Die rund 30 Frauen entwickeln denn auch schon vor dem offiziellen Beginn um acht Uhr eine Eigendynamik, welche die Initiantin Kathrin Stalder kaum zu bremsen vermag. Sie instruiert die Strickfrauen kurz, verteilt zur Stärkung Schöggeli - und Kabelbinder, um die bis zu 30 Meter langen und 70 Zentimeter breiten Wollbänder am runden Handlauf der Wettsteinbrücke zu fixieren.

Als Grund für ihre Aktion nennt Stalder den Wunsch, eine graue Stadt etwas bunter zu gestalten. Aber auch die Absicht, ein altes Handwerk aufzuwerten und den Umstand, dass Alt und Jung gemeinsam etwas Kreatives gestalten: «Das Ganze soll ein bunter Bilderbogen sein.» Strickarbeiten verdankt die Gruppe auch Menschen mit Behinderungen, Schulklassen sowie Facebook-Freundinnen aus dem In- und Ausland, so Stalder.

Eifrig und gut gelaunt suchen sich die Frauen ihren Standort aus, wo sie ihr Werk anbringen wollen. Einige Männer sind als Helfer da. Nur einer von ihnen hat mitgestrickt, der Münster-Fährimaa Jacques Thurneysen.

Er stricke seit Jahren seine Pullover selber, sagt er. Ein 20 Meter buntes Wollband hat - wie viele andere auch - Verena Pösinger mitgebracht. Sie war im August 2011 dem Aufruf von Kathrin Stadler gefolgt und hat sich wöchentlich zum gemeinsamen Stricken am Rheinufer (oder im «Unternehmen Mitte») getroffen. Es sei schön gewesen, gemeinsam etwas anzupacken.

Strickkünstlerin aus Köln dabei

Dass es sich bei der Aktion «Basel farbARTig verstriggt» letztlich um vergängliche Kunst handelt, stört Pösinger nicht. «Denn auch Strassenmaler oder Graffiti-Künstler schaffen keine Werke für die Ewigkeit.»

Geschaffen werde hier etwas für das Auge und das Herz. Eigens für diese Aktion aus Köln angereist ist die Strick-Graffiti-Künstlerin Ute Lennartz-Lembeck, die im Internet von der Aktion erfahren hat. Sie hat ihr buntes Band mit mehreren Stoffstreifen verziert, auf welches Zitate aus Schillers «Wilhelm Tell» aufgenäht sind. Sie habe «etwas machen wollen, das einen Bezug zur Schweiz hat».

Ihr zur Hand geht Jannette Hengartner, die in der Zeitung von der Aktion gelesen und sich spontan entschlossen hat, beim Befestigen der Wollbänder zu helfen. Und während der Arbeit diskutiert sie munter mit der Graffitikünstlerin aus Deutschland über Kunst und deren Wirkung.

Hommagen an Basel

Die Frauen und ihre Helfer kommen zügig voran. Schon nach einer halben Stunde ist ein guter Teil des Geländers «verpackt». Zu sehen sind Abschnitte in den FCB-Farben. Oder es ist auch mal eine Hommage zu lesen: «I love Basel» oder «My Basel - My Stadt».

Auf Bändern aufgenäht sind gehäkelte Schlangen, Fische, Schmetterlinge oder Vögel, aber auch Kussmünder und Blumen. Einige Künstlerinnen haben übergrosse Stoffkonfetti auf das Band genäht oder Smileys. Der Fantasie haben die Frauen freien Lauf gelassen. Entstanden ist ein Werk, das die Passantinnen und Passanten auf der Wettsteinbrücke noch Wochen erfreuen wird.