Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) geraten im Schienen-Debakel immer stärker unter Druck. Mehrere Experten bezweifeln die offizielle Version des öV-Unternehmens, dass die mangelhafte Wartung der Tramräder die ausserordentlichen Schäden am Schienennetz verursacht haben. So sollen die Kontrollintervalle verlängert worden sein, ohne dass die BVB-Geschäftsleitung vorgängig darüber informiert worden sei, hatte Direktor Erich Lagler vergangene Woche vor den Medien erklärt.

Experten reicht das nicht als Erklärung: Alleine schlecht gewartete Tramräder könnten kaum für solche Schäden verantwortlich sein, sagt Peter Güldenapfel von der Firma Kompetenzzentrum Fahrbahn gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF. Es sei davon auszugehen, dass das Schienennetz bereits zuvor in einem schlechten Zustand gewesen sei. Nur so sei es möglich, dass der Verschleiss plötzlich so rasch vorangeschritten sei.

Das deckt sich mit Recherchen der bz: Auch andere Fachleute melden Zweifel an der offiziellen Version der BVB-Spitze an. Ihren Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Sie halten es beispielsweise auch für möglich, dass die BVB zu weiche Schienen eingesetzt habe, die dann entsprechend schneller abgenutzt würden.

Gleichzeitig wächst auch der politische Druck auf die BVB. SP-Grossrätin Toya Krummenacher, die als Gewerkschaftssekretärin beim VPOD die Unruhen im Verkehrsunternehmen von Nahem mitkriegt, hat gestern eine Interpellation eingereicht, in der sie Antworten vom zuständigen Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) fordert. So will sie wissen, ob der Regierungsrat seine Aufsichtsfunktion wirklich wahrgenommen hat, und wie hoch die Kosten am Ende ausfallen.

Ausserdem wirft Krummenacher die Frage auf, ob diese Entwicklung nicht absehbar gewesen sei. Dabei bezieht sie sich auf einen Artikel der bz, in dem vor einem Jahr Mitarbeiter der Werkstätten die neuen Effizienzvorgaben kritisierten: «Wenn die Zeit nun gekürzt wird, geht das nicht ohne Einbussen bei der Qualität und der Arbeitssicherheit», so die Aussage damals.

Zwei Freistellungen bei den BVB

In der vergangenen Woche haben nun auch die Basler Verkehrs-Betriebe reagiert. So wurde eine externe Untersuchung eingeleitet, wie die Probleme entstehen konnten. Ausserdem wurden der Leiter Technik und sein Stellvertreter bis zum Abschluss der Untersuchungen vorübergehend freigestellt. Offenbar gärte der Streit zwischen dem Leiter Technik und BVB-Direktor Erich Lagler schon länger. Dies berichten interne Quellen gegenüber der bz. Anlass war die umstrittene Anordnung von Lagler, die Revision der Trams neu aufzugleisen und in deutlich kürzerer Zeit durchzuführen. Der Streit eskalierte und der Direktor versetzte vor zwei Monaten den Technikchef in ein strategisches Projekt und stellte einen Externen neu an seine Stelle.

Gleichzeitig kommunizierten die BVB gestern ein Update zur laufenden Revision: Bisher seien vor allem Trams des Typs Combino bearbeitet worden. So wurde die Spur neu eingestellt. Bei einem Grossteil der Tramzüge wurden die Radsätze komplett neu profiliert, bei einem Fahrzeug sogar die gesamten Radreifen ersetzt. Bis Mitte September sollen sämtliche betroffenen Fahrzeuge bearbeitet sein.