Da ist es heiss und sonnig im April, doch die Buvetten am Kleinbasler Rheinbord, die sind geschlossen. «Faules Pack», sagt sich der ahnungslose Spaziergänger, «jetzt hätte ich doch glatt ein Bier oder zwei getrunken, doch wo kein Stuhl und kein Personal ist – dort ist auch kein Umsatz.»

Falsch liegt er, der Spaziergänger. Es ist im Gegenteil so an heissen Apriltagen, dass die Buvettenbetreiber selber heiss wären, ihren Laden endlich zu öffnen und das Bier fliessen zu lassen; aber dies nicht länger als sechs Monate tun dürfen. Weil es die Behörden so wollen. Sie haben für Buvetten ein komplexes Sonderrecht geschaffen, das eine Mischung aus «normaler» Baubewilligung und temporärer Bewilligung etabliert. Und daran hat bisher niemand gerüttelt.

Doch jetzt weht ein neuer Wind. Eine parlamentarische Gruppe, die heterogener nicht sein könnte, hat einen Vorstoss für eine Ausdehnung der Buvetten-Betriebsdauer eingereicht.

Von ganz links bis ganz rechts wurde der Anzug unterschrieben, denn von ganz links bis ganz rechts ist man sich einig: Buvetten erfüllen einen sozialen Auftrag, indem deren Betreiber dafür sorgen, dass die Leute bei den Buvetten ihren Abfall in dafür vorgesehene Behälter werfen, Musik in erträglicher Lautstärke hören und von Aggressionen absehen. Das sehen auch die Behörden so. Sie betonen gern, dass die soziale Kontrolle am Rhein unter anderem dank den Buvetten wiederhergestellt sei.

Sechs Monate fix – welche, ist egal

Warum also um alles in der Welt dürfen diese Buvetten nur sechs Monate pro Jahr offen haben – und nicht auch mal sechseinhalb, wenn das Wetter mitspielt? Das ist die Kernfrage der Grossräte. Sie ersuchen die Regierung, dafür zu sorgen, eine «unbürokratische Verlängerung» zu prüfen oder gar zu ermöglichen, damit sich folgende Situation nicht wiederholt: «Diesen Frühling haben die Buvetten unnötigerweise erst spät geöffnet, um nicht in die Falle einer behördlich verordneten Schliessung bei schönem Herbstwetter zu tappen.» Voilà. So war es.

Die Betreiber der vier Buvetten hätten bereits im heissen April öffnen dürfen, da ist man bei der Verwaltung flexibel, wichtig dann aber: April, Mai, Juni, Juli, August, September – macht sechs Monate. Das heisst: Selbst bei 30 Grad im Oktober müssten die Buvetten schliessen, sechs Monate sind und bleiben sechs Monate. Aus Angst, dieses Szenario könnte eintreten, haben die Buvetten-Betreiber aber die schönen Apriltage verstreichen lassen und hoffen nun, den verlorenen Monat im Oktober geniessen zu können.

Betreiber sollen selber entscheiden

Grossrat Mark Eichner (FDP) kann diese Regelung nicht nachvollziehen und hat darum den Anstoss für den Anzug gegeben. Als Bewohner des Rheinbords hat er miterlebt, wie andere Anwohner skeptisch waren, als die Behörden gleich mehrere Buvetten ermöglichten, jetzt aber selber Gäste sind dort. Er sagt: «Die Buvetten-Betreiber sorgen für eine geordnete und friedliche Nutzung, es gibt keinen Grund mehr für diese Beschränkung.»

Natürlich gelte es im Falle einer Ausdehnung, die Bedingungen denen klassischer Gastrounternehmen anzupassen. Stichwort: Fairness. Aber: «Die Betreiber sollen selber entscheiden können, wie lange sie offen haben.» Eine Lockerung wäre im Sinne von Eva Baudenbacher von der Oettlinger-Buvette: «Diese Möglichkeit zu haben wäre sehr interessant.» Auch sie hätte gern schon im April geöffnet, wollte den Monat aber «sparen» für den Fall eines schönen Herbstes.

Was sagen die Behörden? Nicht viel, solange der Vorstoss unbehandelt ist. Nur das: Der Charme einer Buvette leite sich von der provisorischen Bauweise ab; weniger charmant sei, wenn die Buvetten längere Zeit am Stück geschlossen hätten. Vor- und Nachteile einer längeren Betriebsdauer müssten «vorsichtig abgewogen» werden.