Basel war vom 20. bis 22. März Austragungsort der «World Happiness Agora». Es handelte sich dabei um ein kleines Festival mit dem Ziel, das Glück unter die Leute zu bringen, so stand es zumindest in der Einladung: «Lasst uns das Glücklichsein mehren und das Leiden mindern.»

In dieser Agora sollten also, pünktlich zum Weltglückstag am 20. März, Bedienungsanleitungen zum Glücklichsein verteilt werden. Oder, sollte man sich bereits als einigermassen glücklich identifizieren, Möglichkeiten aufgezeigt werden, mehr davon zu bekommen. Glück, so sagte die Organisatorin Rebecca Roberts, sei nun mal nichts, was man sich wie eine Tasse Kaffee einfach einschenken könne. Es müsse stattdessen von innen «sprudeln». Das war als Anspielung gedacht auf die «Happyisierung» der westlichen Welt, die wie ein hartnäckiger Virus den Alltag durchdringt.

Zum Beispiel lässt sich das an der anhaltenden Marketingstrategie beobachten, das Glücklichsein nicht nur als Kaufanreiz einzusetzen, Stichwort «Kauf dich glücklich», sondern Produkte höchstselbst zu Glückstrophäen zu erklären. Es gibt «Happy Meals», «Happy Socks», die «Happy Hour». Die Engführung von Besitz und Glück ist so alt wie der Kapitalismus selber und hat durch den inflationären Gebrauch des Worts «Happy» zu einer schleichenden Relativierung dieses Gefühls beigetragen.

Diffuse Methoden

Weil nun aber das Glück diesen Warencharakter erlangte, braucht es alternative Strategien und Angebote, die das Glück wieder zu einem Gefühl machen. So ein Angebot wollte diese Basel World Happyness Agora sein. Aber die Sache hatte einen Haken. Die Veranstalterin der Agora war Rebecca Roberts, die sich auf ihrer Homepage als Coach für «innere Architektur» bezeichnet. Roberts gehört zu den Vertrauten von Luis Gaillardo, einem «Sozialunternehmer» aus den USA.

Die Idee der Agora funktioniert wie ein Franchise- Unternehmen: Gründer und Stichwortgeber ist Gaillardo, Events der «World Happiness Agora» finden weltweit statt. Gaillardos Methode vereint spirituelle und wissenschaftliche Strategien zu einer Art globalen «Verbesserung», er nennt es «Happytalism». Es ist so diffus, wie es klingt.

Das Glück blieb eine Ware

Roberts sagt, die Agora sei keine Sekte. Hier werde niemand manipuliert, es gebe kein Leitbild. Es gehe ihr darum, Leute zusammenzubringen und glücklich zu sein. Das Wort Neugierde fällt oft. Offenheit auch. Und «self development», oder «access to creative potential». Und hier war der Haken. Es mochte an der amerikanischen Ader der Veranstaltung liegen, die im Untergeschoss des Hyve Hostels im Gundeli stattfand. Aber der Effizienzspruch war sinnbildlich für die gescheiterte Idee, das Glücklichsein aus dem ökonomischen Verwertungskreislauf herauszulösen. Das Glück blieb eine Ware.

Im Vordergrund standen zwar praktische Fragen. «Sei radikal ehrlich, lasse Unsicherheit zu, vertraue deiner Intuition». Tatsächlich wurde dabei «das Glück» weiterhin wie ein Ding behandelt, das man planen, kriegen, verwalten, vermehren kann. In Workshops wie «Bullshit Free Living» oder «The Art of Workplace Fulfilment» wurde einiges unternommen, um das Glücklichsein ökonomisch verfügbar zu halten.

Glück wurde damit nicht als Zustand der Zweckfreiheit interpretiert. Sondern als Abwesenheit von Störfaktoren, die eine optimale Performance verhindern. Das war natürlich «Happytalism» at its best und zeigte unterm Strich, was eine Binse ist: Glück ist nicht käuflich. Ausser in der «Happy Hour».