Herr Wüest-Rudin, nichts ist weniger grün als eine Autobahn und nichts weniger liberal als ein Planungs-Moratorium. Hatten Sie als Grünliberaler Mühe, eine Meinung zu fassen?

David Wüest-Rudin: Es war nicht einfach, ja, allerdings liegt das Problem vor allem darin, dass die Autos heute nicht mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Sobald die Fahrzeuge CO2-neutral sind, können Autobahnen je nachdem sinnvoll sein, insbesondere wenn sie unterirdisch sind.

Bei solchen Fragen sendet die Grünliberale Partei auch ein Zeichen, entweder in Richtung «grün» oder in Richtung «liberal». Sprechen Sie so etwas Heikles mit der nationalen Parteispitze ab?

Das kommt vor, war aber in diesem Fall meines Wissens nicht so. In der Regel stimmen wir im Zweifelsfall grün, dazu stehen wir. Noch lieber stimmen wir aber einfach vernünftig ab. Wir fragen, was ist die Wirkung? Hinter dem klimapolitischen Ziel der Motion stehen wir, sie hätte aber leider nicht viel bewirkt. Der Bund plant die Autobahnen. Es ist völlig offen, ob wir einem konkreten Autobahnprojekt dann zustimmen oder nicht.

Nun warten Sie mit einer eigenen Motion auf – darf man die perfekte grün-liberale Lösung erwarten?

Wir haben intern um unseren Standpunkt gerungen. Wir wollten einen konstruktiven Ansatz ohne Moratorium, darum die neue Motion. So kann sich der Kanton in die Bundesplanung einbringen, das Ergebnis muss aber einen stark beschleunigten Umstieg auf erneuerbare klimaschonende Autos sowie Projekte für öV und Velo beinhalten.

Das hält den Druck aufrecht und dürfte mehrheitsfähig sein, auch beim Regierungsrat. Es erfordert auch von den Wirtschaftsverbänden, viel mehr für den Umstieg auf erneuerbare Energie zu tun, sonst kommen wir nicht weiter. Das Kernproblem sind wie gesagt nicht Autos oder Autobahnen an sich, sondern der klimaschädliche Antrieb.