicht werden. Für eine allfällige Verlagerung, wie sie Anwohner immer wieder fordern, findet sie deutlichere Worte: «Aus fachlicher Sicht wäre es schwierig, das Rotlichtmilieu in ein anderes, abgelegenes Quartier zu verlagern. Dort besteht keine soziale Kontrolle und die Prostituierten sind weniger geschützt. Mitten im Kleinbasel hingegen sind die Wege kurz und alle Ansprechpersonen nahe.»

Doch das Quartier entwickelt sich weg vom Milieu: Rotlichtbarone drehen dem Metier den Rücken zu und machen Puffs zu Wohnungen. Wo früher Kontaktbars waren, essen jetzt Studenten. Das hält die Frauen nicht davon ab, in der Rotlichtzone anzuschaffen. Seit für Bulgaren und Rumänen die volle Personenfreizügigkeit gilt, arbeiten sogar klar mehr Frauen im Kleinbasel. Aber wie sagt Sonja Roest? «Ich sehe oft mögliche Lösungswege, weiss aber auch: Einfache Lösungen gibt es nicht.»