Mit der «Stadtrandentwicklung Ost» soll in Basel ein neuer Stadtpark zwischen Wiese und Rhein entstehen - mit Wohnhochhäusern, die in eine neue Freizeitlandschaft integriert sind. Der Ausblick auf den Rhein aber wird durch eine Blechkolonne geprägt sein: Denn durch die Grenzacherstrasse, die den Grenzübergang Hörnli mit Basel verbindet, fliesst der Verkehr vom deutschen Grenzach-Wyhlen nach Basel und zurück.

«Täglich fahren 14 000 Autos durch Grenzach-Wyhlen, im Oktober und November waren es sogar 16 000, darunter auch viele Schweizer. Einkaufstourismus und Grenzgänger haben zugenommen. Unsere Innenstadt ist ein Unort», erklärt Bürgermeister Jörg Lutz.

Ortskern soll aufgewertet werden

Das soll anders werden. «Wir wollen die Anwohner entlasten und die Ortskerne aufwerten.» Seit sage und schreibe 1937 gibt es Pläne für eine Umgehungsstrasse - die letzten Jahre sind sie konkreter geworden, und mit der Planfeststellung ist seit 2005 die rechtliche Voraussetzung für den Bau geschaffen.

Als erster Teil der Umfahrung wird derzeit der Bahnübergang Hörnle hinter dem deutsch-schweizerischen Grenzübergang durch Unterführungen ersetzt. Die Deutsche Bahn will mit ihren Arbeiten bis Ende April 2013 fertig sein. «Das entlastet allerdings nur die Pendler und nicht die Anwohner», sagt der Bürgermeister.

Als Umgehung zur Fahrt nach Basel dürfe die Strasse nicht genutzt werden: «Das kann niemand wollen.» Lutz räumt aber auch ein: «Es ist die alte Frage, ob eine neue Strasse mehr Verkehr produziert. Das lässt sich nicht wegdiskutieren.» Gleichzeitig wolle man mehr auf den öV setzen - seit kurzem wurden die Frequenzen des 38er-Busses nach Basel zur Hauptverkehrszeit auf einen15-Minuten-Takt erhöht.

Ähnlich argumentiert auch der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels. «Es ist sicher wichtig, dass sich die Frequenzen gut entwickeln.» Er meint neben dem Bus auch die S-Bahn-Verbindungen und die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke.

Laut Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements, wird das Basler Projekt «Stadtrandentwicklung Ost» durch das Strassenvorhaben auf deutscher Seite nur «geringfügig beeinträchtigt».
Aufgenommen werden soll der Verkehr auf der Basler Seite wie bisher durch die Grenzacherstrasse, die direkt am Rhein verläuft. Laut Martin Sandtner, Leiter des Basler Planungsamts, sei es aber durchaus denkbar, den Verkehr durch die Grenzacherstrasse durch Gestaltungsmassnahmen zu verringern, sprich, sie als Alternativroute durch Verlangsamung weniger attraktiv zu machen.

Von den Testplanungen für Stadtrandentwicklungen wird für Basel-Ost der Entwurf von Diener & Diener Architekten mit August Künzel Landschaftsarchitekten weiterentwickelt. Er ist Teil des Basisratschlags Zonenplanrevision und momentan in der Bau- und Raumplanungskommission des Grossen Rats in Beratung.

Von Verlegungsidee abgekommen

Ursprünglich gab es Pläne, die Verkehrsführung von und zur Grenze Richtung Bahndamm zu verlegen und die Wohn- und Freizeitzonen bis an den Rhein zu ziehen. «Davon ist man wieder abgekommen. Für den Naturschutz wäre das unerwünscht, weil die Strasse das Ufer vor dem Freizeitdruck schützt. Ausserdem ist der Verkehr vorne erträglicher», sagt Sandtner. Allerdings sei die Idee, die Strasse zu verlegen, im Richtplan mit aufgenommen.

Da die Umgehungsstrasse von Grenzach-Wyhlen sich vom Rhein her der Grenze nähern wird, wäre bei der Verlegung eine S-Kurve nötig. Ironie der Geschichte: Vor 20 bis 30 Jahren wollte Grenzach-Wyhlen die Bundesstrasse nördlich der Bahnlinie verlegen, stiess aber beim Kanton Basel-Stadt auf Widerstand. Heute ist das für die deutsche Gemeinde nicht mehr möglich, da sich dort nun Wohngebiete befinden.

Lutz schätzt die Kosten für die sieben Kilometer lange Umgehungsstrasse auf 20 bis 30 Millionen Euro. Sein Problem: Sie ist durch die rot-grüne Landesregierung nicht priorisiert, wogegen er sich wehren will.

Die Basler Grenzacherstrasse war auch schon Thema in der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) des Grossen Rats. Dort war man sich einig, dass das Entwicklungsgebiet am Rhein eine «Primesite» sei. «Die Strasse müsste unter den Boden oder an den Bahndamm verlegt werden», sagt der grüne Uvek-Präsident Michael Wüthrich.