Die Schüler haben noch eine Woche Ferien. Die Lehrer eher nicht. Sie bereiten längst das neue Schuljahr vor, das alte Vorurteil «Lehrerinnen sind Ferientechniker» ist – tja, eben ein Vorurteil. Im Theater um Lehrpläne und Co scheint das Wissen verloren gegangen, dass kein «Lehrplan Einundzwanzigkommafünf» morgens aufsteht und keine «Kompetenzbeschreibung» die Schülerinnen begrüsst. Menschen aus Fleisch und Blut tun das – omg!

Menschen verbinden sich lieber mit konkreten Menschen als mit abstrakten Ideen. FCB-Fans rufen öfter nach «Integrationsfiguren» als nach dem Business-Plan, Bernhard Heuslers Ausstrahlung liegt in seiner Persönlichkeit, nicht im «Kompetenzbeschrieb». Der Aufstieg der SVP-Ideologie hängt an der Person von Christoph Blocher, bei Wahlen ist die Persönlichkeit oft wichtiger als die Partei. Das birgt auch Schattenseiten, bleibt aber dennoch eine Grundlage des Mensch-Seins, eine «condition humaine».

In den Religionen ist das nicht anders. Wir sind weder «Bibliker» noch «Kreuzinnen», sondern Christen, benannt nach einem Menschen. So wie die Buddhistinnen. Auch die Juden nennen sich nach einem Menschen, und als ich noch zur Schule ging, redete man von «Mohammedanerinnen», wegen – eben ja.

Jesus wiederum wurde oft «Rabbi» genannt, also Lehrer, Buddha sieht man oft in Lehrpose, und damit sind wir zurück im Klassenzimmer.

Dort lautet eine Binsenwahrheit: Der beste Lehrplan ist nichts wert mit demotivierten Lehrern, eine motivierte Lehrerin macht mit jedem Lehrplan guten Unterricht. Eine Schule ist so gut wie die Motivation ihrer Lehrer, eine Schulentwicklung so erfolgversprechend wie die Wertschätzung gegenüber ihren Lehrerinnen. Wer die Schule verbessern will, muss dort anfangen und dort den Schlussstein setzen: Bei Motivation und Wertschätzung der Lehrer. Nur wer das verstanden hat, sollte Lehrpläne entwickeln dürfen, weil sonst lediglich Sandkastenspiele der eigenen Eitelkeiten entstehen.

Auch im Medienzeitalter bleibt die Persönlichkeit der Lehrerinnen matchentscheidend. Wo dank Internet alle möglichen Informationen so leicht zugänglich sind, ist die Persönlichkeit des Lehrers gefragt, der den Schülerinnen hilft, die Informationen zu werten, einzuordnen und mit anderen Gebieten in Beziehung zu setzen.

Das ist jetzt zwar nicht wirklich neu. Rabbi Jesus zum Beispiel hat genau das getan: er hat die Informationen aus der Flut der jüdischen heiligen Schriften neu gewertet und neu miteinander verknüpft. Er hat seinen Schülerinnen die «Lerninhalte» mit Geschichten aus ihrem aktuellen Alltag verständlich gemacht, ich würd mal sagen mit nachhaltiger Wirkung. Motivation und Wertschätzung erhielt er von seinen Schülerinnen (meistens) und von einigen anderen Lehrern. Die offiziellen «pädagogischen Räte» und politischen Gremien schätzten Rabbi Jesus eher nicht, um es sanft auszudrücken.

Ich wünsche den Schülerinnen und Schülern nächste Woche deshalb motivierte Lehrerinnen. Und den Lehrern wünsche ich, dass sie Motivation und Wertschätzung «von oben» nicht wie Rabbi Jesus nur von Gott erhalten, sondern auch von den verantwortlichen pädagogischen und politischen Gremien.